Berlin - Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo hat bisher in rund 470 Wohnungen der Autobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf asbesthaltige Fußbodenplatten ausgebaut und entsorgt. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto hervor. Die Sanierung erfolge im Zuge von Mieterwechseln, nach Mängelmeldungen oder Reparaturen, erklärt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in der Antwort.

Unter Denkmalschutz

Die Frage, wie viele Wohnungen an der Schlangenbader Straße noch asbestsaniert werden müssen, bleibt indes unbeantwortet. Es dürfte sich um die Mehrzahl handeln. Zu dem 1980 fertiggestellten Bau-Komplex gehören insgesamt 1759 Wohnungen, davon 1064 in der Autobahnüberbauung und 695 am Rand davon.

Seit Ende vergangenen Jahres steht die Wohn-Anlage unter Denkmalschutz. Die meisten Wohnungen sind im Besitz der Degewo, ein Teil wurde an Mieter verkauft. Asbest findet sich in der „Schlange“ außer in Fußbodenbelägen zum Beispiel in Faserzementrohren, in Faserzementplatten, in Brandschutzverkleidungen, in Füllungen von Brandschutztüren und Brandschutzklappen, heißt es.

Der Denkmalschutz erstreckt sich zwar auf das gesamte Gebäude. Also auch auf die asbestbelasteten Bauteile. „Das heißt aber nicht, dass asbestbelastete Bauteile nicht durch ähnliche, nicht schadstoffbelastete Materialien ausgetauscht werden können“, führt die Senatsverwaltung aus.

Modellprojekt vorgeschlagen

Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto fordert: „Die Schlange muss Modellprojekt für die Asbestsanierung der Berliner Wohngebäude werden.“ Der Denkmalstatus erfordere eine sorgfältige Bestandsaufnahme und einen abgestimmten Sanierungsfahrplan. Der Senat und die Degewo sollten dabei demonstrieren, wie Asbestsanierung, gesundes Wohnen und Denkmalschutz in Einklang zu bringen sind.

„Wenn die Degewo mit der Sanierung finanziell überfordert sein sollte, muss über eine Landesförderung nachgedacht werden“, so der Grünen-Abgeordnete. „Aufgrund der bundesweiten Bedeutung der Zeitbombe Asbest ist auch finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung gefordert. Etwa in Form eines Zuschusses für die fachgerechte Entsorgung von Asbestmaterialien.“ Das will auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt erreichen. Sie setzt sich, wie berichtet, dafür ein, dass die Asbestsanierung durch ein Förderprogramm der KfW-Bank unterstützt wird.

100.000 asbesthaltige Wohnungen in Berlin 

Asbest wurde vor allem in Gebäuden aus den 50er- bis 70er-Jahren verbaut. Solange die asbesthaltigen Bauelemente unbeschädigt sind, geht keine unmittelbare Gefahr von ihnen aus. Wenn aber beispielsweise die Fußbodenbeläge beschädigt sind, können gefährliche Asbestfasern freigesetzt werden.

Der Grünen-Abgeordnete Otto schätzt, dass rund 100.000 Wohnungen in Berlin asbesthaltige Fußbodenbeläge enthalten. Die rot-rot-grüne Koalition will das Problem angehen. Der Senat soll eine Strategie zum asbestfreien Wohnen erarbeiten, heißt es in einem Antrag, der am Mittwoch im zuständigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses auf der Tagesordnung steht.