Die Geschichte hat bewiesen, dass es nicht immer die klügsten Köpfe sind, die an der Spitze stehen. Das wurde neulich an einem Beispiel deutlich, von dem ich auf meinem Abreißkalender las. Im Jahr 1899 verkündete der Amerikaner Charles H. Duell: „Es gibt nichts Neues mehr. Alles, was man erfinden kann, ist schon erfunden worden.“

Mister Duell war nicht irgendjemand, er war einer der Chefs beim obersten Patentamt der USA. Natürlich – die wichtigsten Dinge waren bereits erfunden: das Rad, das Haus, der Ofen, Fensterglas, das Buch, die Dampfmaschine, sogar das Automobil war 13 Jahre zuvor im fernen Deutschland von einem Herrn namens Benz als Patent angemeldet worden. Ob Mister Duell dies wusste, ist unklar, denn das erste Autowerk der USA öffnete erst 1899.

Wer den Satz vom Ende aller Erfindungen hört, denkt an Einsteins Spruch: „Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“

Soziale Roboter, die mit der Hüfte wackeln

Mit seinem grandiosen Irrtum war Mister Duell nicht allein. Die einen sagten, das Telefon sei zur Kommunikation nicht zu gebrauchen, andere prognostizierten, der kleinste Computer der Welt werde höchstens 1,5 Tonnen wiegen, andere Fachleute waren sich sicher, dass sich das Internet niemals durchsetzen wird.

Doch das Leben ist anders: Ständig kommen neue schlaue Leute und denken sich neue Dinge aus. Es gibt reichlich Erfinder-Nachwuchs. Auch in Berlin. Ich kenne einen Fünfjährigen, der weder Polizist noch Feuerwehrmann werden will, sondern Erfinder. Neulich fragte der Junge, was denn die allerneuste Erfindung sei. 

Im Internet fand sich eine Liste der Zeitschrift Times. Auf Platz 1 war ein sogenannter „sozialer Roboter“ namens Jibo, der wie alle anderen Sprachassistenten in der Wohnung auf Anweisung der Bewohner Musik abspielt und ähnliches. Aber Jibo kann auch noch mit seinem virtuellen Auge rollen und mit der Hüfte wackeln. Wahnsinn. Wer’s braucht.

Glück für die Menschen und elektronische Schlaumäuse

Platz 2 war eine elektronische Spezialbrille für 10.000 Dollar, die Sehbehinderte wieder sehen lässt. Dann folgte noch ein Isolierbecher für den Coffee to go, bei dem man sich nicht mehr die Lippen verbrennen kann, weil man per Handy dem Becher befehlen kann, wie kalt oder warm der Kaffee sein soll.

Der Fünfjährige hat übrigens auch schon ein paar Dinge, die er erfinden will, wenn er erwachsen ist: Zuerst eine Süßigkeitenpistole, aus der Bonbons schießen. Dann noch eine Maschine, die arme Leute reich macht. „Das Beste an der Maschine sind aber die zwei Knöpfe in der Mitte“, sagte er, „wenn man bei dem einen Knopf draufdrückt, kommen Überraschungseier raus, bei dem anderen kommt Glück für die Menschen raus.“

Er will auch eine elektronische Schlaumaus bauen, die allen ganz viel Spaß macht. Außerdem will er ein Buch erfinden, das die Seiten ganz allein umblättert und das den Text selbst vorliest. All das konnte Mister Charles H. Duell 1899 natürlich nicht ahnen.