Der Sprecher der Berliner AfD, Ronald Gläser, hat den Umgang seiner Partei mit einer Satire des Comedians Schlecky Silberstein verteidigt – und zugleich Fehler eingeräumt. „Das ist suboptimal gelaufen“, sagte Gläser der Berliner Zeitung. „Wir sollten vielleicht das Gespräch mit ihm suchen.“

Antisemitische Beschimpfungen

Die AfD hatte Ende vergangener Woche ein Video veröffentlicht, in dem der Parlamentarische Geschäftsführer der Abgeordnetenhausfraktion, Frank-Christian Hansel, vor der Haustür von Silbersteins Produktionsfirma steht – offenbar in der Absicht, ein Gespräch mit ihm zu führen. Das Vorhaben scheiterte jedoch daran, dass niemand die Tür öffnete. In dem Film ist die Adresse zu erkennen.

„Ein Abgeordneter muss wissen, dass diese Unsitte, Privatadressen ins Netz stellen, nicht nur illegal ist, sondern auch gefährlich”, schrieb Silberstein am Montag in einem Blogbeitrag unter dem Titel „Ein Hauch von ‘33“. „Wenn Politiker bei Künstlern auftauchen, um ihnen zu zeigen ‚Wir wissen, wo Du wohnst‘, dann sind wir wieder soweit“. Nutzer sozialer Netzwerke hatten Silberstein nach der Veröffentlichung des AfD-Videos antisemitisch beschimpft und mit dem Tod bedroht.

Anlass des Hausbesuchs durch die AfD war ein Dreh von Silberstein am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg am 7. September. Der anderthalbminütige Clip parodiert das „Volksfest in Chemnitz“ – die rechtsextremen Ausschreitungen ebenso wie die #wirsindmehr-Gegendemonstration. Teil der Kulisse war ein Parteistand der AfD – das Logo der Partei wurde dabei nur minimal verfremdet gezeigt, ihr Name genannt. Das sei im Rahmen von Satire zulässig, betonte Silberstein im Gespräch mit der Berliner Zeitung: „Wir haben Bezug genommen auf reale Ereignisse, und es waren Vertreter der Partei vor Ort in Chemnitz.“ Einer von ihnen war übrigens Frank-Christian Hansel, der gemeinsam mit anderen AfD-Politikern und Pegida-Gründer Lutz Bachmann am sogenannten Trauermarsch teilnahm, er gab dazu diese Erklärung ab.

AfD drohte mit Anzeige

Es sei mit zahlreichen Aushängen deutlich gemacht worden, dass ein Filmdreh stattfindet, sagte Silberstein. Ob darauf auch stand, dass es sich um eine Satire handelt, wisse er nicht mehr. In Gesprächen hätten Mitarbeiter des Teams aber Passanten das Geschehen erklärt – unter anderem jagten Männer mit kahlem Schädel einen dunkelhäutigen Mann am AfD-Stand vorbei. „Am Set wollten viele Menschen wissen, was passiert. Wir haben es allen erklärt.“

AfD-Sprecher Gläser sagte, die Partei habe ein Handyvideo erhalten, das ein Sympathisant aufgezeichnet habe. Daraus sei nicht hervorgegangen, worum es bei dem Filmdreh ging. „Für uns sah es so aus, als würde unser Logo missbraucht.“ Parteivizechef Georg Pazderski erklärte in einer Pressemitteilung am Mittwoch voriger Woche gar, man wolle Anzeige erstatten wegen der Vortäuschung einer Straftat und bezog sich dabei auf die von den Komparsen dargestellte Menschenjagd.

Kein vorheriger Klärungsversuch

Einen Tag später, am Donnerstag voriger Woche, habe die AfD vom Bezirksamt Lichtenberg auf Anfrage die Adresse von Silbersteins Produktionsfirma erhalten, die eine Sondernutzungsgenehmigung für den Dreh erhalten hatte. Die AfD hätte nun per Telefon oder Mail Kontakt aufnehmen können mit Silberstein, um Unklarheiten auszuräumen. Tat sie das? „Nein“, antwortet Gläser. „Wir wollten das nicht erst ankündigen. Wir wollten die Methoden der Fernsehleute anwenden und diesen Besuch dokumentieren.“

Er sei „nicht schön, wenn Leute Herrn Silberstein etwas androhen“, sagte Gläser. „Wenn er Anti-AfD-Propaganda macht, sollte er sich aber über Reaktionen nicht wundern.“ Besonders ärgerlich sei, dass der Dreh mit Gebührengeldern finanziert sei.

Silberstein sagte der Berliner Zeitung, auch nach seinem Blogeintrag habe niemand von der AfD Kontakt mit ihm aufgenommen. „Ich würde mir das wünschen, und ich würde es auch nicht öffentlich verwerten“, erklärte er. „So viel Anstand muss man haben, wenn man behauptet, man wolle die Regierung stellen.“