Berlin - Man hätte ja Verständnis, wenn Neukölln überraschend von einem Wirbelsturm oder die Verwaltung von Treptow-Köpenick von einem Tsunami im Müggelsee heimgesucht worden wäre. Dann fände es der Bürger okay, wenn am Bürgeramt „Geschlossen“ steht.
Wenn aber in einigen Bezirken Bürgerämter zugemacht werden, weil ein seit Monaten absehbares Ereignis, nämlich die Kontrolle eines Volksentscheides, angeblich nur durch Schließung fürs Publikum zu bewältigen ist, dann fragt sich der Bürger schon, ob die Verantwortlichen in den Bezirksämtern noch alle Tassen im Schrank haben. Um mal einen der milderen Ausdrücke aus den langen Warteschlangen vor den Ämtern zu zitieren. Die Leute stehen da schließlich nicht zur Wellness an, sondern weil sie gesetzlich vorgeschriebene, oft mit Fristen versehene Anliegen erledigen müssen. Das hat eine deutsche Behörde gefälligst zuverlässig zu ermöglichen.

Es ist ja wahr: Die notwendigen Stelleneinsparungen treffen die Bezirke hart und es ist auch wahr, dass für die stetig steigende Zahl von Volks- und Bürgerbegehren wohl eigene Bezirks-Wahlämter notwendig werden. Aber das offenkundige Kalkül mancher Bürgermeister und Stadträte, durch Schließungen und Ämter -Chaos zulasten der Bürger in dieser Sache Druck zu erzeugen, lässt den Finanzsenator kalt.

Der kann darauf verweisen, dass gut organisierte Bezirke die Aufgabe bewältigen. Andere, vor allem im Ostteil, bekommen es trotz vergleichsweise viel Personal nicht auf die Reihe und stellen so ihre Unfähigkeit zur Schau. Übrigens: Im September 2013 droht, parallel zur Bundestagswahl, der nächste Volksentscheid zum Thema Energie. Die schlecht organisierten Bezirke können ja um Verschiebung dieser Herausforderungen bitten, damit ihre Bediensteten wieder fristgerecht in den Herbstferien urlauben können.