Viel wurde über die Rekonstruktion des Berliner Schlosses gestritten – Architekt Franco Stella, der 2008 den Wettbewerb zum Wiederaufbau der ehemaligen Hohenzollernresidenz gewann, verteidigt das Projekt gegen Kritik. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung sagt er: „Es ist nicht nur legitim, sondern auch kulturell ein Gewinn, ein Bauwerk wie das Schloss zu rekonstruieren. Solange der Wiederaufbau auf einer vollständigen Dokumentation des alten Gebäudes beruht und am gleichen Ort stattfindet“.

Das frühere Berliner Schloss sei „ein Meisterwerk des europäischen Barock“ gewesen, betont Stella. Schloss-Architekt Andreas Schlüter habe als einer der wichtigsten Baumeister nördlich der Alpen gegolten. Nicht nur architektonisch, auch stadträumlich sei der Wiederaufbau des Schlosses von Bedeutung. „Die wichtigsten Straßen, Plätze und Gebäude des historischen Zentrums haben sich, oft auch in der Formensprache, auf das Schloss bezogen.“ Etwa der Boulevard Unter den Linden, der Lustgarten, das Alte Museum und der Berliner Dom.

„Mit dem Abriss des Berliner Schlosses 1950 ist auch das Verständnis der urbanen und architektonischen Identität verloren gegangen“, sagt Stella. Es sei dadurch sowohl der ursprüngliche Ausgangspunkt für die Straße Unter den Linden verschwunden, als auch – vom Brandenburger Tor gesehen – ihr Endpunkt. Die Architektur und der Standort des Alten Museums und des Berliner Doms seien durch den Verlust des Schlosses „unverständlich geworden“.

Neue Plätze entstehen

Mit dem Wiederaufbau des Schlosses gehe nun auch die Rekonstruktion und Entwicklung der Plätze rund um das Schloss einher. Der Lustgarten, der Schlossplatz und die Schlossfreiheit fänden ihren räumlichen Maßstab wieder. Und an der Spree entstehe „ein neuer einladender öffentlicher Platz mit Cafés und Restaurants“.

Im Namen des kollektiven Gedächtnisses einer Gemeinschaft und der architektonischen Identität einer Stadt seien immer wieder Gebäude rekonstruiert worden, sagt Stella. Beispielsweise die Frauenkirche in Dresden und das Potsdamer Stadtschloss. Er habe sich am Wettbewerb zum Wiederaufbau des Schlosses beteiligt, weil dabei ein Gebäude in „Kombination von Alt und Neu“ verlangt worden sei.

Neben den drei Barockfassaden, die rekonstruiert werden, entsteht nach Stellas Plänen der Ostflügel in moderner Architektur. An diesem Teil des neuen Schlosses sind die Baugerüste bereits abgebaut worden. Während Kritiker bemängeln, der Flügel passe nicht zu den Barockfassaden, verteidigt Stella seinen Entwurf. Er passe zu den barocken Fassaden, weil schon Schlüter die Idee gehabt habe, das Schloss zu einem vierflügeligen Palast umzugestalten. Auch die Gliederung des Ostflügels sei aus den rekonstruierten Fassaden abgeleitet. Das lasse sich etwa am gleichen Abstand der Fenster zueinander ablesen.

Dass an drei Seiten die Barockfassaden wiederaufgebaut werden, aber im Innern Rolltreppen die Besucher von Etage zu Etage befördern sollen, ist für Stella kein Widerspruch. „Im Innern wird das Schloss als Humboldt Forum ein modernes, den höchsten technischen Anforderungen entsprechendes Gebäude für die Kunst und Kultur“, sagt er. Die Rolltreppen gehörten dazu. Eine Rekonstruktion der wertvollsten Innenräume sei zudem bewusst offengehalten worden.

Neue Passage

Besonders wichtig ist Franco Stella das Schlossforum, eine Passage durch das Gebäude, die künftig die Breite Straße und den Lustgarten wieder miteinander verbindet. Das Schlossforum entsteht zwischen dem Schlüterhof und dem überdachten Foyer, wo sich einst der Eosanderhof befand. Im Schlüterhof werden die drei Barockfassaden rekonstruiert. „Die Passage Schlossforum ist eine Art Wahrzeichen des neuen Schlosses“, sagt Franco Stella. Wie der Platz vor den Uffizien in Florenz sei das Schlossforum ein Hof inmitten eines Gebäudes und zugleich eine Piazza inmitten der Stadt. Es stimme, dass die Dimensionen des Platzes vor den Uffizien und des Schlossforums etwa gleich seien – dies sei aber nur eine glückliche Fügung. Maßgebend für Breite und Höhe seines Entwurfs für das Schlossforums sei nicht der Platz vor den Uffizien gewesen, sondern die Größe der zu rekonstruierenden Schlossportale, sagt Franco Stella.

Der Architekt hofft, dass die neuen Plätze in und um das Schloss herum die Stadt positiv verändern. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich der öffentliche Raum rund um das Gebäude mit dem der Höfe durch die sechs Portale in der Form einer einzigartigen Piazza im Herzen Berlins verbindet“, sagt er. Dies werde dann „ein großartiger Ort für alle“, sowohl für die Berliner als auch für die aus aller Welt kommenden Besucher.