Schönwalde - An diesem Vormittag nach Weihnachten weht ein eisiger Wind durch die Räume im Obergeschoss des Schlosses. Die Spitzen der Bäume biegen sich. Es regnet. Gerd Matern lässt sich davon nicht beeindrucken. Begeistert erzählt der 53-jährige Projektmanager aus Berlin, in diesem Raum, könnte bald ein glückliches Hochzeitspaar den weiten Blick über das Barnimer Land und auf die umliegenden Seen genießen. Dann werde dieser Raum eine Suite mit Rundblick sein. Und Schloss Dammsmühle endlich wieder ein Ausflugsziel für Brandenburger und Berliner.

„Das Schaufenster Brandenburgs“ nennt Matern sein Langzeit-Projekt. Im Auftrag des Eigentümers, es soll ein vermögender Privatmann aus Schleswig-Holstein sein, plant Matern seit zehn Jahren ein „naturtouristisches Highlight“, fünf Kilometer von der nördlichen Berliner Stadtgrenze entfernt. Hochzeitsgesellschaften, Wanderer, Radfahrer und Angler sollen ins Schloss kommen, sei es für einen Abend oder ein Wochenende.

Viele Spaziergänger kennen das frühere Jagdhaus in der Nähe des Wandlitzer Ortsteils Schönwalde nur noch als Ruine, als verfallenes Denkmal, um deren Erhalt sich fast 30 Jahre niemand gekümmert hat. Oder nicht kümmern konnte, weil, wie Matern erklärt, „so viele Ämter involviert waren.“ „Die Planung war unheimlich zeitaufwendig.“

Freudenfeste für Berliner

Doch jetzt tut sich was. Den Bauantrag, den Matern eingereicht hat, wird die Behörde Anfang 2017 genehmigen, sagt die Ortsvorsteherin von Schönwalde, Maria Brandt (SPD). „Es muss endlich was beginnen. Wir tragen das Konzept mit.“

Gerd Matern hat in den vergangenen Jahren die wechselvolle Geschichte des Schlosses studiert. Um 1650 war es Jagdhaus des Großen Kurfürsten, später baute der Berliner Lederfabrikant Damm das Haus zum prunkvollen Palais aus. Im Jahr 1894 kaufte der Berliner Unternehmer Adolf Friedrich Wollank das Areal und machte daraus einem Herrensitz mit schwimmendem Palast. Dort feierte die feine Gesellschaft aus Berlin wilde Partys. Wollank legte Weinterrassen und Forellenteiche an, er züchtete Rosen, baute Pavillons und Portale um das Schlossgelände. Er ließ auch einen Schlossgarten mit Brunnen errichten. „Wollank hatte einen Hang zum Kolonialstil“, sagt Matern. Es gab viele orientalische Nachbauten. „Auf Schloss Dammsmühle sah es aus wie in Indien.“

Mit dem Machtantritt Hitlers übernahm die SS das Schloss, nach Kriegsende wurde es ein Lazarett, später ein Offizierskasino, ein Erholungsheim der Roten Armee, anschließend ein Pionierlager. Ab 1959 nutzte das Ministerium für Staatssicherheit das abgelegene Schloss im Wald als Schulungszentrum und Gästehaus sowie für Zusammenkünfte ranghoher Stasi-Offiziere. Die Spuren aus dieser Zeit sind auch heute noch in dem völlig verfallenen Gebäude zu sehen. Es gab eine Kegelbahn, eine Sauna mit Blick in den Garten, eine Weinstube mit Holzfässern und eine große Küche. Die Wände im Eingangsportal waren dunkelgrün gestrichen, dicke Vorhänge hingen vor den Fenstern, ein zweifacher Zaun sicherte das Gelände.

Die wundervolle Lage des Schlosses nutzten auch Filmproduzenten: In den 1920er- und 1930er-Jahren drehte dort die Ufa, in den 1990er-Jahren kam der WDR für den Mehrteiler „Haus am See“ mit Hildegard Knef. In dieser Zeit war das Schloss ein Hotel mit Restaurant. Etwa 200 Hochzeiten im Jahr fanden zu dieser Zeit statt. Dann endete der Pachtvertrag, der jetzige Eigentümer kaufte das Haus. 2006 übernahm Gerd Matern die Verwaltung.

Vor allem für Hochzeitsgesellschaften und Ausflugsgäste soll das sanierte Schloss ab Mai 2018 eröffnen. Dann, so sein Plan, könnten die ersten Gäste auf der Dachterasse den Sonnenuntergang beobachten. Für die denkmalgerechte Sanierung des Schlosses und die Herrichtung der historischen Parkanlagen sind jeweils bis zu vier Millionen Euro eingeplant. Matern hat dafür kein Fördergeld des Landes Brandenburg bekommen, aber die Unterstützung der Schönwalder. „Wir freuen uns. Wir hängen alle mit Schloss Dammsmühle zusammen“, sagt der 69-jährige Heimatforscher Horst Getter. „Bisher gab es keinen Grund, sich das Schloss anzuschauen. Es war eine Ruine.“