Potsdam - Er ist nicht unbedingt einer jener Adligen, die es in die Öffentlichkeit drängt. Dann aber wurden die sehr geheim geführten Verhandlungen zwischen der Öffentlichen Hand und dem Hause Hohenzollern bekannt. Nun sah es der Chef des Hauses, Georg Friedrich Prinz von Preußen, als angebracht an, die Sicht der Nachfahren des letzten deutschen Kaisers zu erklären. Und so gab der 43-Jährige der Welt am Sonntag eines seiner sehr seltenen Interviews.

Denn das Bild der Hohenzollern hat in den vergangenen Tagen schweren Schaden genommen. Sie wurden teilweise scharf kritisiert, weil sie zum Beispiel tausende Kunstwerke und auch Immobilien vom Staat oder von staatlichen Stiftungen zurückverlangen.

Ihren Besitz hatte die Familie erstmals nach dem Ende der Monarchie mit der Novemberrevolution 1918 verloren. Doch 1926 bekam sie beachtliche Teile vom Preußischen Staat zurück. Dann wurden die Hohenzollern nach dem Zweiten Weltkrieg erneut enteignet – diesmal in der sowjetischen Besatzungszone. Darauf beruhen nun die Ansprüche.

Nun sagte der Chef des Hauses im Interview mit der Welt am Sonntag, dass es nicht stimme, dass die Forderungen ganz plötzlich erhoben wurden. Die Verhandlungen basieren auf den Forderungen seines Großvaters. Dieser hatte nach dem Ende der DDR Anträge auf Rückübertragung von Immobilien und Inventarien gestellt. „Dieses Verfahren führe ich aufgrund des Entschädigungs- und Ausgleichsgesetzes im Sinne der Familie weiter“, sagte er. Der Vertragsentwurf seiner Familie nehme nur das auf, „was die öffentliche Hand meiner Familie schon seit den 90er-Jahren wiederholt angeboten hat“. Es habe konkrete Angebote von der brandenburgischen Regierung gegeben und von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. 

Der offizielle Chef des Hauses betont, dass die Familie kein „staatlich finanziertes familieneigenes Dynastien-Museum“ wolle. Der Plan für ein Hohenzollern-Museum stammte vielmehr von der öffentlichen Hand. Ihm sei der Vorwurf gemacht worden, eher zu bremsen. „Es kann keine Rede davon sein, dass meine Familie die Deutungshoheit über so ein Museum beansprucht.“ Aber sie hätte gern einen Sitz im Stiftungsrat.

Steht Hohenzollern eine Entschädigung zu?

Was die Verhandlungen betrifft, gibt er sich optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass wir rasch eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung finden“, sagte der Prinz. „Diese Lösung wird auf keinen Fall öffentlich gezeigte Bestände in den Museen gefährden. Auch das habe ich immer wieder gesagt.“

Interessant ist, dass kein Wort verloren wird über die Entschädigungsfrage. Dabei geht es darum, ob die Hohenzollern rechtmäßig von den Sowjets als Kriegsverbrecher enteignet wurden, dann stünde ihnen keine Entschädigung zu. Das Land Brandenburg will nicht zahlen und Wirtschaftsminister Christian Görke (Linke) hat nun beantragt, dass eine juristische Auseinandersetzung fortgesetzt wird. Er beruft sich auf zwei Gutachten über den Chef des Hauses Hohenzollern in der Nazizeit. In den Gutachten wird ihm eine „pro-nationalsozialistische Grundhaltung“ attestiert, und er wird als „Sprachrohr der NS-Propaganda“ eingestuft. Es ist auch von einem familieninternen „Wettbewerb um die Gunst Hitlers“ die Rede.