Berlin - Vor vielen Jahren, als man noch „geil“ sagte, wenn man etwas so richtig gut fand, bildete ich mir einige Tage lang ein, das Wort „Geilomat“ erfunden zu haben. So ähnlich geht es sicher Menschen, die „Tschüssikowski“ zum wirklich allerersten Mal verwendeten, oder „Tschausen“. Eben einen dieser neumodischen Begriffe, die irgendwie in der Luft liegen, bis einer sie endlich ausspricht. Die Urheberschaft für coole  Wortneuschöpfungen lässt sich in den wenigsten Fällen nachvollziehen.

Die Kinder fragen in letzter Zeit häufig, wieso Brot Brot heißt oder Haus Haus. Ich krame dann in meinem Regal nach dem Mittelhochdeutsch-Wörterbuch, versuche mich an das Proseminar in Sprachwissenschaft zu erinnern und lande bei Grunzlauten der Höhlenmenschen. Wer hat's erfunden? Neue Worte verbreiten sich wie auch Namen, die urplötzlich gehäuft auftreten, obwohl die Eltern Neugeborener sicher etwas ganz Exklusives aussuchen wollten (Emil!, Mia!) schneller und auf verschlungeneren Pfaden, als der einzelne Sprecher glauben will.

In unserer Redaktion gab es neulich den Versuch, unsere Stimmen zum Thema Gendern in Texten abzubilden. Die Meinungen darüber, wie mit Sternchen, Strichen, Doppelpunkten zu verfahren sei, gingen weit auseinander, alle waren gut begründet und hatten ihre Berechtigung. Doch eine einheitliche Linie, eine Lösung gar für das Dilemma in dem wir uns befinden, zeichnete sich nicht ab.

Die Deutsche Sprache braucht eine inklusive Endung 

Warum nur hat die deutsche Sprache noch kein Universal-Anhängsel oder Präfix für all die Eventualitäten, in denen der Mensch vorkommt, hervorgebracht? Eine Endung, die alle einschließt, die ultimative Inklusions-Silbe? Wohl weil Sprache Realität abbildet. Und die ist derzeit eben voll von Trennendem und weniger fokussiert auf das, was uns verbindet – unser Menschsein. 

Ich träumte dann, dass ich genau so eine Endung erfunden habe, eine, die diese Leerstelle füllt. In meiner Welt gab es Schulhuman, Lehrhuman, Kolleghuman, Frisörhuman, Studierhuman, Floristhuman und Pilothuman.

So richtig geilomat fand ich das – bis mir bei Aufwachen einfiel, dass Kritiker sich bestimmt  daran stören, dass ein „-man“ am Ende steht, auch wenn es von „human“ kommt. Na ja, sollte sich die Endung in 20 Jahren dennoch als alles verbindende Sprachbrücke durchgesetzt haben, die das Thema Gendern ein für alle Mal klärt, ist hiermit bewiesen: Ich habe sie erfunden.