Berlin - Die Entscheidung ist gefallen: Die Region Berlin-Brandenburg ist auch in diesem Jahr ein Trauertal. Das geht aus dem sogenannten Glücksatlas 2019 hervor, den die Deutsche Post am Dienstag zum neunten Mal in Folge vorgestellt hat.

Gefragt wurde nach der Lebenszufriedenheit in allen Teilen der Bundesrepublik. Insgesamt sind die Deutschen recht zufrieden und kommen auf  7,14 Punkte von 10 möglichen. Das ist der höchsten Wert seit 1989.

Doch regional ist es höchst unterschiedlich. Grundsätzlich sind auch beim Glücksatlas 2019 die Westdeutschen zufriedener: Platz 1 belegt Schleswig-Holstein, gefolgt von Hessen und Hamburg. Alle Länder im Osten stehen am Ende des Rankings.

19 Regionen statt 16 Länder

Es wird bei dieser Untersuchung nicht nach den 16 Bundesländern unterschieden, sondern nach 19 Regionen, weil Baden und Württemberg getrennt sind, ebenso Bayern und Franken.

Dabei muss festgestellt werden, dass das Land Brandenburg im  Jahr 2018 auf den letzten Platz gerutscht war und Schlusslicht Sachsen-Anhalt verdrängt hat. Auch in diesem Jahr steht Brandenburg wieder auf dem letzten Platz.

Berlin war ebenfalls im vergangenen Jahr um einen Rang abgerutscht und auf den drittletzten Platz gefallen. In diesem Jahr rangiert Berlin weiter auf diesem 16. Platz.

Recht schwammige Fragen

Die Umfrage beruht auf Umfragen von Meinungsforschungsinstituten, die im Frühsommer danach gefragt haben, wie die Einstellung der Leute ist zu Fragen der Mobilität, der Arbeit und deren Einfluss auf die Zufriedenheit der Leute.

Gefragt wurden zum Beispiel: Wie zufrieden sind sie mit ihrem Leben, ihrer Wohnung, ihrer Freizeit, ihrer Arbeit, ihrer Gesundheit und ihrem Haushaltseinkommen. Das klingt erst einmal recht schwammig. 

Berliner meckern einfach mehr

Und gerade wenn nicht besonders konkret gefragt wird, kommt auch dazu, dass die Antworten natürlich geprägt sind von der Grundeinstellung der Leute bestimmter Regionen. Berliner sind zum Beispiel viel meckeriger drauf als andere. Wer als Fremder den harten Ton eines Berliner Busfahrers hört, nimmt meist nur das Vorwurfsvolle darin wahr, nicht aber den unterschwelligen Humor. Da Zugewanderte dazu gehören wollen, versuchen viele von ihnen dann, den Tonfall der Berliner zu übernehmen.

Da es ihnen aber meist nicht so gut gelingt, den Berliner Humor zu imitieren, bleibt bei vielen einfach nur das Meckern. Und das fördert eine negative Gesamteinstellung. 

Das größte Lob der Brandenburger

Und in Brandenburg ist es nun mal so, dass die dort Geborenen nicht mal ansatzweise zum emotionalen Überschwang neigen. Wenn sie sich mal so richtig über etwas freuen, dann heben die Brandenburger oft nur eine Augenbraue, nicken leicht und verkünden das höchsten Lob, das es in dieser Region zu vergeben gibt: „Da kannste nicht meckern.“

 Wenn man in Bayern mit Leuten redet, sind die nach außen erstmal grundsätzlich positiv und lassen nichts auf ihre Region kommen.

Die Fakten des Unglücks in Brandenburg

Trotzdem ist es natürlich nicht so schön, dass die Berliner und Brandenburger ihr Leben als negativer ansehen als andere.

Brandenburg gehörte in dieser Studie schon immer schlecht da, kam seit 2011 nie über Platz 17 von 19 hinaus. 

Auch in diesem Jahr werden die "objektiven Wohlstandsindikatoren" als sehr schlecht eingestuft: Die Brandenburger haben eine hohe Arbeitslosigkeit, ein niedriges Einkommen - wie alle Ostländer - , zudem gibt es eine besonders hohe Quote von Leuten, die gepflegt werden müssen oder gesundheitlich beeinträchtigt sind.

Diese Negativwerte können nicht dadurch ausgeglichen werden, dass die Brandenburger das höchste Einkommen im Osten haben und die höchste Zahl an Verheirateten. Wer verheirate ist gilt grundsätzlich als zufriedener.

Singles als Negativfaktor in Berlin

Die Berliner sehen es als positiv an, dass es so viele junge Leute in der Stadt gibt und dass die Stadt für Touristen so attraktiv ist. Auf der Negativseite steht, dass die Hauptstadt im Bundesvergleich eine hohe Arbeitslosenquote hat, dass die Mieten im Vergleich zu Einkommen sehr hoch ist und dass es den größten Single-Anteil gibt.

Das klingt ungewöhnlich, denn Berlin ist ja gerade auch deshalb so attraktiv und lockt ständig neue Leute an, weil es so viele  einsame Herzen gibt. Doch Leute, die noch auf der Suche sind, stufen sich nun mal auch selbst als nicht so zufrieden ein.

Ein Trost für die Berliner und Brandenburger

Aber es bleibt ein großer Trost: Die ach so glücklichen Schleswig-Holsteiner stehen mit 7,44 Punkten auf Platz 1. Die Berliner rangieren bei 6,93 und die Brandenburger bei 6,76 Punkten. So groß sind die Unterschiede nun auch nicht. Und es darf auch nicht vergessen werden, dass die norddeutschen Spitzenreiter auch nicht nur wegen sich selbst so glücklich sind. Sondern die Studie stellt explizit als einen der drei wichtigsten Pluspunkte von Schleswig-Holstein heraus: "Nähe zu Dänemark, dem glücklichsten Land Europas".