Schnelles Internet in der U-Bahn Berlin: LTE im gesamten Berliner U-Bahn-Netz

Berlin - Surfen in der U-Bahn – das geht für viele bald schneller. Die Mobilfunkversorgung im längsten Metronetz Deutschlands wird verbessert. Das sieht ein Vertrag vor, den die Telefónica Deutschland und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geschlossen haben. Künftig können auch Kunden der Deutsche Telekom und von Vodafone den derzeit schnellsten Mobilfunkstandard LTE im gesamten U-Bahn-Netz nutzen. Bislang stand er nur Kunden von Telefónica-Unternehmen, zu denen O2 gehört, seit 2016 flächendeckend zur Verfügung. Die anderen Handy-Nutzer mussten sich bis auf zwei Abschnitte der U7 und U8 mit dem langsameren GSM-Netz begnügen.

Online spielen, Musik und Filme streamen, neue digitale Angebote nutzen – das wird in Zukunft allen U-Bahn-Fahrgästen in Berlin, die ein Mobiltelefon besitzen, möglich sein. „Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung kommen wir unserem Ziel, in der Berliner U-Bahn flächendeckenden Zugang zu schnellem Internet anzubieten, einen großen Schritt näher“, sagte Ramona Pop, Berlins Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe (Grüne), am Donnerstag. „Das sind gute Nachrichten für alle Berlinerinnen und Berliner, die ihre Fahrzeit für Information und Unterhaltung nutzen möchten.“

Mit dem Ausbau der Mobilfunkversorgung soll im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung begonnen werden, hieß es. In den kommenden zwei Jahren werde das vorhandene System der Telefónica um die Anlagen der Deutschen Telekom und von Vodafone erweitert.

Schnelles Internet in der Berliner U-Bahn: U2 und U5 machen den Anfang

Dazu sollen so genannte „BTS-Hotels“ eingerichtet werden. Bei den „Base Transceiver Stations“ handelt es sich um zentral gelegene Betriebsräume, in denen die Mobilfunkanlagen der drei Unternehmen zusammengefasst werden. Von dort aus führen dann Glasfaserkabeln zu Antennen, die in den Tunneln und auf den Bahnsteigen die übertragenen Daten zu den Nutzern senden.

„Mit der Fertigstellung des ersten BTS-Hotels rechnen die Experten auf beiden Seiten im November 2019“, teilten die BVG und Telefónica mit. Es wird die Linie U2, den unterirdischen Bereich der U5, Teile der U8 sowie den U-Bahnhof Alexanderplatz (eine der wichtigsten Umsteigestationen) versorgen.

Eine solche Zusammenarbeit haben die drei Anbieter in Kreuzberg und Neukölln bereits während eines Pilotprojekts mit Erfolg erprobt. Auf der U7 zwischen Gneisenaustraße und Hermannplatz sowie auf der U8 zwischen Hermann- und Moritzplatz kommen seit 2017 auch Telekom- und Vodafone-Kunden in den Genuss des LTE-Standards. LTE heißt „Long Term Evolution“. Die vierte Mobilfunk-Generation 4G erreicht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde.

In in den unterirdischen Bahnnetzen von Frankfurt am Main und München praktizieren Telefónica, die Telekom und Vodafone diese Art der Kooperation bereits. Doch für Berlin waren zunächst zahlreiche Gespräche zu führen – nicht ur untereinander, sondern auch mit der landeseigenen BVG, die Räume im Untergrund überlassen muss. Dabei ging es nicht nur um Mietforderungen an die Mobilfunkanbieter, sondern auch um viele praktische und rechtliche Fragen. Wesentliche Teile des 146 Kilometer langen Liniennetzes stehen unter Denkmalschutz, deren Vorgaben müssen beachtet werden.

Schnelles Internet in der Berliner U-Bahn: Als Nächstes dann 5G

Auch Sicherheitsfragen waren zu regeln, und zum Teil können Anlagen der BVG mitgenutzt werden, was ebenfalls zu besprechen war. Mehrere Jahre wurde immer wieder verhandelt – nun ist der Knoten durchschlagen. „Wir freuen uns, dass wir nun zügig anfangen können. Die Kunden werden schon bald Verbesserungen spüren“, sagte Jörg Borm, Sprecher von Telefónica Deutschland. Allein im vergangenen Jahr wurde die Berliner U-Bahn für 563 Millionen Fahrten genutzt – damit spielt die BVG im Weltranking ganz oben mit. Die U-Bahn-Fahrgäste werden die Bauarbeiten am Mobilfunknetz im Untergrund nicht zu spüren bekommen, so BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Sperrungen sind nicht erforderlich“, sagte sie.

„Nach langen Verhandlungen der im gegenseitigen Wettbewerb stehenden Unternehmen ist die jetzt stehende Kooperation zugunsten eines zügigen Ausbaus ein gutes Ergebnis“, sagte Ramona Pop.

Ein schneller Internetzugang sei für unsere Fahrgäste ein wichtiges Komfortmerkmal“, sagte die BVG-Chefin Sigrid Nikutta. „In unseren U-Bahnhöfen haben wir mit dem kostenlosen BVG Wi-Fi dafür bereits ein Angebot geschaffen, und in den Berliner Bussen und Straßenbahnen ist der LTE-Empfang in der Regel sehr gut. Wir freuen uns sehr, dass es bald auch im gesamten U-Bahnnetz, also auch auf den vielen Tunnelstrecken, LTE für alle Fahrgäste geben wird.“

Unterdessen stellt sich Telefónica auch im Berliner U-Bahn-Netz auf die nächsten Neuerungen ein. „Wenn wir unsere Anlagen modernisieren, werden wir sie auch schon für 5G vorbereiten“, kündigte Jörg Borm an. Wenn der neue Standard für den Massenmarkt bereit ist, sollen keine großen Umbauten mehr nötig sein.