Berlin - Sie ist eine der am stärksten frequentierten Bahnverbindungen Deutschlands. Doch die Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hamburg ist in die Jahre gekommen. Deshalb stehen auf der knapp 290 Kilometer langen Trasse im Herbst drei Monate lang Bauarbeiten an – insgesamt 52 Bauvorhaben, um genau zu sein. Die 100-Millionen-Euro-Investition dient auch dazu, die Trasse auf weiter steigenden Zugverkehr vorzubereiten. Am Dienstag informierte die Deutsche Bahn (DB) darüber, was auf die Fahrgäste zukommt.

Seit 1846 sind die beiden größten Städte Deutschlands auf dem Schienenweg miteinander verbunden. Zum alten Eisen gehört die älteste Fernbahnstrecke Deutschlands, auf der einst der „Fliegende Hamburger“ und der von einem Propeller angetriebene Schienenzeppelin verkehrten, aber nicht. Im Gegenteil, auf der Hamburger Bahn ist ganz schön viel los, wie Renado Kropp von der DB erläuterte. Er zählte auf: „80 Fernverkehrszüge, 70 Regionalzüge, bis zu 80 Güterzüge – jeweils pro Tag.“

Die Tendenz ist steigend, wie sich bald zeigen wird. Von Juni an ist der private Zugbetreiber Flixtrain ebenfalls auf der Strecke unterwegs. Vor Corona wurde allein der Fernverkehr täglich im Schnitt von 17.000 Fahrgästen genutzt, berichtete Kropps Kollege Karlheinz Breitenbach. Wichtig ist die Hamburger Bahn auch für den Nahverkehr – zum Beispiel zwischen Berlin, Falkensee und Nauen.

Fahrzeit verlängert sich zum Teil um fast 50 Minuten

Um die Kapazität weiter erhöhen zu können, sind zwischen dem 11. September und 11. Dezember Bauarbeiten erforderlich, so die DB am Dienstag. „Außerdem haben viele Anlagen nach zum Teil fast 25 Jahren Dauerbetrieb das Ende ihres Lebenszyklus‘ erreicht“, erläuterte Renado Kropp. Von 1993 bis 1997 wurde die Trasse für Tempo 160 ausgebaut. Nachdem sich die Pläne zum Bau der Magnetschnellbahn Transrapid zerschlagen hatten, folgte eine weitere „Ertüchtigung“ – für 230 Kilometer in der Stunde. Nun ist eine Generalüberholung erforderlich, so Kropp. Unter anderem werden zwischen Berlin-Spandau und Büchen in Schleswig-Holstein rund 400 Kilometer Schienen verlegt, 24 Weichen ausgetauscht, eine Brücke und elf Durchlässe erneuert.

Das hat Folgen für die Fahrgäste. So werden die ICE-Züge weiträumig umgeleitet. Sie halten zusätzlich in Stendal und Salzwedel, alle zwei Stunden auch in Uelzen, während die Stopps in Wittenberge, Ludwigslust sowie Büchen entfallen. Die Fahrzeit vom Berliner zum Hamburger Hauptbahnhof, die im ICE derzeit zwischen 103 und 128 Minuten beträgt, verlängert sich deutlich – zum Teil um knapp 50 Minuten. So dauert die Reise während der Bauzeit mit der DB rund zweieinhalb Stunden. Die Flixtrains brauchen noch einmal rund 20 Minuten länger.

Um die Umleitungstrasse nicht zu stark zu belasten, wird zudem ein großer Teil der Zugfahrten zwischen Berlin und Hamburg gestrichen. Statt zwei Zügen pro Stunde wie heute wird es während der Bauzeit nur noch einen Stundentakt geben. Die Eurocity-Züge der Linie Prag-Hamburg kehren bereits in Berlin um. In der Bilanz wird es also nach Hamburg weniger Kapazität geben als derzeit. Der Nahverkehr zwischen Salzwedel und Hamburg wird ebenfalls ausgedünnt. „Leider hat man die Zeit nicht genutzt, um eingleisige Abschnitte auszubauen“, bemängelte Michael Wedel vom Deutschen Bahnkunden-Verband.

Bis zum 31. Oktober ist auch die Verbindung zwischen Schwerin, Ludwigslust und Hamburg von Sperrungen betroffen. Dort richtet die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit täglich acht Busfahrten pro Richtung ein.

Zumindest 2022 und 2023 wird nicht gebaut

Wer von Berlin nach Nauen und Wittenberge möchte, kann weiterhin den Nahverkehr nutzen. Die Regionalbahnen der Linien RB10 und RB14 verkehren fast durchgängig weiter, heißt es bei der Bahn. Auf der stark frequentierten Regionalexpresslinie RE2 gibt es zwar immer wieder Schienenersatzverkehr mit Bussen– der sich aber meist auf Abschnitte jenseits von Wittenberge konzentriert, wie Dietmute Graf von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) berichtete.

Vom 22. November an soll sich die Lage zumindest etwas entspannen. Dann werden auf der direkten Trasse wieder täglich zwei ICE-Fahrten am Morgen und Nachmittag möglich sein - mit Halten in Wittenberge und Ludwigslust, zum Teil auch in Büchen.

War’s das mit den Bauarbeiten? „Zumindest 2022 und 2023 wird auf der Hamburger Bahn nicht gebaut“, sagt Bahnplaner Renado Kropp. Dann wird die Strecke als Umfahrung gebraucht, weil die Schnellfahrtrasse zwischen Hannover und Würzburg saniert werden muss. In den Jahren danach könnten auf der Verbindung Berlin-Hamburg wieder Bauarbeiten notwendig werden, so Kropp. „Wir haben mit der Planung begonnen.“