Es könnte so schön sein: mit bis zu 300 Kilometer in der Stunde im ICE durch Deutschland reisen, in vier bis fünf Stunden von Berlin nach München, pünktlich und entspannt. Doch die neue Schnellverbindung wird weiterhin von Problemen geplagt. 

Auch am Montag, dem zweiten Betriebstag, gab es Zugausfälle, Umleitungen und lange Verspätungen. „Ich war entsetzt, wie der Betrieb angelaufen ist“, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, der Berliner Zeitung. „Für die Neubaustrecke hätte ich mir einen anderen Start gewünscht.“ Auch für die Information der Fahrgäste bei Störungen mahnte Naumann „deutliche Verbesserungen“ an.

Ein Problembereich ist mittlerweile identifiziert: das Zugbeeinflussungssystem ETCS. Das europäische Zugbeeinflussungssystem steuert den Verkehr ohne Signale – mit Funk und mit Datenübertragungsgeräten auf der Trasse.

Eine Arbeitsgruppe kümmere sich darum, hieß es bei der Deutschen Bahn (DB). „Die DB setzt alles daran, heute und in den kommenden Tagen einen möglichst fahrplanmäßigen Verkehr sicherzustellen“, sagte ein Bahnsprecher. „Wir bitten Reisende, die noch kurzfristig durch Verspätungen und Umleitungen betroffen sind, um Verständnis.“ Für die Betroffenen seien „spezielle Kulanzregelungen“ geschaffen worden.

„Wir hatten am Sonntag eine sehr angespannte Betriebslage aufgrund der winterlichen Witterung“

Auch am Montag dürfte die Bahn viele Formulare, mit denen Fahrgäste Erstattungen fordern, bekommen haben. Denn auch am zweiten Betriebstag ähnelten Zugfahrten auf der neuen Route zwischen Berlin, Thüringen und Bayern einem Glücksspiel. Schon früh gab es Ärger.

So fiel der ICE 701, der kurz nach halb acht in Berlin abfahren sollte, ersatzlos aus. Das war eine Folge von Wetterproblemen am Wochenende, sagte der Bahnsprecher. „Wir hatten am Sonntag eine sehr angespannte Betriebslage aufgrund der winterlichen Witterung.“

Aufgewirbelte Eis- und Schotterklumpen hätten ICE-Züge beschädigt. „Derzeit stehen aufgrund von witterungsbedingten Fahrzeugschäden rund ein Dutzend ICE zur Reparatur in den Werkstätten“, hieß es. Ersatzzüge fehlten.

Der ICE 1507, der um 8.30 Uhr in Berlin abfahren sollte, war mit mehr als 70 Minuten Verspätung nach München unterwegs. Außerdem fehlte die Hälfte der Wagen, was zu Überfüllung führte. In der Gegenrichtung brach ICE 800 am Vormittag mit 45 Minuten Verspätung in München auf.

„Offenbar gibt es bei Probleme bei der Abstimmung“

Am Montagnachmittag meldete die Bahn für ICE 706 und ICE 704 zum Teil mehr als zwei Stunden Verspätungen. Begründung in beiden Fällen: „technische Störung am Zug“. Es gab Umleitungen.

Die Bahn bestätigte, dass es am Sonntag und Montag an „einzelnen Fahrzeugen“ technische Störungen des neu eingeführten European Train Control System (ETCS) gab. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist auf der Schnellfahrstrecke zwischen Erfurt in Thüringen und Ebensfeld in Franken, die am Sonntag den Betrieb aufnahm, eine neue Version installiert worden. Damit die Züge mit dem Sicherungssystem kommunizieren können, wurden sie vom Bahntechnikhersteller Alstom aufgerüstet.

„Offenbar gibt es bei Probleme bei der Abstimmung“, hieß es. „Die ETCS-Version der Neubaustrecke verträgt sich mit manchen Zügen nicht“, so ein Eisenbahner. „Die DB arbeitet aktuell gemeinsam mit dem Zulieferer Alstom daran, die Ursachen zu ermitteln und schnellstmöglich zu beheben“, teilte der Bahnsprecher mit. Er wies darauf hin, dass am Sonntag auch ein Personenunfall bei Ingolstadt zu Problemen geführt habe. Die Strecke musste sechs Stunden lang gesperrt werden. Inzwischen stabilisiere sich der Verkehr, so die Bahn weiter.

Probleme, die Fernverkehrskunden schon seit Jahren nerven, traten auch auf der neuen Route auf. So wurde am Sonntag für den ICE 595 nach München gemeldet: „Gesamter Zug ohne Reservierung: Zug verkehrt ohne Reservierungs- und Laufwegsanzeigen.“ Ebenfalls am Sonntag reiste der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel von Aalen in Württemberg nach Berlin – mit dreieinhalb Stunden Verspätung.

Auch in seinem ICE war ETCS gestört. In Erfurt musste umgestiegen werden, doch entspannend war die Fahrt auch dort nicht. Gastel notierte in seinem DB-Tagebuch: „Im Zug gab es leider keinerlei Gastronomie, vermutlich wegen Personalmangels.“