Coronabedingt im Trend: der Schnutenpulli.
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BerlinEine Radtour macht Spaß und die Nachbereitung manchmal schlauer. Neulich zum Beispiel auf dem Gepäckträger einer Vorausfahrerin, klemmt da doch eine Corona-Nudel. So stand es mit Edding draufgekritzelt. Drangehängt war ein Stück Pappe mit der Forderung: „Abstand!“ Ein typischer Fall von Corona-Angst an der Corona-Ampel vor Lockerungsdränglern im Fahrradrausch.

Die Corona-Pandemie hat der deutschsprachigen Menschheit viele neue Wörter beschert. Nicht immer kommt Corona darin vor, doch coronaesk sind sie allesamt. Corona-Nudel, ehedem als Schwimmnudel im Duden furios gestartet, liegt in der inoffiziellen Hitliste ganz weit vorn, knapp vor Abstrichzentrum. Das wäre ein tolles Wort des Jahres für Berlin. Berliner müssen schließlich ständig Abstriche machen, bei Bus, Bahn, bezahlbarem Wohnraum und so weiter. Traditionell geschieht dies politikbedingt. Ergänzend gibt es das nun alles coronabedingt.

Dazu coronabedingte Folgeerkrankungen, Unterkapazitäten, Übersprungshandlungen und immer wieder Absagen, Absagen, Absagen. Kurzarbeit, Kündigung, Konkurs? Coronabedingt! Maskenflickenteppich, Mindestabstandsgebot, Multispreadingereignis? Coronabedingt! Das Wort des Jahres 2020: Coronabedingt, jede Wette!

Gegen coronabedingt haben weder die coronale Nudel noch das coronische Abstrichzentrum in Neukölln oder sonst wo eine Chance. Zumal sich kein anderes C-Wort so hartnäckig hält. Längst aus der Mode gekommen ist die Corona-Frisur; ein Hoch auf die Kontaktadressennachverfolgungsliste. Balkonapplaus? Aus die Maus. Spuckschutztrennscheibe? Drauf gehustet, aber bitte immer unter Einhaltung der Hustenetikette. Das Ausbruchsgeschehen hat sich coronabedingt von der JVA Tegel in die Parks der Stadt verlagert, wo Öffnungsdiskussionsorgien zur gelebten Corona-Realität geworden sind.

Aufmüpfig, so lautete übrigens im Westen das erste Wort des Jahres, 1971 gekürt, als an Schnellshopper mit Schnutenpulli nicht zu denken war, Nudeln nicht an den Gepäckträger montiert, sondern auf einem Teller serviert wurden und gefälligst aufgegessen werden mussten. Nicht corona-, sondern wetterbedingt. Auf diese Weise wurde der After-Corona-Body schon vor seiner verbalen Erschaffung in die coronabefreiten Fettzellen einprogrammiert.

Was heute die Superverbreiter, waren damals eben die Superverbreiterten. Es gab ja noch kein Home-Workout, bestenfalls Telegym vom Bayrischen Rundfunk. Telearbeit heißt analog dazu inzwischen Homeoffice, aber das ist ja außerhalb des englischsprachigen Raums hinlänglich bekannt. Nicht hinleglich, von wegen hinlegen, Corona-Ferien gehören doch ins Reich der Corona-Mythen.

Ansonsten – alles schon mal da gewesen: Geistergastronomie (Sie werden platziert), Einkaufswagenpflicht (Rundgang nur mit Korb), Corona-Fake-Shop (Konsum). Corona selbst gibt es ebenfalls seit ewigen Zeiten. Mit Sahne und Curry vermischt, passt diese Sorte Ananas sogar zu Nudeln. Corona-Nudeln, prima Erfindung.