Berlin - Das wurde aber auch Zeit. In Schönefeld wird nun endlich der erste Kinofilm gedreht, in dem der unfertige Flughafen Berlin Brandenburg (BER) die wichtigste Kulisse ist. Die Hauptfigur, die 18-jährige Cindy, ähnelt dem größten Pannenprojekt der Region zunächst auf frappante Weise. „Sie ist dick, und sie hebt nicht ab“, sagt Cooky Ziesche.

Die Chefin der RBB-Filmredaktion betreut die Arbeiten am Film „Schönefeld Boulevard“, bei dem Sylke Enders („Kroko“) für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnet. Cindy fristet ihre Teenagerjahre in Schönefeld. Ihre Hoffnungen stehen still. Wie die Arbeiten am BER, der oft zu sehen ist.

„Schönefeld ist ein schräger Ort“, sagt Enders. Die gebürtige Kleinmachnowerin kennt das Dorf aus DDR-Zeiten. Vor fünf Jahren kam sie aus Zufall wieder mal vorbei, und die Idee zu „Schönefeld Boulevard“ begann zu reifen. Kameramann Benedict Neuenfels teilt die Begeisterung. „Die Brachen, der Mauerstreifen mit den Town Houses davor und dahinter die kalte Pracht des BER, das ist fantastisch.

So ein grandioses Set gibt es nirgendwo sonst“, schwärmt er. Wenn er den weiten Willy-Brandt-Platz vor dem Terminal sieht, der leer in der Sonne dämmert, fühlt er sich an Filme des italienischen Neorealismus erinnert. Es ist das zärtlichste, was bislang jemand über den BER gesagt hat.

Tatsächlich endet „Schönefeld Boulevard“ (Kinostart: voraussichtlich Frühjahr 2014) auch nicht im Unglück. Cindy, dargestellt von der Berlinerin Julia Jendroßek, lässt ihr Vorort-Dasein hinter sich. BER stehe nicht nur für Scheitern, sondern auch für Aufbruch, sagt Sylke Enders. Auch das Flughafenprojekt wird seine Agonie überwinden, stimmt Cooky Ziesche zu. „Irgendwann wird der BER funktionieren, und Tausende werden dort in den Urlaub fliegen. Dann wird sich niemand mehr an diese Zeit erinnern.“