Nur wenige Flughäfen bekommen so schlechte Bewertungen. „Das ist der schlimmste Airport, den ich jemals kennengelernt habe“, schreibt ein Passagier aus England auf der Bewertungsseite Skytrax. „Schmutzig, unfreundlich, überfüllt und unsagbar schäbig“: So lautet die Bewertung eines anderen Fluggastes. So viel steht fest: Der Flughafen Schönefeld hat nicht viele Freunde. Trotzdem bleibt er nun länger in Betrieb als bisher geplant, und er wird weiter ausgebaut. Das hat Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag nach der Sitzung des Aufsichtsrats bekräftigt.

Der einstige Flughafen von Berlin, Hauptstadt der DDR, wird weiterhin benötigt, weil der BER sonst zu klein wäre und Tegel nicht wie geplant geschlossen werden könnte. Zuletzt hieß es, dass er 2023 stillgelegt wird. Doch nach dem Plan „Betriebsoptimierung Schönefelde/ SXF“, den Lütke Daldrup jetzt auch dem Aufsichtsrat präsentierte, bleibt er bis Ende 2025 am Netz.

Zehn Millionen Passagiere pro Jahr

Heute können dort zwölf Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden. Wie berichtet sollen Ausbauten dafür sorgen, dass die Kapazität zunimmt – laut Plan auf 13,5 Millionen, dann auf 14 Millionen Passagiere pro Jahr. Am Freitag war für 2021 von 13 Millionen die Rede.

Nachdem damit begonnen worden ist, das Baufeld für das Regierungsterminals des Bundes freizumachen, nimmt die Kapazität zwar wieder ab. Doch die Leistungsfähigkeit sinkt nicht so stark wie bislang geplant. Von 2022 an könne Schönefeld immer noch zehn Millionen Passagiere pro Jahr bewältigen, sagte Lütke Daldrup am Freitag.

„Niemals schaffen sie das“

Hintergrund: Weil erreicht werden konnte, dass der Bund einen 25 Meter breiten Streifen vor den Terminals C, D 1 und D 2 bis Ende 2025 freilässt, können auch diese Gebäude so lange noch genutzt werden. Von dort werden Busse die Passagiere zu den Flugzeugen befördern. „Wir werden auch dafür sorgen, dass es in den Schönefelder Terminals etwas mehr Komfort gibt“, so der Flughafenchef. Bestehende Gebäude würden verbessert.

Am Freitag beriet der Aufsichtsrat auch über Lütke Daldrups Masterplan, mit dessen Hilfe die Kapazität des gesamten Flughafens BER bis 2040 von 22 Millionen auf 55 Millionen Passagiere pro Jahr steigen soll. Im Frühjahr 2020 soll das neue Terminal namens T1-E fertig werden, wo pro Jahr sechs Millionen Fluggäste durchgeschleust werden können. Durch den Ausbau und die Optimierung der Gepäcksortierung am BER soll die Kapazität um weitere fünf Millionen steigen. „Die Gepäckförderanlage ist ein großer Engpass“, sagte Lütke Daldrup.

BER und Schönefeld bieten Platz für 46 Millionen Fluggäste

Sobald der BER eröffnet worden ist, entstehen beiderseits vom zentralen Terminal Anbauten. Statt acht soll es künftig zehn Gepäckbänder geben. Die Planer davon aus, dass mehr Koffer befördert werden können, je besser die Teams eingespielt sind: „Vom Flughafen Tegel wissen wir, was aus einer Struktur herausgeholt werden kann.“ Alles in Allem hätte der BER inklusive Schönefeld 2021 Platz für 46 Millionen Fluggäste. Danach wären es 43 Millionen pro Jahr. Das reiche aus, hieß es.

Doch ein Branchenexperte bezweifelte, dass die Verbesserungen bei der Gepäcksortierung so viel Kapazitätszuwachs bringen. „Niemals schaffen sie das, nirgendwo auf der Welt“, sagte er. Die FBB rechne sich die Zahlen schön, um die Tegel-Schließung begründen zu können. Ein Aufsichtsratsmitglied verwies auf drohende Lücken in der Finanzierung des Ausbaus bis 2040. „Wer den Weiterbetrieb von Tegel auf Dauer verhindern will, muss die Erweiterung der Kapazität am BER finanziell absichern“, warnte er. Die Gesellschafter müssten zusätzliches Geld zur Verfügung stellen.

20 Millionen Euro pro Monat

Die Verwirklichung des Masterplans kostet 2,3 Milliarden Euro, nur 700 Millionen Euro sind im Budget abgedeckt, hieß es. Das restliche Geld könne der BER erwirtschaften, sagte Lütke Daldrup. Doch sicher ist das offensichtlich nicht. Denn das Ausbauprogramm sei noch nicht ganz durchgerechnet, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. „Der Aufsichtsrat hat eine Fülle von Fragen gestellt.“ Hintergrund ist dem Vernehmen nach, dass der BER erst 2019 oder im Frühjahr 2020 öffnet, was zusätzliche Kosten verursacht. Bis dahin werden pro Monat 20 Millionen Euro für Baustellenkosten und entgangene Erträge fällig.

„Im Frühjahr 2018 stellen wir den überarbeiteten Businessplan vor“, gab der Flughafenchef bekannt. Gut möglich, dass der BER weiteres Geld von Berlin, Brandenburg und dem Bund braucht.