Berlin - Dass die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) erneut verschoben wurde, ist auch für die Schönefelder Taxifahrer ein Problem. Anstatt am neuen Airport gute Geschäfte zu machen, warten sie am alten Flughafen zu Hunderten lange auf Fahrgäste. Um die Verdienstchancen der gebeutelten Umland-Taxler zu erhöhen, hat der Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) jetzt seine Taxi-Vereinbarung mit dem Land Berlin gekündigt.

Wenn keine Nachfolgeregelung zustande kommt, hätte dies gravierende Folgen für die Kundschaft. Denn dann dürften Berliner Taxis in Schönefeld anders als heute keine Fahrgäste mehr aufnehmen. Berliner, die von dort aus in ihre Stadt wollen, könnten nur noch mit LDS-Taxen fahren. Nein, von einem „Taxikrieg“ will man in den Behörden beiderseits der Landesgrenze nicht sprechen. Es gebe aber immer wieder Gesprächsbedarf – so wie derzeit. Nun muss aufs Neue verhandelt werden.

„Die Nerven liegen blank“

Denn der jetzige und der künftige Schönefelder Flughafen liegen nun einmal nicht in Berlin, sondern im Kreis LDS. „Wir sind dafür zuständig und legen die Regeln fest, auch wenn manch ein Berliner das noch nicht akzeptieren will“, sagt Manfred Hartfelder, der Leiter des Straßenverkehrsamtes in Lübben.

„Die Nerven liegen blank“, sagt Uwe Gawehn von der Innung des Berliner Taxigewerbes. In der Hoffnung, mit einer Konzession am BER viel Geld zu verdienen, seien viele Berliner Taxibetreiber in den Landkreis gezogen. So sei die Zahl der Taxis in LDS von knapp 40 auf mehrere hundert gewachsen.

Nun aber müssen die Taxifahrer noch mindestens bis März zusehen, dass sie am alten Schönefelder Flughafen über die Runden kommen. „Dort stehen sie sich jetzt die Räder eckig“, sagt Gawehn, nicht frei von Schadenfreude. „Heute ist in Schönefeld sogar weniger los als vorher“, klagt Hartfelder.

Darum wollte der Landkreis eine Regelung aus der Taxi-Vereinbarung von 2008 zu Ende Juli kündigen. Die Regelung sieht vor, dass in Schönefeld B- und LDS-Taxis im Wechsel vorfahren. Das Prinzip lautet: 1:1. Dies habe die Berliner gegenüber den vielen LDS-Taxis bevorzugt, heißt es.

Darum sollen künftig alle Taxis in einer Warteschlange stehen.
Doch die Kündigung einer einzelnen Regelung sei nicht zulässig, entgegnet in Berlin die Verwaltung von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). „Darum haben wir hilfsweise die gesamte Vereinbarung zum 31. Dezember 2012 gekündigt,“ sagt Manfred Hartfelder.

Billiger mit B-Taxis nach Hause

„Damit fallen jedoch auch andere wichtige Regelungen weg“, erklärt Uwe Gawehn. So dürften LDS-Taxis keine Fahrgäste am Flughafen Tegel mehr aufnehmen: „Das finden wir gut, wir haben viele Beschwerden von Fahrgästen, die mit LDS-Taxis in Berlin Umwege gefahren sind.“

Es entfalle auch die Erlaubnis, dass B-Taxis in Schönefeld Fahrgäste laden dürfen. Viele Berliner greifen auf diese Taxis gern zurück, weil sie wissen, dass sie mit dem Berlin-Tarif billiger fahren als wenn das Taxameter nach dem LDS-Tarif tickt. Jetzt gebe es Gespräche, sagt ein Sprecherin von Senator Müller. „Wir werden eine Lösung finden“, bestätigt Hartfelder. „Wir brauchen die Berliner Taxis, wenn der Andrang groß ist.“ Sie sollen weiterhin Fahrgäste in Schönefeld befördern – „aber zu unseren Bedingungen“.