Berlin - Zwei reichen aus. Der neue Schönefelder Flughafen wird auf absehbare Zeit keine dritte Start- und Landebahn brauchen, meint Thomas Kropp, der die Lufthansa-Konzernpolitik leitet. Dies sei für ihn in den kommenden 20 Jahren kein Thema. London-Heathrow, mit fast 66 Millionen Fluggästen pro Jahr der größte Flughafen Europas, komme auch mit zwei Bahnen aus, sagte Kropp am gestrigen Dienstag während der Berliner Wirtschaftsgespräche. Viel wichtiger sei es, zügig ein weiteres Terminal zu bauen – wie es die Koalitionspartner SPD und CDU nach Informationen der Berliner Zeitung vereinbaren wollen. Zudem müssten Bund und Senat dafür sorgen, dass es auf der Schönefeld-Autobahn nicht mehr so oft zum Verkehrskollaps kommt.

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) werde nach seiner Eröffnung 2012 „bald an seine Grenzen stoßen“, befürchtete der Lufthansa-Manager. Zwar können dort jährlich 27 Millionen Passagiere abgefertigt werden – doch bereits im vergangenen Jahr gab es in Berlin mehr als 22 Millionen Fluggäste. „Der Senat muss für eine rasche Erweiterung der Terminalkapazitäten sorgen“, so Kropp. Dem Vernehmen nach will die neue Koalition das Projekt, auf dem Vorfeld einen Terminal-Satelliten zu bauen, rasch in Angriff nehmen. Die Genehmigung liegt vor, die Finanzierung steht noch aus.

Oft durch Staus blockiert

Die Autobahnen A 100 und A 113, wichtigste innerstädtische Straßenverbindung nach Schönefeld, sind oft durch Staus blockiert, kritisierte Kropp. „Es läuft nicht optimal.“ Dort drängen sich auch viele Lastwagen, die Berlin nur durchfahren. „Das ist nicht gut für den Flughafen.“ Der Bund und der Senat müssten Wege finden, den Schwerlastverkehr über den Ring umzuleiten. Auch die überregionalen Zugverbindungen zum BER ließen zu wünschen übrig.

Derzeit bietet die Lufthansa in Berlin 379 Direktverbindungen pro Woche an, zusammen mit Tochtergesellschaften und Partnern sind es 747. Am neuen Flughafen will sie ihr Angebot laut Kropp „deutlich erweitern“ und die Zahl der Beschäftigten, derzeit 3 500, erhöhen. Der Konzern trage der Tatsache Rechnung, dass sich der Berlin-Tourismus dynamisch entwickelt – was als Indiz gesehen wird, dass vor allem die Billigtochter Germanwings expandiert. Mit Langstreckenflügen und dem Aufbau eines Drehkreuzes sei nicht zu rechnen, sagte Kropp.