Der Besuch hatte vorsichtig angefragt, ob wir diesmal, wo es zum Sitzen im Garten doch schon zu kalt sei, ein bisschen spazieren gehen könnten. Sie brauchten dringend frische Luft und Bewegung, sagten die Berliner, und die Kinder sowieso. Also treffen wir uns zur Mittagszeit am S-Bahnhof Rahnsdorf. Die Sonne hat gerade die Wolken beiseite geschoben, ihre Strahlen fingern durch das Geäst der hohen Bäume links und rechts des Alten Fischerwegs. Unter unseren Füßen schmatzen die feuchten Blätter bei jedem Schritt. Wir wollen in den Spreewald. In den Kleinen Spreewald, um genau zu sein. Der liegt nur ein paar hundert Meter von der Stadtgrenze entfernt – in Schöneiche.

Vor fast hundert Jahren hatte hier ein Gastwirt, inspiriert von der Auen- und Moorlandschaft im Südosten des heutigen Landes Brandenburg, am Fredersdorfer Mühlenfließ ein Kanalsystem geschaffen, auf dem die Gäste in Kähnen umherfahren konnten. Eigenhändig soll Max Mann seinerzeit die Gräben ausgehoben und einen originalen Spreewaldkahn herbeigeschafft haben, berichtet ein Schöneicher Heimatheft. „Mann’s Kleiner Spreewald“ wurde schnell zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner – auch dank der Straßenbahn, die schon damals Berlin-Friedrichshagen mit Schöneiche verband. Bis Anfang der 1970er-Jahre konnte man hier mit dem Kahn fahren, das Restaurant „Kleiner Spreewald“ existierte bis Ende der 80er-Jahre.

Im Rachen eines Monsters

Inzwischen ist der Schöneicher Spreewald wiederbelebt worden – als Park inmitten des Ortes. Wo der Alte Fischerweg endet, müssen wir nur noch dem Wasser folgen. Von der Rahnsdorfer Straße aus führt ein kleiner Geologie-Pfad zu Fließ und Mühlenteich. Unter alten Bäumen spazieren wir am rauschenden Bach entlang und beobachten die Eichhörnchen dabei, wie sie einen Nussvorrat für den Winter anlegen, gleich neben der Mauer, auf der ein Ungeheuer lungert. Aus Feldsteinen ist dort der „Dinomaurier“ mit Furcht einflößenden Zacken auf dem Rücken aufgebaut. 116 Meter ist das Vieh lang und mit Keramikreliefs geschmückt, die Schöneicher Schüler gestaltet haben.

Die Kinder des Besuchs klettern in den Rachen des Ungetüms, und die Erwachsenen fühlen sich ein wenig an Antoni Gaudís Güell Park in Barcelona erinnert – dabei haben sie das Dino-Tor an der Brandenburgischen Straße noch gar nicht gesehen, das noch viel bunter ist, dank der vielen Keramiktäfelchen. Dass der Dino-Teich mal ein richtiges Schwimmbecken war, glauben die Kinder erst, als sie die Aufschrift „Schwimmmeister“ entdecken und ich ihnen erzählen kann, dass in den beiden weiß gestrichenen, runden Holz-Kiosken vor langer Zeit einmal Eintrittskarten fürs Bad verkauft wurden.

Advent in der Kulturgießerei

Die Kleinen wollen mehr Geschichten hören von früher und sogar ins Heimathaus. Das liegt am Schlosspark im historischen Herzen von Schöneiche. An das Schloss erinnert heute zwar nur noch eine Tafel, doch die Schlosskirche, die 1725 als barocker Putzbau erneuert und erweitert wurde, gibt es noch. Weil sie nur bei Konzerten von innen besichtigt werden kann, will der Besuch bald wiederkommen. Auf jeden Fall am ersten Adventswochenende. Da findet in der Kulturgießerei ein Weihnachtsmarkt statt, auf dem auch Künstler des Ortes ihre Werke anbieten. Und im Frühjahr wollen die Berliner unbedingt mal mit dem Kahn durch den Kleinen Spreewald Park (ab Ostern möglich, Anmeldung unter Tel. 030–6490-3765) fahren.