Berlin - Die Brachfläche auf dem ehemaligen Rangierbahnhof und Bahnbetriebswerk Schöneweide soll in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Schon Ende 2015, Anfang 2016 könnten sich dort erste Unternehmen ansiedeln, sagte Wolfgang Stahnke, Projektleiter der Bahn, am Mittwoch. Das 48 Hektar große „Entwicklungsgebiet Berlin-Johannisthal/Adlershof“ liegt eingerahmt zwischen den den S-Bahnhöfen Schöneweide und Adlershof sowie den Straßen Adlergestell und Groß-Berliner-Damm.

Die Deutsche Bahn besitzt allein in Berlin Grundstücke von über 20 Millionen Quadratmetern Fläche. Darunter befinden sich auch Brachflächen, die viel Raum bieten für Ideen. Ein Filetstück ist das Gelände in Schöneweide. Einerseits befindet sich der erfolgreiche Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Johannisthal-Adlershof in unmittelbarer Nähe, andererseits ist die City nicht fern. Projektleiter Stahnke glaubt deshalb: „Diese Gegend ist dadurch für neue Unternehmen sehr attraktiv.“

Angelockt werden sollen vor allem expandierende Firmen aus der Innenstadt, die mehr Platz brauchen. Als Beispiel nannte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Automobil-Unternehmensgruppe Freudenberg, die bereits 2011 von der Boxhagener Straße in eine Fabrik nach Adlershof ist.

Gespräche mit potenziellen Käufern der Grundstücke in Schöneweide wurden bislang aber noch nicht geführt. Dafür sei es viel zu früh, hieß es am Mittwoch. Zwar hat es bereits eine Studie über passende Nutzergruppen gegeben, zu den Ergebnissen hüllten sich die Vertreter von Senat und Bahn aber in Schweigen. Ohnehin sollen erst ab Ende 2015 die Grundstücke verkauft werden.

Mit den Einnahmen sollen dann auch nötige Investitionen, zumindest teilweise, abgedeckt werden. Die Kosten für das Aufhübschen der Brachfläche betragen rund 25 Millionen Euro. 14 Millionen steuert die Bahn bei, elf Millionen trägt die öffentliche Hand. Davon entfallen etwa sechs Millionen Euro auf das Land Berlin, rund fünf Millionen auf den Bund.

Biotope und seltene Tiere

Noch gibt es viel zu tun. So ist das Gewerbegebiet von zwei Regionalbahn- und Gütertrassen eingeschlossen. Die Bahn will diese Gleise nun zusammenlegen, damit das Gelände in Richtung Johannisthal geöffnet wird. Spätestens 2015 wolle man mit der Zusammenlegung beginnen, sagte Projektleiter Stahnke, genau wie mit dem Bau neuer Verkehrswege auf dem Gelände. 2017 soll außerdem eine Fuß- und Radwegbrücke entstehen, die über die Bahnstrecke und das Adlergestell führt. Diese Brücke verbindet den Landschaftspark Johannisthal mit der Köllnischen Heide.

Und auch an die Natur hat man bei der Bahn und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gedacht. Über die Jahre, sagt Wolf Schulgen, habe sich auf der Brachfläche die Flora und Fauna ausgebreitet. Mittlerweile gibt es dort gesetzlich geschützte Biotope und seltene Tierarten.

Um auf dem Gelände trotzdem bauen zu können, werden nun alternative Orte für Grünflächen gesucht. Auf dem Areal in Schöneweide ist der Platz allerdings begrenzt. Deshalb hat man sich bereits nach einer Ausweichmöglichkeit umgesehen: Eine Bahnfläche in Fredersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland käme dafür in Frage, hieß es am Mittwoch.