Ein Flugzeugsitz als Fernsehsessel? Ein Servierwagen als mobiles Küchenschränkchen? Oder eine rote Decke aus der Business Class als Bett-Dekoration im Schlafzimmer? All diese Vorschläge können sich Freunde von Air Berlin in wenigen Tagen erfüllen.

Denn nachdem die Geschichte der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft aus Berlin im Oktober vergangenen Jahres wegen einer milliardenschweren Verschuldung geendet hat, kommen nun Ausstattung, Inventar, Technik und etliche übriggebliebene Geschenke für die Fluggäste unter den Hammer.

Das Hamburger Auktionshaus Dechow hat sich im Laufe von 117 Jahren auf den Verkauf von Industriewaren und Firmenauflösungen spezialisiert. Nun bietet es mehr als 10.000 Gegenstände aus dem früheren Bestand der Fluggesellschaft zum Verkauf an. Ab dem 15. Januar können Interessierte einen Großteil dieser Sachen im Internet ersteigern. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Toke Bransky, der im Auktionshaus für Marketing und Vertrieb zuständig ist.

Interessent will alle Schokoherzen

„Jeder ist schon mal mit Air Berlin geflogen, und jeder kennt die Schokoladenherzen.“ Bis zu 14 Millionen rote Herzen im Jahr haben die Mitarbeiter von Air Berlin ihren Gästen beim Aussteigen geschenkt.
Allein von dieser 20 Gramm schweren Süßigkeit sind nach der Pleite der Airline fast acht Tonnen übrig geblieben. Einen Großteil sicherte sich der Schokoladenproduzent Lindt selbst.

Eine Tonne Schokoherzen soll nun aber versteigert werden, allerdings nicht als Einzelexemplare, sondern in Paketen von zwei und vier Kilogramm. Derzeit liegt allerdings das Angebot eines Interessenten vor, der den gesamten Restposten an Schokoherzen kaufen will. Dieses Angebot werde nun geprüft, sagt Bransky.

Trolleys und Blechkoffer

Zum Verkauf stehen aber noch weitere ungewöhnliche Stücke: etwa 900 Trolleys (so heißen die mobilen Snack- und Getränkewagen), Geschirr, Schminktaschen des Labels Wunderkind mit dem Namen des Modedesigners und Firmengründers Wolfgang Joop, mehr als 2000 Decken und 200 kleine Blechkoffer für Kinder, in denen Stifte, Papier und ein Puzzle liegen. Zu den ausgefallensten Gegenständen gehören drei Doppelsitze der Business-Klasse, das Startgebot liegt bei 150 Euro. Die Versteigerung von sechs Dreisitzern aus der Economy-Klasse beginnt bei jeweils 100 Euro.

Die Versteigerung des Air-Berlin-Bestandes erfordert einen hohen logistischen Aufwand. Die Gegenstände, die verkauft werden, lagern in großen Hallen in Berlin und Hamburg, sowie in einem 5000 Quadratmeter großen Zentrallager des Auktionshauses in Essen. Zu den Konditionen des Auktionshauses gehört, dass die Kunden die ersteigerte Waren selbst abholen müssen.

„Da kommt noch eine ganze Menge hinzu“

Deshalb versuchen die Mitarbeiter, möglichst viele Posten in Paketen an gewerbliche Kunden zu verkaufen. Denn das Ziel der Auktion besteht nun mal nicht darin, einzelne Wünsche von Air-Berlin-Fans zu erfüllen, sondern möglichst viel Geld einzunehmen. So werden in Kürze auch Ersatzteile für Flugzeuge versteigert, etwa Turbinenteile und Spezialwerkzeug aus den Werkstätten. Zuvor hat das Hamburger Auktionshaus bereits die Air-Berlin-Fahrzeugflotte mit ihren Autos und Mannschaftsbussen verkauft.

Weitere Auktionen sind geplant, denn längst noch nicht ist der gesamte Bestand der Pleite-Gesellschaft verkauft. „Da kommt noch eine ganze Menge hinzu“, sagt Dechow-Marketingchef Toke Bransky.

Zu der Online-Versteigerung der vielen Devotionalien hat sich nun der Insolvenzverwalter entschieden. Das Geld werde dringend gebraucht. Alle Einnahmen sollen in die Insolvenzmasse fließen, um die finanziellen Ansprüche der vielen Gläubiger zu befriedigen, erklärt der Sprecher der Fluggesellschaft, Ralf Kunkel.

Gebote zwei Wochen möglich

Schließlich hatte Air Berlin zuletzt mehr als zwei Milliarden Euro Schulden und besaß kein einziges Flugzeug mehr. Alle rot-weiß-lackierten Jets waren geleast. Und die Zahl der Gläubiger ist hoch. Bis zu einer Million könnten es sein, dazu gehören auch viele Fluggäste.

Wer an der Online-Auktion teilnehmen möchte, muss sich mit Namen, Adresse und Mobilfunknummer registrieren. Etwa zwei Wochen lang stehen die Gegenstände ab dem 15. Januar per Online-Gebot zum Verkauf. Und anders als es viele von anderen Online-Portalen kennt, endet die Versteigerung nicht exakt zu einer festgelegten Uhrzeit, sondern erst dann, wenn keine Gebote mehr eingehen.