Mahnmal an einem Berliner Unfallort. Fußgänger leben gefährlich.
Foto: Eric Richard

BerlinFußgänger leben in Berlin zunehmend gefährlich. Das belegt die aktuelle Verkehrsunfallstatistik. Wie Polizeisprecher Michael Gassen am Montag auf Anfrage mitteilte, sind in diesem Jahr bereits 23 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, von Kraftfahrzeugen erfasst und getötet worden. Der Anteil der Fußgänger an der Gesamtzahl der Verkehrstoten in Berlin stieg auf 60 Prozent – eine starke Zunahme. Zum Vergleich: Die Anteil der Wege, die in dieser Stadt per pedes zurückgelegt werden, beträgt nur etwas mehr als 30 Prozent. Damit zeigt die Statistik eindringlich, dass das Zu-Fuß-Gehen die mit Abstand risikoreichste Art der Fortbewegung ist – obwohl sie die Stadt und das Klima nachweislich am wenigsten schädigt.

In den vergangenen Tagen ereigneten sich in kurzem Abstand zwei tödliche Fußgängerunfälle in Berlin. Am Sonnabend ist eine 76 Jahre alte Frau, die am 6. Dezember bei einem Verkehrsunfall in Lankwitz schwer verletzt worden war, in einem Krankenhaus gestorben. Die Frau hatte die Paul-Schneider-Straße bei Grün überquert und war von dem Hyundai eines 23-Jährigen erfasst worden. In der Nacht zu Sonntag starb ein Mann in Lichtenberg, nachdem ihn ein 32-Jähriger mit seinem Opel angefahren hatte. Der 51-Jährige war gerade dabei, die Landsberger Allee auf einer Fußgängerfurt zu überqueren. Der Fahrer flüchtete vom Unglücksort, stellte sich aber am frühen Morgen der Polizei und gestand, den Verkehrsunfall verursacht zu haben.

Zahl der getöteten Radfahrer ist deutlich gesunken

„Bislang sind in diesem Jahr in Berlin 38 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen“, bilanzierte Polizeisprecher Michael Gassen am Montag. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden im Berliner Straßenverkehr 45 Menschen getötet. 23 tote Fußgänger 2019 – so viele waren es sin Berlin schon seit langem nicht mehr. 2018 kamen 19 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, ums Leben. Das entspricht einem Anteil von rund 40 Prozent an der Gesamtzahl der Verkehrstoten in Berlin. 2017 wurden 13 Fußgänger getötet, 2016 waren es 21.

Bei der Zahl der Radfahrer, die im Berliner Straßenverkehr starben, stellt die Polizei dagegen einen Rückgang fest. Kamen im vergangenen Jahr insgesamt elf Radfahrer bei Unfällen ums Leben, so waren es in diesem Jahr bislang sechs, so Gassen.

2019 starben auch weniger Fahrer von motorisierten Zweirädern bei Verkehrsunfällen in Belin. Die Zahl sank von neun auf bislang zwei, teilte der Polizeisprecher am Montag weiter mit. Die Zahl der getöteten Autoinsassen hat dagegen zugenommen – von drei auf bislang fünf.  

Eine detaillierte Auswertung zur Verkehrssicherheit will die Berliner Polizei wie gewohnt Anfang des des neuen Jahres vorlegen. Die Zahl der Verkehrstoten ist nur ein Indikator unter mehreren, um festzustellen, wie gefährlich der Straßenverkehr ist. Weil es nicht selten von Zufällen und der Nähe zum nächsten Krankenhaus abhängt, ob ein Unfallopfer die Kollision überlebt, gilt eine andere Zahl aus aussagekräftiger: die der schwer Verletzen. Doch auch sie nimmt in Berlin seit einiger Zeit zu.