Gleich mehrere Seen in der Region stehen kurz davor, die 30-Grad-Marke zu erreichen. 29 Grad im Wannsee, Havel-Schwanenwerder und Pfaueninsel. Dasselbe tropische Niveau hat auch schon der Stechlin erreicht. Die MeteoGroup Oberflächentemperaturen gemessen. In flachen Gewässern sind auch die Temperaturen unter Oberfläche ungewöhnlich hoch. 29 Grad, in jedem Fall ein Niveau, wo es für einige Fische gefährlich werde, sagt Christian Wolter, Fachmann für Biologie und Ökologie der Fische am Berliner Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB): „Es gibt Arten, die ab 28 Grad Schwierigkeiten haben."

Potenziell tödliches Risiko

Das Problem: mit zunehmenden Temperaturen nimmt die Fähigkeit des Wassers ab, Sauerstoff aufzunehmen. Für die Kiemenatmer ein potenziell tödlicher Zusammenhang, wie mehrere Fälle von Fischsterben in Deutschland diese Woche gezeigt haben.

Naturschützer sorgen sich um die Gesundheit der Tiere, doch Christian Wolter schließt ein massenhaftes Fischsterben allein durch die Hitze aus. „Der Großteil der Fische ist an solche Temperaturen angepasst“, sagt der Forscher. „Viele Fische halten auch über 30 Grad aus.“

Eine Tonne toter Fische

An einigen Stellen in Hamburg sind dennoch Fische gestorben. So schöpfte die Umweltbehörde allein am Dienstag eine Tonne toter Fische an der Fuhlsbüttler Schleuse ab. Bereits zuvor wurden an drei Stellen der Stadt insgesamt rund fünf Tonnen gesammelt. Die Tiere seien wegen des niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser verendet, hieß vom Amt. Grund dafür seien die hohen Temperaturen, denn warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff als kaltes. Doch das ist es nicht allein. 

Nach Angaben von Forscher Wolter können sich die meisten Fische auf den niedrigen Sauerstoffgehalt einstellen. Im Vergleich zu zehn Grad Wassertemperatur habe das Wasser bei 28 Grad nur noch ein gutes Drittel seines Sauerstoffgehalts. „Fische stellen dann ihren Stoffwechsel um, sie werden inaktiver“, erklärt der Wissenschaftler. Aber sie würden deshalb nicht gleich in großer Zahl sterben. Das geschehe eher, wenn zusätzlich zur Hitze starker Regen Dreck in die Gewässer spüle und der Sauerstoffgehalt dadurch weiter sinke.

Dreck und Regen senken Sauerstoffgehalt

In Hamburg hatte es vor dem Fischsterben heftige Niederschläge gegeben. Das Umweltamt der Stadt geht davon aus, dass dabei viele Nährstoffe unter anderem in den Oberlauf des Flusses Alster gespült wurden. Das habe vermutlich den Sauerstoffmangel verstärkt und zu den toten Fischen geführt. Die seien dann in der Fuhlsbüttler Schleuse angetrieben worden.

Niedrigwasser allein sei ebenfalls keine generelle Gefahr für Fische, sagt Wolter. Es biete Jungfischen in Flüssen durch mehr flache Bereiche sogar günstigere Bedingungen. „Große Fische ziehen dann in tiefe Bereiche des Stroms und in die Unterläufe“, ergänzt er. Ein Problem bekämen sie nur, wenn zum Beispiel Stauwehre ihren Weg behinderten.

BUND: Ab 28 Grad wird es kritisch

Das sieht Holger Sticht vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritischer. Fische würden sterben, wenn das Wasser immer wärmer wird. „Spätestens ab 28 Grad ist mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen“, sagt er. Der schweizerische Fischereiverband befürchtet ein tausendfaches Fischsterben am Rhein. Er rechne mit einer Tragödie, sagt Geschäftsführer Philipp Sicher. Auch die Fische in den schleswig-holsteinischen Binnengewässern leiden unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit. Fischsterben seien bisher vereinzelt bekanntgeworden, teilte das Umweltministerium mit.

Für Wolter kommt es aber auch immer auf die Fischart an. Es gebe Arten, die wärmeres Wasser liebten. Dazu zählten zum Beispiel Wels, Karpfen und Rotfeder. Probleme hätten eher Arten wie Quappen, die es kühler mögen.

Auf lange Sicht immer wärmer

Es ist aber nicht nur dieser Sommer. Auf lange Sicht werden Gewässer immer wärmer. „See-Ökosysteme erwärmen sich mit dem Klimawandel stärker“, sagt Rita Adrian, Gewässer-Expertin am IGB. „Kurzzeitig haben wir an Seeoberflächen im Berliner Müggelsee in den vergangenen Jahren mehr als 30 Grad Wassertemperatur gemessen.“ Der große See in Berlins Osten ist damit in den vergangenen 40 Jahren um rund zwei Grad wärmer geworden - rund 0,5 Grad pro Jahrzehnt. „Durchschnittlich waren es global bei den Seen 0,34 Grad pro Jahrzehnt“, berichtet Adrian. Die Erwärmung hänge immer davon ab, wie groß und wie tief sie sind und in welcher geografischen Lage sie sich befinden. „Beim Bodensee passiert das nicht so schnell wie beim Müggelsee.“

Gegen Sauerstoffmangel in Gewässern kann aber auch der Mensch etwas tun. Durch Berlin fährt regelmäßig ein Belüftungsschiff, das Sauerstoff in große Kanäle pumpt. Bislang kam es in diesem Sommer dort noch zu keinem nennenswerten Fischsterben. (dpa/BLZ)