Berlin - Mit Höchsttemperaturen von bis zu 36 Grad am Mittwoch in unserer Region schießt die aktuelle Hitze in neue Höhen. Noch befinden wir uns kalendarisch im Frühling - doch viele fragen sich jetzt schon: Wie warm soll es denn dann im Sommer noch werden?

Es gibt weltweit nur wenige spezialisierte Institute, die sich mit längerfristigen Wettertrends beschäftigen. Die US-Wetterbehörde NOAA ist eines davon. Wie Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) nun in einem Youtube-Video erklärt, hat NOAA gerade seine Vorhersage für die Sommermonate in Europa aktualisiert.

Demnach droht uns offenbar eine Wiederholung des Dürresommers, wie er uns im vergangenen Jahr eingeheizt hatte.

Die nächste Hitzewelle steht bereits vor der Tür

Schauen wir zunächst auf die aktuelle Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die bevorstehenden Tage. Demnach blühen uns in den kommenden Tagen Unwetter mit Hagel und Sturmböen bis zu 85 km/h. Die Temperaturen werden aber bis zum Wochenende spürbar zurückgehen und am Sonnabend gerade noch 21 bis 24 Grad erreichen. Mehrere führende Wettermodelle prognostizieren jedoch für kommende Woche bereits die nächste Hitzewelle mit Höchstwerten um die 30 Grad.

Bislang ist der Juni in unserer Region sage und schreibe schon mehr als sieben (!) Grad zu heiß. Nirgendwo in Deutschland ist die Abweichung vom langfristigen Mittel größer als bei uns. Flächendeckender Landregen ist nicht in Sicht, und wo Starkregen fällt, wird er wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein niedergehen.

Seen drohen zu überhitzen

Bis in die zweite Junihälfte reichen die Trendprognosen der führenden Wettermodelle - dort schließt die NOAA-Prognose an, die nicht das Wetter der einzelnen Tage vorhersagt, sondern den Trend des Gesamtmonats: Dieser wird demnach in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas weiterhin trocken bleiben. Den Landwirten bleibt also nichts erspart: Erst hatte Nachtfrost in Brandenburg im Mai Teile der Ernte ruiniert, und nun wiederholt sich womöglich das Schreckgespenst Dürresommer. Wir erinnern uns: Im Sommer 2018 verdorrten Felder, die Wasserstände von Flüssen und Seen gingen auf teils bedrohliche Niveaus zurück - und die Spree floss zeitweise rückwärts.

Was in unserer Region an Niederschlägen fehlt, wird NOAA zufolge ausgerechnet in den Urlaubsgebieten am Mittelmeer zuviel abgehen.  Wer also seinen Sommerurlaub im östlichen Mittelmeer genießen will, könnte im Regen stehen. Wer den Sommer hingegen zuhause bleibt, kann sich jetzt schon im heimischen Berlin oder Brandenburg wie am Mittelmeer im Hochsommer fühlen: Hochsommerliche Temperaturen, und die Seen erreichen nunmehr bereits Wohlfühl-Badetemperaturen. Knapp 23 Grad werden inzwischen im Tegler See gemessen und sogar 25 Grad im Wannsee!

Noch können sich temperaturempfindliche Fische, Krebse und Mikroorganismen in die Tiefen unterhalb der Sprungschicht zurückziehen - doch wenn sich die NOAA-Prognose bewahrheitet, droht eine Überwärmung der Gewässer in unserer Region.

Bis in den August hinein ist laut NOAA keine Umkehr des Dürretrends zu erkennen. Dann, so die Langzeitprognose, weiten sich die Gebiete aus, in denen sich die Niederschläge auf ein jahreszeitlich normales Niveau einpegeln.  Dennoch würde es auch im August in Deutschland, auch in unserer Region, Gebiete mit extremer Trockenheit geben. Und die zu erwartenden Regenmengen würden die ausgebliebenen Niederschläge nicht annähernd ausgleichen.

Wie ist die NOAA-Prognose zu bewerten? Wie alle Langfrist-Prognosen ist sie mit Unsicherheiten behaftet, NOAA aktualisiert die Vorhersagen fortlaufend und korrigiert mit der aktuellen Prognose frühere Berechnungen, die den Dürresommer so nicht vorhergesehen hatten. Wetterexperte Dominik Jung beruft sich oft auf die NOAA-Daten, weil sie in der Vergangenheit ungewöhnliche Wetterentwicklungen oft zuverlässig erkannt hatten. Daneben gelegen haben US-Wetterforscher allerdings auch gelegentlich.

Deshalb: Machen wir uns darauf gefasst, dass es so kommen könnte, wie NOAA vorhersagt - und seien wir erleichtert, wenn unserer Natur ein zweiter Dürresommer in Folge doch noch erspart bleibt.