Berlin - S-Bahn-Nutzer im Nordosten Berlins können erst einmal aufatmen. Die erneute Unterbrechung der Linien S2 und S8, die für Januar und Februar angekündigt war, ist abgesagt worden. „Der ursprünglich vorgesehene Schienenersatzverkehr entfällt, die S-Bahnen verkehren nach regulärem Fahrplan“. teilte die Deutsche Bahn (DB) mit.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die S-Bahn-Sperrung werde nachgeholt, hieß es. Für die Fahrgäste des Fern- und Regionalverkehrs ist die Mitteilung auf jeden Fall eine schlechte Nachricht. Die Züge Richtung Stralsund, Schwedt und Szczecin (Stettin) müssen noch länger als geplant eine Umwegroute befahren.

Wer die S2 nach Buch–Bernau oder die S8 nach Birkenwerder oft nutzt, ist Kummer gewohnt. Beide Linien werden immer wieder unterbrochen, weil am Karower Kreuz und in dessen Umkreis gebaut wird. Der Verkehrsknotenpunkt, an dem die Stettiner Bahn in Richtung Bernau über den Außenring hinweg geführt wird, wird saniert.

Auch an der Fern- und Regionalzugtrasse zwischen Blankenburg und Karow stehen viele Arbeiten an. Um die Anlieger vor Lärm zu schützen, baut die Bahn auf 8491 Meter Länge Schallschutzwände. Die eingleisige Trasse wird auf zwei Gleise erweitert.

Die Baufirma sei mit den Arbeiten in Verzug geraten

Doch die Arbeiten am Karower Kreuz sind ins Stocken geraten, sagte Christian Beschorner von DB Netz am Montag auf Anfrage. Betroffen sind zwei Brückenbauprojekte. Zum einen geht es um die Brücken, auf denen die Stettiner Bahn künftig den Außenring überspannt, mit zwei S-Bahn-Gleisen und zwei Gleisen für den Fern- und Regionalzüge. Zum anderen wird die Verbindungskurve, die aus Richtung Gesundbrunnen auf den Außenring nach Norden führt, neu errichtet.

„Der Plan sieht vor, dass die Brücken neben den Strecken gebaut werden. Anschließend sollten die alten Brücken abgerissen und die neuen Stahlbetonbauten an ihre Plätze geschoben werden. Zur selben Zeit soll das zweite Gleis für den Fern- und Regionalverkehr entstehen,“ sagte Beschorner, der bei DB Netz Ost das regionale Projektmanagement leitet.

Doch die Baufirma sei mit den Arbeiten in Verzug geraten – und das wirke sich auf die Sperrungen auf den Linien S2 und S8 aus. Anfangs sollte der Brückenbau bereits in diesem Herbst beginnen. „Darum sollte die für diese Zeit geplante Sperrpause länger dauern“, so Beschorner

Aber dann musste entschieden werden, sie auf vier Wochen zu verkürzen und sich mit anderen Arbeiten zu befassen – etwa dem Bau von Lärmschutzwänden. Die Brückenarbeiten sollten stattdessen im Januar 2018 starten. Angekündigt war, dass sie S2 vom 8. Januar bis zum 28. Februar gesperrt wird, die S8 bis 10. Februar.

Die Unterbrechung wird außerhalb der Wintersaison stattfinden

Doch diese Sperrungen hat die Bahn nun abgesagt. „Wir wissen nicht, ob die Vorbereitungen rechtzeitig abgeschlossen werden“, sagte Beschorner. „Darum mussten wir die Notbremse ziehen. Derzeit sind wir dabei, einen neuen Terminplan zu erstellen.“ Es zeichne sich ab, dass die S-Bahn-Strecken im „späten Frühjahr oder im frühen Sommer 2018“ unterbrochen werden müssen. „Wir haben noch keinen genauen Zeitplan, aber darauf könnte es herauslaufen“, hieß es.

Auf jeden Fall werde der S-Bahn-Verkehr außerhalb der Wintersaison unterbrochen. Das habe den Vorteil, dass Fahrgäste nicht in jedem Fall auf die Ersatzbusse angewiesen sind, notfalls auch auf das Fahrrad umsteigen können, so ein Planer.

Die Verschiebung betrifft auch die Fern- und Regionalzüge, die zwischen Berlin und Schwedt, Szczecin (Stettin) sowie Stralsund verkehren. Weil ihre Strecke wegen der Bauarbeiten am Karower Kreuz unterbrochen ist, gibt es seit Februar 2017 Unterbrechungen und Umleitungen – was den Fahrgästen längere Fahrzeiten beschert.

Ursprünglich sollten die Züge nach fast 14 Monaten vom 2. April 2018 an wieder die reguläre Route befahren. „Doch das ist nun nicht realisierbar“, gestand Christian Beschorner ein. Erst wenn die Brücken und das zweite Fernbahngleis fertig sind, sei die direkte Strecke wieder nutzbar. „Wann es so weit ist, hängt von der Sperrpause ab, die wir nun neu festlegen“, sagte der Ingenieur. Er hält es für möglich, dass der Umweg erst im Spätsommer aufgegeben werden kann. 

„Dass die S-Bahn im Winter nun doch nicht gesperrt wird, ist eine Nachricht, die alle Fahrgäste erst einmal aufatmen lässt“, sagte Elke Kadgien, eine S-Bahn-Pendlerin aus Karow. „Der Regionalverkehr wird allerdings weiter umgeleitet und weiter massiv betroffen sein.“