BerlinDie meistgebrauchte Waffe, mit der Kriminelle in Berlin Menschen bedrohen, verletzen oder töten, ist das Messer. 2675 solcher Messertaten zählt die Polizeistatistik für das Jahr 2019. Vergleichsweise selten werden dagegen Schreckschusswaffen benutzt. Doch auch sie werden bei Kriminellen immer beliebter. Von Anfang vergangenen Jahres bis 20. Dezember registrierte die Polizei insgesamt 68 Bedrohungen, bei denen die Täter Schreckschuss- beziehungsweise Reizstoff- und Signalwaffen (SRS-Waffen) einsetzten. Im Jahr zuvor waren es nur 48 Taten. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Marcel Luthe hervor.

Demnach wurden im vergangenen Jahr auch 20 Personen durch SRS-Waffen verletzt. 2019 geschah das in 21 Fällen. In 23 Fällen wurden solche Pistolen oder Revolver für Raubtaten eingesetzt. Im Jahr war dies 17 Mal.

Insgesamt registrierte die Polizei von Jahresanfang bis 20. Dezember 370 Straftaten mit SRS-Waffen. Die meisten waren allerdings 244 „Verstöße gegen das Waffengesetz beziehungsweise Kriegswaffenkontrollgesetz“, etwa wenn jemand mit einer SRS-Waffe unterwegs war und keinen „Kleinen Waffenschein“ vorzeigen konnte. 2019 wurden 401 solcher Verstöße angezeigt. 

Immer mehr Menschen haben in den vergangenen Jahren sogenannte Kleine Waffenscheine beantragt, die ihnen das Mitführen einer Schreckschuss-, Signal- und Reizgaswaffe erlauben. In Deutschland beträgt ihre Zahl fast 700.000, in Berlin sind es knapp 23.000.  

Auf den ersten Blick kann man nicht erkennen, ob Schreckschusswaffen echte Waffen sind; auch das macht sie aus Sicht von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) gefährlich. Er habe bei der letzten Innenministerkonferenz deswegen eine Initiative gestartet, um den Umgang mit Schreckschusswaffen restriktiver zu handhaben. Die IMK hat daraufhin das Bundesinnenministerium gebeten, bis zum Frühjahr zu prüfen, ob dem illegalen Umgang mit Schreckschusswaffen rechtlich besser begegnet werden kann.

Marcel Luthe findet, dass Geisel „um ein kaum messbares Problem eine Show macht“. Im Vergleich zu dem starken Anstieg von Gewaltdelikten auf Berlins Straßen seien die Taten mit Schreckschusswaffen „auf verschwindend geringem Niveau“. Kriminelle seien in der Regel mit tödlichen Waffen – insbesondere Messern – bewaffnet. Hier unternimmt Innensenator Geisel nichts, meint Luthe. „Er kümmert sich um die Mücke und ignoriert den Elefanten.“