Schrottimmobilien-Skandal: Anlegerschützer sind keine Gutmenschen

Berlin - Die Affäre um Ex-Senator Michael Braun (CDU ) hat die Immobilienbranche aufgeschreckt. Jedenfalls jenen Teil, der „grauer Markt“ genannt wird und – den Betroffenen, also abgezockten Gutgläubigen, zufolge – ein komplett widerliches, auf Betrug im großen Maßstab angelegtes Geschäftsmodell ist. Wer daran denkt, wie oft sich gerade konservative Politiker über kleinkriminelle Jugendliche, bevorzugt jene mit Migrationshintergrund, empören, aber gleichzeitig bei Herrn Braun und manchem Notarkollegen keinerlei „juristisches Fehlverhalten“ erkennen können, wenn es um die Beglaubigung betrügerischer Immobilienverkäufe geht – dem stößt das übel auf.

Jetzt lassen wegen ähnlicher Vorwürfe wie gegen den gescheiterten Senator zwei weitere Notare ihre Posten bei der jeweiligen Ständevertretung, der Notar- sowie der Rechtsanwaltskammer, vorerst ruhen. Richtig so: Gerade die Notarkammer tut gut daran, potenziell zwielichtige Gestalten aus ihren Reihen zu verbannen. Braun fühlte sich bekanntlich von der Kammer komplett entlastet, was allerdings von Anfang an nicht stimmte.

Aber auch auf der anderen Seite wird mit den Schicksalen von Leuten Geld verdient, die bereits einmal ihr Erspartes verloren haben. Die vielen „Anlegerschützer“, die sich seit einigen Wochen zu Wort melden, sind ja keine Gutmenschen, sondern vertreten die Interessen ihrer Mandanten gegen Honorar. Verlieren sie, weil das Betrugsgeschäft nicht ausreichend belegbar ist, dann verlieren auch ihre Kunden ein zweites Mal. Insofern wäre eine unabhängige Beratung etwa durch die Verbraucherschutzzentralen stets das Wichtigste für die Opfer des grauen Markts.