In den öffentlichen Berliner Schulen dürften in den kommenden Jahren deutlich mehr Lehrer und Erzieher eingestellt werden als bisher berechnet. Denn nach der neuesten Prognose der Senatsbildungsverwaltung steigen die Schülerzahlen vor allem in den östlichen Bezirken in den nächsten zehn Jahren rasant an.

Bisher war der Senat davon ausgegangen, dass die Schülerzahlen zunächst leicht zurückgehen und dann zum Ende des Jahrzehnts erstmals seit der Wiedervereinigung sanft ansteigen. Für das Schuljahr 2020/21 war bisher eine Gesamtzahl von 299.220 Schülern prognostiziert, nach der neuesten Prognose sollen es aber schon mehr als 320.000 Schüler sein.

Mehr Zuzug und Geburten

„Wir müssen deshalb zusätzliches Personal bereit stellen“, forderte die Schulpolitikerin Regina Kittler (Linke). Schon jetzt seien viele Lehrerkollegien überaltert, zudem mangele es an Fachlehrern und Erziehern. Nach den bisherigen Berechnungen ging die Bildungsverwaltung davon aus, dass der höchste Einstellungsbedarf an Lehrern bereits im kommenden Schuljahr bestehe. Weil dann besonders viele ältere Lehrer in Pension gehen, wollte man ohnehin fast 1400 Neueinstellungen vornehmen. Nun wird neu gerechnet werden müssen.

Die Frage ist allerdings, ob Berlin hinreichend Junglehrer findet. Denn nicht wenige gehen nach dem Referendariat in andere Bundesländer, wo sie verbeamtet werden und im Laufe ihres Berufslebens netto mehr verdienen als in Berlin. In der Hauptstadt werden Lehrer seit 2004 nicht mehr verbeamtet. Viele angestellte Lehrer sehen sich im Vergleich zu verbeamteten Kollegen schlechter gestellt und erwägen sogar, die Abiturprüfungen im April zu bestreiken.

Auch Erzieher sind begehrt, da Berlin sein Kita-Angebot derzeit deutlich ausbaut. Denn schon jetzt gibt es durch Zuzug, steigende Geburtenzahlen und Elterngeldregelung mehr Kinder in den Kitas. Denn das Elterngeld läuft bereits nach spätestens 14 Monaten aus. Und ab August 2013 gilt auch noch der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für alle Über-Einjährigen. Auch das kostet zusätzliches Geld – und nun braucht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) weitere Mittel für zusätzliche Schulgebäude.

Wie bei den Kita-Plätzen ist auch hier der zusätzliche Bedarf in Berlin ungleich verteilt. Besonders viele zusätzliche Schulplätze werden in Lichtenberg und in Marzahn-Hellersdorf benötigt, groß ist der Bedarf auch in Treptow-Köpenick und Pankow. Als einziger Bezirk benötigt Tempelhof-Schöneberg in den kommenden Jahren weniger Schulplätze als heute, und in Charlottenburg-Wilmersdorf stagniert der Bedarf. Das liegt offenbar an der teils gealterten Bevölkerung dort.