Vor ein paar Jahren galt das Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg noch als Problemschule. Bei den diesjährigen Oberschulanmeldungen war es das begehrteste Gymnasium in ganz Berlin. Weil sich dort so viele Bewerber anmeldeten, müssen nun 90 Schüler  abgewiesen werden. Es täte ihm leid, dass so wenig Platz sei, sagt Schulleiter Bernd Fiehn. „Wir haben ein gutes Schulklima, inzwischen auch engagierte Eltern und Profilklassen, die auch fächerübergreifend arbeiten und  Projektarbeit machen.“ Das sei offenbar attraktiv.

Insgesamt wird es an 39 von 89 Gymnasien und 49 von 124 Sekundarschulen  eng für die künftigen Siebtklässler. An jenen Schulen  gibt es laut Bildungsverwaltung mehr Erstwunsch-Anmeldungen als Plätze zur Verfügung stehen. Hier entscheidet nun in den meisten Fällen der Notenschnitt darüber, wer aufgenommen wird. Zudem werden  30 Prozent der Plätze verlost. Dabei müssen die Schulen in diesem Jahr 860 Kinder mehr aufnehmen als im Vorjahr. Die Zahl der freien Plätze an den nicht so begehrten Schulen hat sich deshalb auf etwa 970 halbiert.

Bei den Gymnasien haben  in diesem Jahr einige Schulen besonders viele Anmeldungen, die in den vergangenen Jahren nicht einmal unter den Top Ten waren. Doch auch  das begehrteste Gymnasium des vergangenen Jahres, das Einstein-Gymnasium in Britz, muss immer noch 29 Bewerber ablehnen. Auch  der Zweitplatzierte des Vorjahres, das Kreuzberger   Leibniz-Gymnasium, hat 15 Anmeldungen zu viel. Das sonst sehr beliebte Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow wiederum hat nach den Erstwunsch-Anmeldungen sogar noch neun freie Plätze.

Sekundarschulen gefragt

Besonders begehrt waren auch in diesem Jahr wieder bestimmte Sekundarschulen mit gutem Ruf. Unter den zehn besonders gefragten Sekundarschulen ist nur eine ohne gymnasiale Oberstufe, nämlich die Puschkin-Schule im Bezirk Lichtenberg.
Insgesamt waren die Sekundarschulen noch etwas gefragter als in den vergangenen Jahren. 57,4 Prozent meldeten hier ihre Kinder an (Vorjahr: 55,5 Prozent), während 42,6 Prozent der künftigen Siebtklässler am Gymnasium angemeldet wurden. In jedem Bezirk gebe es besonders nachgefragte weiterführende Schulen, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Besonders eng wird es wieder im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wo 112 Plätze an Sekundarschulen, aber auch 120 Plätze an Gymnasien fehlen. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg mangelt es an 50 Gymnasialplätzen, obgleich das Kreuzberger Robert-Koch-Gymnasium noch  einige Schüler aufnehmen kann.

In Pankow haben  fünf Gymnasien  mehr Anmeldungen als Plätze. Das Delbrück-Gymnasium  und das Schliemann-Gymnasium haben etwa 20 Anmeldungen zu viel, auch das Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium ist knapp über Soll.  Aber  Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) kann zum nächsten Schuljahr mit einem neuen Gymnasium aufwarten, das noch viele freie Plätze hat. Jene Schule an der Conrad-Blenkle-Straße in Prenzlauer Berg   ist ein sportbetontes Gymnasium.  Die beiden Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe in Pankow, die Kurt-Schwitters- und die Tucholsky-Schule, haben jeweils  70 Anmeldungen mehr als Plätze. Doch auch die Heinz-Brandt-, Reinhold Burger- und die Janusz Korczack-Sekundarschule müssen einzelne Bewerber abweisen.

In Reinickendorf sind neben dem beliebten Friedrich-Engels-Gymnasium auch das Bertha-von-Suttner- und das Humboldt-Gymnasium besonders gefragt, unter den Sekundarschulen auch  die Freytag-Schule ohne Oberstufe. Schulstadträtin Kathrin Schultze-Berndt (CDU) fordert,  dass Sekundarschulen ohne Oberstufe mit Gymnasien kooperieren sollten, um attraktiver zu werden und das Abitur nach 13 Jahren zu ermöglichen.

In Steglitz-Zehlendorf muss das Fichtenberg-Gymnasium voraussichtlich sechs Bewerber und das Willi-Graf-Gymnasium 15 Bewerber ablehnen. In Neukölln kommen an der Clay-Sekundarschule wohl 66 Schüler nicht zum Zuge, die Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule muss 45 Schüler ablehnen, und selbst der einst verrufene Standort am Campus Rütli hat 21 Anmeldungen zu viel.

Eltern werden erst am 27. Mai definitiv informiert sein. Dann versenden die Schulämter die Bescheide zu den Erst-, Zweit- und Drittwunschschulen.

Die Top Ten der Oberschulen

Gymnasien

1. Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg: 218 Anmeldungen* auf 128 Plätze        
2. Rheingau-Gymnasium in Friedenau: 172 Anmeldungen auf 96 Plätze        
3. Barnim-Gymnasium in Falkenberg: 165 Anmeldungen auf 96 Plätze    
4. John-Lennon-Gymnasium in Mitte: 186 Anmeldungen auf   128 Plätze    
5. Friedrich-Engels-Gymn. in Reinickendorf: 145 Anmeldungen auf 96 Plätze
6. Dathe-Gymnasium in Friedrichshain: 104 Anmeldungen auf 64 Plätze
7. Käthe-Kollwitz-Gymnasium: 102 Anmeldungen auf 64 Plätze
8. Carl-von-Ossietzky-Gymn. in Pankow: 196 Anmeldungen auf 160 Plätze
9. Schiller-Gymnasium in Charlottenburg: 193 Anmeldungen auf 160 Plätze
10. G.-Büchner-Gymnasium in Lichtenrade: 126 Anmeldungen auf 96 Plätze

Integrierte Sekundarschulen (ISS)

1. Max-Beckmann-ISS in Reinickendorf: 315 Anmeldungen* auf 150 Plätze
2. Martin-Buber-ISS in Spandau: 310 Anmeldungen auf 156 Plätze
3. Carl-Zeiss-ISS in Lichtenrade: 299 Anmeldungen auf 150 Plätze
4. Sophie-Scholl-ISS in Schöneberg: 297 Anmeldungen auf 150 Plätze
5. Gutenberg-ISS in Lichtenberg: 268 Anmeldungen auf 125 Plätze
6. B.-von-Arnim-ISS in Reinickendorf: 346 Anmeldungen auf 214 Plätze
7. Von-Stephan-Gemeinschaftss. in Mitte: 216 Anmeldungen auf 104 Plätze
8. A.-Puschkin-ISS in Friedrichsfelde: 212 Anmeldungen auf 108 Plätze
9. Ossietzky-Gemeinschaftss. in Kreuzberg: 242 Anmeldungen auf 138 Plätze
10. Merian-ISS in Köpenick: 222 Anmeldungen auf 125 Plätze
*alles nur Erstwünsche