Die nächste Schulbau-Posse kommt aus dem feinen Dahlem und spielt am altehrwürdigen Arndt-Gymnasium. Weil es dort im schmucken Altbau zu eng wurde, ist gleich daneben ein recht eleganter Neubau entstanden.

Das dreigeschossige Gebäude mit Glasfront im Erdgeschoss, heller Außenfassade und viel Sichtbeton im Inneren konnte Mitte Oktober feierlich eröffnet werden. Allerdings nicht ganz. Denn das obere Stockwerk des 7,1 Millionen Euro teuren Erweiterungsbaus ist für Schüler gesperrt.

„Seitens der Schule ist man nicht glücklich über die Brüstung“

„Wir dürfen da nur hoch in Begleitung unserer Lehrer“, sagt eine Schülerin. Deshalb stellen sich die Schüler zu Beginn einer Unterrichtsstunde unten auf und werden von der jeweiligen Lehrkraft hochgeleitet zu den Naturwissenschaftsräumen. Quasi im Gänsemarsch.

Schulleiterin Ute Stäbe-Wegemund fürchtet um das gesundheitliche Wohl ihrer Schüler. Denn die Flure im zweiten Stock werden begrenzt von einer bauchnabelhohen Brüstung. Dahinter öffnet sich das Gebäude zur Mitte hin zu einem Lichthof.

„Seitens der Schule ist man nicht glücklich über die Brüstung, weil sie dazu einlädt, Dinge abzustellen, die ins begehbare Atrium fallen könnten“, teilte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung, auf Anfrage mit. Vor herabfallenden Schulmappen, Scheren, Glasflaschen oder Musikinstrumenten an dem Gymnasium mit ästhetisch– musischem Profil – so die Eigenwerbung – fürchtet man sich also.

„Die Schulleitung hat deshalb als Sicherheitsmaßnahme beschlossen, dass sich die Schülerinnen und Schüler nicht alleine im zweiten Stock aufhalten sollen“, bestätigte die Sprecherin der Bildungsverwaltung.

So viele neue Schulen wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Es gab bereits mehrere Termine mit den verantwortlichen Architekten des Büros AFF. „Wir werden nun einen zum Flur hin angeschrägten Aufsatz aus Vollholz auf der Brüstung anbringen“, sagte einer der damit betrauten Architekten. Das Geld komme aus dem Bauunterhalt des Bezirks. Womöglich würde man die Weihnachtsferien für die Bauarbeiten nutzen.

Jetzt, wo in Berlin so viele neue Schulen gebaut werden wie seit Jahrzehnten nicht mehr, werden die Debatten darüber zunehmen, auf welche Art und Weise gebaut werden soll. So soll an einer Mahlsdorfer Grundschule ein aufklappbare Pissoir für Jungs auf der Behindertentoilette wieder entfernt werden, weil sie Nutzern dort nicht in den Kram passt.

Vor ein paar Jahren machten Eltern des Reinickendorfer Bertha-von-Suttner-Gymnasiums mobil gegen einen geplanten Mensa-Neubau, weil dafür die Aula gebraucht würde und es sehr sonnig werde. Architekten unter ihnen präsentierten schließlich sogar einen Gegenentwurf. Am Ende wurde gar nicht gebaut.

Um solche Streitigkeiten gar nicht erst aufkommen zu lassen, plant Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Partizipationsverfahren. Eltern, Lehrer, Schüler sollen direkt einbezogen werden. „Und zwar dort, wo in den kommenden Jahren umfangreiche Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen stattfinden“, sagte sie.

Berliner Immobilienmarkt brummt

Anfang des nächsten Jahre starten gleich drei Pilotprojekte: An der Bornholmer Grundschule in Prenzlauer Berg, der Anna-Seghers-Gemeinschaftsschule in Adlershof und der Grundschule an der Bäke in Steglitz. Zudem soll bald bekanntgegeben werden, wer den Landesbeirat Schulbau leiten wird. Jene Experten soll die Beteiligten beraten.

Bereits geklärt ist die Frage, wo die allgemeine Geschäftsstelle für die bezirklichen Schulbauten angesiedelt wird: nämlich bei Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Sie soll zusätzliches Personal für die bezirklichen Hochbauämter gewinnen.

Giffey ergreift damit die Chance, sich berlinweit als zupackende Politikerin zu präsentieren. Die Personalgewinnung wird allerdings nicht einfach, wie die jüngste Ausschreibung des Bezirks Tempelhof-Schöneberg zeigt. Dort wird ein Technischer Tarifbeschäftigter für Baumanagement im Berufsfeld Ingenieurberufe gesucht. Bezahlt wird gut, Entgeltgruppe 11, rund 3100 Euro brutto.

Doch der Berliner Immobilienmarkt brummt, Ingenieure und Architekten sind begehrt – und die öffentliche Hand ist nicht gerade der begehrteste Arbeitgeber.