Berlin - Nach einem dreiviertel Jahr ohne Beschäftigung hat Mostafa Mousavi, 53, jetzt wieder einen Job, und zwar seinen alten. Am Montag fing er wieder als Wachschützer am Neuköllner Albert-Schweitzer-Gymnasium an, viele Schüler begrüßten ihn laut rufend oder gar per Handschlag.

„Drogendealer vom Hermannplatz haben hier künftig nichts mehr zu suchen“, sagte Mousavi, der mit verschränkten Armen vor der Schule an der belebten Karl-Marx-Straße steht. Bereits bis Ende 2011 war Mousavi dort als Wachschützer tätig, doch dann beendete der Bezirk Neukölln den bundesweit einmaligen Wachschutz an Schulen, aus Geldmangel. Erst nachdem der Senat den Bezirken jetzt mehr Geld gab, sind die Wachschützer wieder da.

Sie sollen verhindern, dass schulfremden Personen in öffentliche Schulgebäude eindringen, um Streit zu suchen, zu stehlen oder Drogen zu konsumieren. Bis Ende 2013 sei der Wachschutz gesichert, sagte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD).

Wachschutz vorerst nur an elf Schulen

Das koste in diesem Jahr 400.000 Euro, im nächsten Jahr 600.000 Euro. Es sei Geld, das ansonsten in weitere Sprachförderung, in Volkshochschulen, Musikschulen und Bibliotheken geflossen wäre. Giffey sagte, ihr sei nicht bekannt, dass der Einsatz von Wachschützern auch in anderen Bezirken vorbereitet werde. Dennoch will sie sich dafür einsetzen, dass die Wachschützer auch nach 2013 zum Einsatz kommen.

Zunächst werden nur 11 von 65 Schulen im Bezirk wieder Wachschützer haben. Sechs Schulen, die zuvor welche hatten, haben nun darauf verzichtet. An der Rixdorfer Grundschule etwa habe man stattdessen einfach den Schulhof besser beleuchtet und damit dunkle Ecken erhellt, sagte Giffey.

Wachschützer Mousavi, der vor gut 30 Jahren aus dem Iran nach Berlin kam, ist froh nach neun Monaten wieder Arbeit zu haben. „Ich habe in der Zwischenzeit 118 Bewerbungen geschrieben“, sagte der Mann mit dem grauen, aber vollen Haaren. Als Sicherheitsmann für den neuen Flughafen Schönefeld habe man ihn nicht gewollt, er sei schon zu alt. Mousavi ist gewissermaßen vom Fach, im Iran war er in jungen Jahren als Sicherheitspolizist an der Grenze eingesetzt.

Gezahlt wird der Mindestlohn

Der Rheinische Sicherheits Dienst (RSD) aus Köln hatte die Ausschreibung des Bezirks für sich entschieden, neun Bewerber gab es. „Wir haben auch auf Empfehlung von Schulleitern ehemalige Mitarbeiter bei uns übernommen“, sagte RSD-Marketingleiter Burkhard Emonds. Die nun eingesetzten Wachschützer stammen alle aus Berlin. Wichtig sei, dass Wachleute, die zu zweit eingesetzt werden, neben Deutsch auch andere Sprachen sprechen, sagte Stadträtin Giffey.

Gezahlt werde der Mindestlohn von 8,50 Euro. Schulleiter Georg Krapp erzählte, dass Schüler in Zeit ohne Wachschutz in der Schultoilette auf ein Junkiepärchen trafen, das sich gerade eine Spritze gesetzt hatte. Auch andere Vorfälle habe es gegeben. „So etwas wollen wir hier nicht“, sagte Krapp.

Neben Mousavi kontrolliert nun Wachschützer Okan Bicakci, ein bullig wirkender Mann aus Spandau, den Schuleingang. Der 30-jährige Vater eines Sohnes hatte seinerzeit Koch werden wollen, die Lehre dann aber abgebrochen. Vor zehn Jahren sei er dann im Fitnessstudio angesprochen worden, ob er als Security-Mann arbeiten wolle.

Er wollte. Zuletzt arbeitete erst vor allem als Personenschützer. Wen er beschützte, will er nicht verraten. „Berufsgeheimnis.“ Aber im Vergleich zum Personenschutz sei die neue Tätigkeit an der Schule wohl fast ein bisschen langweilig, sagt Okan Bicakci.