Die Zahl der Kinder, die vom Schulbesuch zurückgestellt worden sind, hat in diesem Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. Das geht aus neuesten Zahlen der Bildungsverwaltung hervor. Von 32 000 schulpflichtigen Kindern wurden 5 200 zurückgestellt, das entspricht einer Quote von fast 16,6 Prozent. In Tempelhof-Schöneberg, Lichtenberg und Treptow-Köpenick wurde sogar fast jedes fünfte schulpflichtige Kind nicht eingeschult.

Diese deutliche Entwicklung befeuert die Debatte um die frühe Einschulung weiter. Bisher werden Kinder in Berlin schon mit fünfeinhalb Jahren schulpflichtig, so früh wie in keinem anderen Bundesland. Die CDU-Fraktion hat inzwischen einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine spätere Einschulung vorsieht. Die Schulpflicht soll demnach nur noch für Kinder gelten, die bis zum 31. Juli geboren wurden. Kinder, die später im Jahr geboren worden sind, können freiwillig früher eingeschult werden, so lange sie keinen Sprachförderbedarf haben.

Die SPD ist in dieser Frage uneins. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) unterstützt die späte Einschulung. „Viele Kinder sind noch nicht schulreif“, sagt sie. Sie müssten erst in Vorklassen oder durch einen verbindlichen Kita-Besuch gefördert werden. Andere SPD-Politiker kritisieren, dass viele Grundschulen sich inzwischen vom Jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL) abgewandt haben und damit der Übergang von der Kita in die Schulanfangsphase vielerorts heute ganz anders sei als ursprünglich konzipiert. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hingegen hält weiter an der frühen Einschulung fest. Sie verweist darauf, dass die Zahl der zurückgestellten Kinder deshalb derart zugenommen habe, weil der Wunsch danach gleich auf dem Grundschul-Anmeldebogen angekreuzt werden kann. Das Verfahren ist also vereinfacht worden, allerdings ist dann eine weitere schulärztliche Untersuchung nötig.

Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, glaubt dennoch nicht, dass Berlin bald zur späten Einschulung zurückkehrt. „Dann bräuchte man noch mehr Kita-Plätze und müsste weiteres Geld bereitstellen“, sagte Heise. Kita-Plätze sind derzeit wegen steigender Kinderzahlen nämlich sehr knapp und werden mit Hilfe eines Landesprogramms aufgestockt. Wenn jetzt noch Tausende Kinder wegen einer späteren Einschulung länger in der Kita bleiben, dürfte es sehr eng werden. Außerdem benötigt Scheeres auch für die angestrebte Inklusion behinderter Kinder Geld. Einen kleinen Erfolg hat sie nach Informationen der Berliner Zeitung hier erreicht. Der Schulhelfer-Etat wird im kommenden Jahr um 1,8 auf etwa 11,4 Millionen Euro aufgestockt. Und die neuen Rahmenlehrpläne für die inklusive Schule werden den Schulleitern im November und Dezember vorgestellt, teilte Scheeres nun in einem Rundbrief mit.