Nun ist es offiziell: Die Charlottenburger Poelchau-Schule, eine Eliteschule des Sports, wird weiterhin den Namen des NS-Widerstandskämpfers Harald Poelchau tragen. Fortan allerdings in einer bandwurmsatzartigen Variante. Künftig heißt die Schule nun „Sportschule im Olympiapark – Poelchau-Oberschule“. Darauf hat sich die Schulkonferenz am Dienstagabend auf einer außerordentlichen Sitzung geeinigt und damit ihren ursprünglichen Beschluss revidiert. Mit dabei war Bildungsstaatssekretär Mark Rackles, der nochmals intensiv für den Namen Poelchau geworben hat. „Er hat uns in dieser Frage beraten“, sagte Schulleiter Mathias Rösner. „Wir denken ja in erster Linie an die Weiterentwicklung unserer Schule, und weniger an Politik und Medien.“ Im neuen Schulnamen füge sich das Alte und das Neue nun aber gut zusammen.

Ursprünglich wollte die Schule den Namen Poelchau ganz ablegen. Die Schulkonferenz hatte vor Weihnachten beschlossen, künftig den Namen „Schule im Olympiapark“ zu führen. Anlass war der bevorstehende Umzug aus dem asbestbelasteten Gebäude in Charlottenburg-Nord in das restaurierte Ensemble im Olympiapark. Auch die Namen von Jesse Owens, schwarzer Spitzenathlet während Hitlers Olympischer Spiele 1936 in Berlin, sowie der der ermordeten jüdischen Sportlerin Lilli Henoch, hatten zur Auswahl gestanden.

Politiker mischten sich ein

Den Namen Poelchau einfach abzulegen, wurde von vielen als geschichtsvergessen kritisiert. Der Linke-Politiker Wolfgang Albers, dessen Kind die Schule besucht, brachte deshalb den Namensvorschlag Poelchau-Sportschule im Olympiapark auf.

Selbst im Abgeordnetenhaus wurde die Angelegenheit diskutiert. Dort hatte insbesondere die CDU-Abgeordnete Hildegard Bentele dafür geworben, den Willen der Schule anzuerkennen, und vor einem Eingriff in die Schulautonomie gewarnt. Allerdings ist im Schulgesetz geregelt, dass ein solcher Namenswechsel nur im Einvernehmen mit der Schulbehörde erfolgen kann. Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Rackles (beide SPD) waren aber nicht einverstanden. Deshalb nun die erneute Schulkonferenz mit Staatssekretär Rackles. In der Bildungsverwaltung sprach man von einem „guten Kompromiss“.