Ein Schulbus besetzt mit 26 Kindern zwischen 8 und 14 Jahren streifte auf dem Weg nach Buchholz auf gerader Strecke eine Baumgruppe und raste dann mit aufgerissener Flanke in den Graben.
Foto: Berliner Verlag/Jörg Bergmann

BerlinFragt man Georg Gremmler in diesen letzten Novembertagen, wie es ihm gehe, dann antwortet der 30-Jährige nach kurzem Zögern: „Eigentlich ganz gut.“ Das hört sich erstaunlich an, wenn man Gremmlers Geschichte kennt – und das „eigentlich“ in seiner Antwort hinterfragt. Hinter dem „eigentlich“ stehen 14 Titanplatten und unzählige Schrauben, die seit langem die Knochen in seinem Kopf zusammenhalten. Dahinter steht auch ein blindes Auge. „Eigentlich“ heißt ebenfalls, dass er Gerüche und Geschmacksnoten schlecht wahrnehmen kann.

Georg Gremmler trägt meist ein Basecap, das die große Narbe unter seinen Haaren verdeckt – die Narbe, die sein Schicksal verraten würde. Es ist ein Wunder, dass er lebt. Denn Georg Gremmler saß vor genau 20 Jahren in dem Schulbus, der ihn und 25 seiner Mitschüler nach dem Unterricht von der Stadtschule in Altlandsberg im Landkreis Märkisch-Oderland in die nahe gelegenen Orte Buchholz, Wegendorf und Wesendahl bringen sollte.

An jenem 30. November 1999 verlor der Fahrer wenige Kilometer hinter Altlandsberg die Kontrolle über den Bus. Der 61-Jährige verriss das Lenkrad nach links. Der Bus prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Vier Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, und der Busfahrer starben. 22 Mädchen und Jungen wurden zum Teil schwer verletzt. Georg Gremmler war eines der am schwersten verletzten Kinder. Sein Leben hing am seidenen Faden. Er sagt, er habe damals trotz der Schwere seiner Verletzungen einen Schutzengel gehabt.

Der Unfall gilt als das bisher schwerste Schulbusunglück in der Region. Es konnte nie abschließend geklärt werden, was die Ursache für den Crash war. Waren es Kinder, die hinter dem Busfahrer saßen und die Arretierung des Fahrersitzes lösten, oder war es ein Fahrfehler des Busfahrers? Der Bus wurde sehr kurze Zeit nach dem Unfall verschrottet – was die Eltern der verunglückten Schüler stark kritisierten. Weil die von ihren Anwälten bestellten Gutachter das wichtigste Beweismittel nicht mehr untersuchen konnten.

Den Rettern bot sich ein Bild der Verwüstung: Nur ein Trümmerhaufen blieb von dem Schulbus übrig.
Foto: dpa

Keine Busbegleiter, keine Gurte

Zwei Jahre nach dem Unglück kündigte die Staatsanwaltschaft an, die Ermittlungen in dem Fall ohne genaue Klärung der Umstände zu schließen. Die Akten seien längst vernichtet, teilt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) nun auf Anfrage mit.

Das Unglück hatte Diskussionen über die Sicherheit in Schulbussen ausgelöst. ABM-Kräfte fuhren zunächst in den Altlandsberger Bussen mit. Aber die Busbegleiter, die für Ruhe im Fahrzeug sorgen sollten, verschwanden wieder, ebenso wie die Debatten um das Thema Sicherheit im Schülerverkehr. Forderungen nach einer allgemeinen Gurtpflicht in Bussen, wie sie etwa Brandenburgs damaliger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe erhob, ploppten auf, wurden seltener und schließlich vergessen. Wie das eigentlich immer ist nach großen Unglücken.

Georg Gremmler wohnte damals mit seinen Eltern und den drei Geschwistern in Wegendorf. Es sei Zufall gewesen, dass seine Geschwister nicht auch mit in dem verunglückten Schulbus gesessen hätten, sagt Gremmler. Er kann sich nicht mehr erinnern an den tödlichen Crash, die Kollision des Busses mit dem Baum, das Geräusch berstender Scheiben, an die Schreie, die dann auftretende gespenstische Ruhe. Er weiß nur noch, was kurz vor dem Unglück geschah.

Am 30. November 1999 ist Georg Gremmler zehn Jahre alt. Er hat an diesem Tag „Mist gebaut in der Schule“, wie er sagt. Das bedeutet für ihn Nachsitzen. Doch ein Lehrer hat Erbarmen, er lässt den Jungen vorzeitig gehen. Eigentlich hätte der Bus, der kurz nach 13 Uhr von Altlandsberg fuhr, schon weg sein müssen. Doch der Fahrer sieht den rennenden Jungen, der schnell zu seiner Playstation nach Hause will. Der Bus hält noch einmal an.

Als Georg einsteigt, ist sein Stammplatz vorne rechts schon besetzt. Madeleine, eine zehn Jahre alte Klassenkameradin, sitzt dort. Also nimmt der Junge auf der Seite hinter dem Fahrer Platz. Er weiß noch, dass der Bus auf der Landstraße kurz anhielt und der Fahrer zwei streitende Kinder auseinanderbrachte. Er erinnert sich auch noch, dass er das Auto einer Ärztin erkannte, das an dem Bus vorbeifuhr. Dann wird es dunkel.

Die Erinnerungen setzen erst Wochen später im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) wieder ein. Da erfährt der Junge von dem Unfall. Bekommt gesagt, dass er aus dem Bus herausgeschleudert worden sei. Hört von den fünf Toten. Auch Madeleine ist darunter. Mehr als ein dutzend Mal wird Georg operiert. Das Laufen und Sprechen muss er wieder lernen.

Georg Gremmler wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, zusammen mit einem anderen Schüler am Sitz des Fahrers manipuliert und so den Unfall verursacht zu haben. Den Eltern der Kinder soll sogar die Vormundschaft entzogen werden, weil sie die Wahrheitsfindung beeinflussen könnten.

Auf dieser Landstraße verunglückte der Schulbus.
Foto: Thomas Uhlemann

Die Vorwürfe gegen die Kinder konnten die Ermittler nie beweisen. „Es war für uns Schüler unmöglich, an den Hebel für den Fahrersitz zu gelangen“, sagt Gremmler heute. Auch Experten, die damals zu Wort kamen, hegten Zweifel. Für die beiden Schüler und deren Familien aber bedeutete die Anschuldigung einen Spießrutenlauf. Von „Mörderkindern“ war die Rede. „Es gab sogar Morddrohungen“, erinnert sich Georg Gremmler.

Die Landstraße von Altlandsberg nach Wegendorf ist nicht sehr breit. An den Seiten stehen Alleebäume, die zu dieser Jahreszeit meist von leichtem Nebel eingehüllt werden. Der Baum, an dem vor zwei Jahrzehnten das Leben von fünf Menschen endete, wurde vor einigen Jahren abgeholzt. Nichts deutet mehr auf die Stelle hin, an der das Unglück geschah. Kein Kreuz, keine Blumen.

Alle Sirenen heulten auf

„Wir haben lange dafür gekämpft, dort am Straßenrand etwas aufstellen zu dürfen. Aber das Straßenverkehrsamt hat das nicht gestattet“, sagt Heidelind Uhlig. Dabei hätte die Kulturgießerei eine Skulptur zur Verfügung gestellt. Heidelind Uhlig sitzt in ihrem Büro in der Stadtschule von Altlandsberg, in der sie schon vor 20 Jahren Rektorin war. An ihre Schule gehen 736 Kinder und Jugendliche. 1999 waren es knapp 500.

Heidelind Uhlig gehen die Erinnerungen an jenen Schicksalstag, wie sie den Tag des Unglücks nennt, noch immer nahe. Die 60-Jährige blickt aus dem Fenster in einen wolkenverhangenen Himmel, und ihre Stimme fängt an, ein wenig zu zittern. „Der 30. November war immer so ein grauer Tag“, sagt sie dann.

39 Berufsjahre hat die Rektorin hinter sich. Sie ist noch immer gerne Lehrerin. Jeden Tag. Den 30. November 1999 aber würde sie gerne auslöschen aus ihrem Leben. Sie weiß noch, dass damals nach Unterrichtsschluss plötzlich alle Sirenen in der Stadt losheulten, Feuerwehrwagen und Polizeifahrzeuge mit Blaulicht durch Altlandsberg fuhren.

Heidelind Uhlig ahnte, dass etwas Furchtbares passiert sein musste. Mit ihrem Auto fuhr sie dem Blaulicht hinterher. Bis Beamte sie auf der Landstraße anhielten, auf der die Trümmer des Busses zu sehen waren. Sie baten sie, in die Schule zurückzukehren und die Namen aller Schüler aufzuschreiben, die in dem nun völlig zerstörten Fahrzeug gesessen haben könnten.

„Da sitzt man mit den Kollegen, nennt Namen, sieht die Mädchen und Jungen vor sich. Es war grausam“, sagt die Rektorin. Die Telefone klingelten Sturm, besorgte Eltern riefen an. Heidelind Uhlig nahm damals an jeder Beerdigung teil. Sie fuhr in die Krankenhäuser zu ihren verletzten Schülern. Auch mit der Mutter eines lebensgefährlich verletzten Kindes. Sie erinnert sich, wie ein Arzt sie zur Seite nahm und erklärte, der Junge würde den Tag nicht überleben. „In dem Schuljahr damals gab es keine Normalität mehr“, sagt sie. Aber die Schule habe auch eine unglaubliche Hilfe erfahren.

Zehn Kilometer von der Stadtschule entfernt liegt Wegendorf. Dort wohnt noch immer Simone Gremmler. Die 58-Jährige weiß um das Leid, das der Unfall über viele Familien gebracht hat. Die Tragödien, die sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen abgespielt haben. Sie erlebte es hautnah in ihrer Nachbarschaft. Die vier toten Kinder stammten aus Wegendorf. Ihr eigener Sohn Georg rang wochenlang mit dem Tod.

Simone Gremmler blättert in einem Stapel alter Zeitungsartikel. Ihre Nachbarin Ines Bischoff, die zu dem Treffen eingeladen hat, schaut ihr dabei über die Schulter. Auf den schon vergilbten Zeitungsseiten sind Fotos von dem völlig zerstörten Schulbus zu sehen. Aber auch Fotos von den vier tödlich verunglückten Kindern und dem Busfahrer. Simone Gremmler zeigt Zeitungsausschnitten, in denen es um ihren Sohn Georg geht. In einem dieser Artikel wird das Überleben ihres Jungen als „Weihnachtswunder“ bezeichnet.

Simone Gremmler versinkt in den Beiträgen. Erinnerungen kommen hoch. Sie weiß noch, wie sie, ihr inzwischen verstorbener Mann und ihre Tochter damals auf dem Weg nach Schwedt zu einer Verwandten waren, als sie die Nachricht vom Schulbusunglück im Radio hörten. Sie riefen beim Nachbarn in Wegendorf an. Georg sei nicht zu Hause, so die Auskunft. Sie hörten auch von getöteten Kindern.

„Die Gedanken drehten sich nur noch darum, wo unser Sohn ist“, erzählt Simone Gremmler. Voller Panik fuhren sie zurück. Bei der Polizei in Strausberg herrschte Aufregung, Menschen schrien durcheinander, andere weinten. Hier erfuhren sie, dass Georg überlebt hatte und ins UKB eingeliefert worden war. „Ich stellte mir vor, wie mein Junge uns mit ausgestreckten Armen empfangen würde“, sagt sie. Doch ihr Mann habe die Hoffnung gedämpft. Wer ins UKB komme, der könne nicht einmal mehr im Bett sitzen, habe er ihr erklärt.

So war es auch. Simone Gremmler erinnert sich, dass sie auf der Intensivstation ihren Sohn nur an den Füßen erkannte. Der Junge lag im Koma, sein Kopf war angeschwollen, die Augen nicht zu sehen, die Nase zerstört. Wochenlang hofften und bangten die Eltern. „Wir haben, wenn man so will, drei Monate im Krankenhaus gewohnt“, erzählt die gelernte Altenpflegerin.

Sie weiß noch, dass sie Fotos von ihrem Sohn mitbringen sollten. Damit die Ärzte das Gesicht des Jungen wieder aufbauen konnten. Die Eltern spielten ihrem Sohn Lieder von Rolf Zuckowski vor, die er so mochte. Bis die Schultern des tief schlafenden Kindes mitzuckten. Da habe sie gewusst, dass ihr Sohn es schaffen würde, sagt Simone Gremmler. „Die Ärzte haben eine Superarbeit geleistet.“

Simone Gremmler und Ines Bischoff ist es wichtig, auch über das Heute zu reden. Über die Sicherheit ihrer Kinder während des Schulweges. „Es hat sich leider nichts geändert“, sagt die 51-jährige Ines Bischoff. Noch immer gebe es keine Gurtpflicht in den Bussen. Noch immer habe nicht jedes Schulkind einen Sitzplatz im Bus, wie die Mutter dreier Kinder erzählt.

Ines Bischoff und Simone Gremmler plädieren für mehr Sicherheit für Kinder.
Foto: Thomas Uhlemann

Vor 20 Jahren saßen ihre beiden Söhne nur durch Zufall nicht in dem Unglücksbus. Der jüngere war noch im Hort, der ältere hatte Wandertag. Seine Klasse verpasste einen Zug und erreichte damit den Bus nicht mehr. Die Jungs sind heute erwachsen, doch die elfjährige Tochter von Ines Bischoff muss jeden Tag zum Unterricht nach Altlandsberg fahren. Wie damals die Kinder – mit dem Linienbus.

Tragischer Einzelfall

Nur etwa zehn Prozent dieser Fahrzeuge hätten Gurte, schätzt Ines Bischoff. „Meine Tochter wollte sich neulich anschnallen. Es gab auch Gurte. Doch ihr Gurt klemmte. Der Busfahrer hat nur abgewinkt.“ Zudem müssten die Kinder im Bus oftmals stehen. Zum Teil auch, weil andere Schüler ihre Schultaschen auf die Sitze stellten. Und der Busfahrer kein Machtwort spreche. „Es ist so, als sei nichts geschehen, als hätte es diesen schrecklichen Unfall nie gegeben“, erzählt sie.

Auch Simone Gremmler spricht davon, dass es eine Anschnallpflicht in Schulbussen geben müsse. Sie denkt, dass Gurte auch bei dem Schulbusunglück von Altlandsberg Menschenleben gerettet und schwerste Verletzungen, wie sie ihr Sohn erlitten hat, verhindert hätten. Das ist durchaus möglich. Bei dem schweren Busunglück von Madeira im Frühjahr dieses Jahres mit 29 Toten wurden nur fünf Menschen nicht aus dem Bus geschleudert. Sie waren angeschnallt – und überlebten.

Warum aber gibt es in Deutschland keine generelle Anschnallpflicht in Bussen? Zumindest in Reisebussen sind   seit dem 1. Oktober 1999 Gurte Pflicht. Allerdings müssen Fahrzeuge nicht nachgerüstet werden, die vor diesem Tag zugelassen wurden. Bei Linienbussen gibt es laut Straßenverkehrszulassungsverordnung eine Sonderregelung. Dort entfällt die Anschnallpflicht, wenn es Fahrgästen erlaubt ist, im Bus zu stehen.

Die meisten Schüler, die in Brandenburg auf Busse angewiesen sind, fahren wie auch in Altlandsberg mit ganz normalen Linienbussen. „Es gibt im Land Brandenburg nur ganz wenige Gegenden, wo wirklich nur Schulbusse unterwegs sind“, sagt Irina Günther von der Landesverkehrswacht.   Ihr Verein plädiere durchaus für eine Gurtpflicht in allen Bussen. Nach ihren Worten gibt es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt Busschulen, an denen jeder Erstklässler teilnimmt. Dabei werde den Mädchen und Jungen beigebracht, wie sie sich im Bus zu verhalten haben. Mit Bremsübungen werde gezeigt, wie wichtig es sei, im Bus zu sitzen und sich dort auch festzuhalten.

Nach Angaben des ADAC sind Busse sehr sichere Verkehrsmittel, die Millionen Schulkinder für ihren täglichen Weg zur Schule nutzen. Das Schulbusunglück von Altlandsberg sei ein tragischer Einzelfall. Das zeige auch die Statistik. So hat es von 2000 bis 2017 deutschlandweit keine tödlich verunglückten Kinder und Jugendlichen in Schulbussen gegeben. In Linienbussen, in denen Schüler befördert werden, starben im selben Zeitraum vier Menschen unter 21 Jahren bei Unfällen. Allerdings sieht auch der ADAC ein entscheidendes Kriterium für die Sicherheit: Anschnallgurte.

Das Bundesverkehrsministerium konnte bis Freitagabend auf Anfrage nicht erklären, warum es keine generelle Gurtpflicht in Deutschland gibt. Das brandenburgische Verkehrsressort verweist darauf, dass für das Angebot im Nahverkehr die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig seien. Und damit auch für die Quantität und Qualität. „Das Land unterstützt hier lediglich finanziell“, heißt es in einer schriftlichen Antwort.

Rektorin Uhlig sagt, dass es den Kommunen an Geld fehle. „Für die Schüler ist der Busverkehr nicht sicherer geworden“, sagt sie. Das ABM-Projekt der Schulbusbegleiter, die für Ordnung in den Fahrzeugen sorgten, sei sinnvoll gewesen. Doch das Projekt gebe es nicht mehr, weil die finanziellen Mittel dafür fehlten. „Ein Busfahrer soll sich auf die Straße konzentrieren, da kann er sich nicht auch noch um das kümmern, was hinten im Bus los ist.“ Heidelind Uhlig plädiert dafür, auch die Haltestellen für Schüler sicherer zu machen. Gerade in Altlandsberg. Zudem wären ausgebaute Radwege für den Schulweg sinnvoll.

Die Rektorin fährt zu jedem Jahrestag des Schulbusunfalls an die Unglücksstelle. Auch an diesem Sonnabend wird sie dort ein Gesteck niederlegen mit einer Schleife, auf der nur ein Wort steht: Unvergessen. „Es ist mir wichtig, innezuhalten“, sagt sie. Die Lehrer ihrer Schule werden mit den Schülern über das Unglück reden.

Rektorin Heidelind Uhlig fährt an jedem 30. November an den Unglücksort. 
Foto: Thomas Uhlemann

Georg Gremmler hat Jahre gebraucht, bis er wieder ohne ein „mulmiges Gefühl“ in einen Bus steigen konnte. Er arbeitet heute als Schlosser, fühlt sich „eigentlich“ ganz fit. Erst vor wenigen Tagen ist er zum zweiten Mal Vater geworden. Sein erstgeborener Sohn wird nächstes Jahre in die Schule kommen. „Ich bin froh, dass er dann zum Unterricht laufen kann und nicht den Bus nehmen muss“, sagt Georg Gremmler.

Eine Anschnallpflicht in Bussen würde der 30-Jährige „auf alle Fälle“ einführen. Er selbst benutzt immer einen Gurt, wenn es einen gibt. Gremmler hat aber keine Illusionen. Er denkt, selbst wenn in allen Linienbussen Gurte vorhanden wären, würde sich kaum jemand anschnallen.   „Die Leute glauben, ihnen würde schon nichts passieren. Sie denken nicht, dass im Bruchteil einer Sekunde alles vorbei sein könnte.“