Ab Montag rücken an der einst berüchtigten Rütli-Schule die Bauarbeiter an. Dann werden erst einmal 34 alte Bäume gefällt. Es muss Platz geschaffen werden für die Erweiterung des Campus Rütli. Denn aus der einstigen Hauptschule, der das eigene Lehrerkollegium in einem legendären Brandbrief aus dem Jahr 2006 keinerlei Zukunft mehr gab, ist längst eine gefragte Gemeinschaftsschule geworden. „Wir wollen künftig vier Klassen pro Jahrgang aufnehmen“, sagte Schulleiterin Cordula Heckmann.

Bis Sommer 2017, so ist es geplant, entstehen nun auf dem Areal rund um die Rütlistraße in Nord-Neukölln vier neue Gebäude. Ein großer Neubau ist für die Erweiterung der Schule vorgesehen. Hier sollen vor allem die Grundschüler hin, die jetzt weit entfernt an der Weserstraße untergebracht sind. In einem weiteren Neubau wird künftig das Fach Arbeitslehre unterrichtet, wobei auch allerlei handwerkliche Geräte zum Einsatz kommen. Direkt daneben wird auch die neue Berufswerkstatt ihren Platz haben.

Und mit einem vierten Neubau-Projekt soll sich der Campus Rütli auch für Eltern und den gesamten Kiez öffnen. In jenem Begegnungs- und Beratungshaus ist ein Elternzentrum geplant, gleichzeitig soll die Pädagogische Werkstatt „Ein Quadratkilometer Bildung“ der Freudenberg Stiftung dafür sorgen, dass im Reuterkiez wirklich ein lokaler Bildungsverbund entsteht, wo Eltern und auch Pädagogen Beratung bekommen und Schüler Unterstützung finden. Der Zahnärztliche Dienst sowie der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst machen Familien zusätzliche Angebote. Die Neubauten sollen insgesamt rund 21 Millionen Euro kosten, die das Land Berlin aufbringt.

Keine Frage, es ist viel passiert seit dem Brandbrief vor acht Jahren. Damals beschrieben die Lehrer - eine reguläre Schulleitung gab es nicht - ihren Berufsalltag so: „Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert. Einige Kollegen/innen gehen nur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie über Funk Hilfe holen können.“ Die Hauptschule sei am Ende der Sackgasse angekommen, einen Wendepunkt gebe es nicht mehr.

Nur vier Jahre später schaffte der Senat mit seiner Schulreform tatsächlich alle Hauptschulen ab und setzte auf die neuen Sekundarschulen. Die Rütli-Schule in Neukölln wurde zu einer Gemeinschaftsschule, an der alle Schüler von der 1. bis mindestens zur 10. Klasse zusammen lernen. Im vergangenen Jahr machten erstmals Schüler dort sogar ihr Abitur. Der scheidende Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) entwickelte mit vielen Helfern bald die Idee vom Campus Rütli, viel Geld und Hilfe kam von der Stiftung Zukunft, deren stellvertretenden Vorsitzende Christina Rau, Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, sich persönlich um den Wandel der Rütli-Schule kümmerte.

Bäume werden neu gepflanzt

Auf dem Campus entstanden Neubauten wie die Sporthalle. Kleingärtner und Autowerkstätten mussten weichen. Mit dem Campus Efeuweg in Gropiusstadt versucht der Bezirk gerade, das Campus-Konzept zu wiederholen. Für die 34 Bäume, die nun ab Montag rund um die Rütlistraße gefällt werden, muss aus rechtlichen Gründen ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden. Deshalb sollen auf dem Areal wieder 49 Bäume neu gepflanzt werden.