Viele angehende Erstklässler könen nicht längere Zeit auf einem Bein hüpfen. Oder simple Strichzeichnungen vervollständigen. Sie haben große motorische Defizite. Das ist das Ergebnis der Schuleingangsuntersuchungen 2017, die die Senatsverwaltung für Gesundheit nun veröffentlichte. Getestet werden dabei unter anderem die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, einen Stift zu führen oder auch das Sprachvermögen.

Höchste Defizit-Quote in Tempelhof-Schöneberg

Fast ein Drittel der untersuchten Fünfjährigen hatte demnach Probleme mit der Körperkoordination, bei knapp 13 Prozent war sie auffällig, bei knapp 16 Prozent grenzwertig. Selbst bei Kindern, die zwei Jahre lang eine Kita besucht haben, hatten noch 29 Prozent teils gravierende Probleme.

Auffällig ist, dass es Unterschiede nach ethnischen Herkunft gibt – und, dass festgestellten Defizite in einigen Bezirken deutlich höher sind als in anderen. Während gut 27 Prozent der Kinder deutscher oder osteuropäischer Herkunft auffielen, waren die Defizite unter türkischstämmigen Kinder (35 Prozent) und arabischstämmigen Fünfjährigen (36 Prozent) deutlich höher. Die höchste Defizit-Quote stellten Amtsärzte in Tempelhof-Schöneberg fest, dort waren über 38 Prozent der Kinder auffällig oder grenzwertig. 

Motorische Defizite bei türkischstämmigen Kindern deutlich höher

Die Werte sind seit Jahren etwa gleich hoch, wobei der Anteil der besonders auffälligen Kinder in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen ist. Doch bleiben die feinmotorischen Defizite oder Beeinträchtigungen in der Auge-Hand-Koordination weiter auf bedenklichem Niveau. Die Kleinen sollten für den Test Strichzeichnungen exakt abzeichnen. Knapp 20 Prozent der Kinder waren hier insgesamt besonders auffällig, unter Fünfjährigen arabischer Herkunft waren es beachtliche 36 Prozent.

Die Gründe für die Defizite liegen auf der Hand, sagen Experten: Mangelnde Förderung durch die Eltern, wenig Anleitung zu Sport und Bewegung, und in zunehmenden Maße ersetzt eine Spielkonsole den Bastelnachmittag. Doch auch hier ist Berlin vielfältig. „Der Anteil von Kindern mit eigenen elektronischen Geräten ist in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf mit fast 40 Prozent besonders hoch“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD).

Dilek Kolat: Einfluss eines Kita-Besuches ist schwächer als der der sozialen Lage einer Familie

In Friedrichshain-Kreuzberg besäßen nur 14,9 Prozent ein eigenes Gerät. Insgesamt nutzen gut 30 Prozent der Kinder elektronische Geräte wie Fernseher oder Computer länger als eine Stunde pro Tag.

Der Anteil der übergewichtigen Kinder liegt in Gropiusstadt, Reinickendorf-Ost, Wedding und Hohenschönhausen-Nord mit mehr als 16 Prozent am weitesten über dem Berliner Durchschnitt von zehn Prozent.
Dilek Kolat stellte klar, dass ein früher Kita-Besuch förderlich für Kinder sei. „Jedoch ist der Einfluss eines Kita-Besuches schwächer als der der sozialen Lage einer Familie“.