Berlin - Der Berliner Beamtenbund mahnt indes eine Fortsetzung der Einstellungspolitik an. Ansonsten fehlten in den nächsten Jahren Tausende Pädagogen. Bis Ende 2018 gingen mehr als 12.000 Lehrer in den Ruhestand.

26.429 Lehrerstellen weist der Personalplan der Hauptstadt aktuell aus. Neueinstellungen gab es nach Angaben der Bildungsverwaltung vorrangig an integrierten Sekundarschulen und Grundschulen in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen und Musik. Trotz der neuen Stellen könne es aber nach wie vor in Einzelfällen krankheitsbedingt zu Unterrichtsausfällen kommen, sagte eine Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

An den 704 öffentlichen Schulen Berlins waren zuletzt mehr als 1.400 Lehrer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht im Einsatz. Um den Krankenstand abzufedern, können Lehrer in der Hauptstadt Stunden aufstocken, oder Pädagogen werden befristet eingestellt. „Obwohl die Zahlen der Schüler sinken, haben wir in die Einstellung von Lehrkräften investiert“, sagte Scheeres kürzlich. Dadurch sei eine „mehr als hundertprozentige“ Auslastung gewährleistet.
Aus Sicht der Berliner GEW ist der Lehrerbedarf an Gymnasien wegen des doppelten Abiturjahrgangs im vergangenen Schuljahr geringer. Wenn nötig, könnten Gymnasiallehrer deshalb stundenweise an Sekundarschulen unterrichten. Für dieses Schuljahr hatten sich 317.830 Schüler angemeldet. Im zurückliegenden Jahr waren es 321.590.

Großteil der Junglehrer in Berlin ausgebildet

Der Großteil neu eingestellter Lehrer wurde in der Hauptstadt ausgebildet. Im Schnitt treten nach Gewerkschaftsangaben 74 Prozent der Absolventen eines Jahrgangs eine Stelle in der Hauptstadt an. „Das zeigt sehr wohl, dass Berlin für Lehrer interessant ist“, betonte GEW-Sprecher Tom Erdmann. „Etwa 15 von 100 der jährlich in den Berliner Schuldienst neu eintretenden Lehrkräfte werden aus den anderen Bundesländern als Beamte zum Land Berlin versetzt“, erklärte der Landeschef des Deutschen Beamtenbundes (DBB), Joachim Jetschmann. Viele von ihnen seien zuvor in Berlin als Lehrer beschäftigt gewesen. „Sie wechselten vielfach in andere Bundesländer, um dort verbeamtet zu werden, was im Land Berlin seit 2004 nicht mehr möglich ist“, fügte Jetschmann hinzu.

Aus Sicht der GEW ist für viele Absolventen der Lehrerberuf in Berlin deshalb interessant, „weil sie in den ersten sieben Jahren ein höheres Nettogehalt beziehen als in anderen Bundesländern“. Eine Wiederverbeamtung sei nicht Ziel der Bemühungen der GEW, „denn der Beruf des Lehrers stellt keine hoheitliche Aufgabe dar“. Der DBB beklagte, dass die Besoldung der verbeamteten Lehrer in Berlin weiter unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Lehrkräfte erhalten laut Jetschmann bis zu 20 Prozent weniger Gehalt als etwa in Bayern oder Baden-Württemberg.

Die befürchtete Abwanderungswelle in andere Bundesländer blieb offenbar trotz des in Berlin fehlenden Beamtenstatus aus. Das habe eine Stichprobe unter eingereichten Freigabeanträgen ergeben, sagte die Sprecherin von Scheeres. In 50 untersuchten Fällen hätten nur sechs Lehrer tatsächlich Berlin verlassen. Die Anträge sind notwendig, damit sich Lehrer in anderen Bundesländern bewerben können. (dapd)