Berlin - Für die Schulgebäude der Zukunft existieren jetzt konkrete bauliche Vorgaben. Schüler sollen gemeinsam mit Pädagogen an dezentralen Orten auf dem Schulgelände lernen. Statt eines Klassenzimmers, von dem ein Flur abgeht, sind flexibel nutzbare Räume vorgesehen. Der Pädagoge soll nicht mehr nur der Unterrichtsgeber sein, der nach der Stunde im Frontalunterrichtsmodus das Weite sucht. „Ziel sind familiäre Teams“, heißt es betont kuschelig in den baufachlichen Standards für die Schulen, auf die sich nun Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) geeinigt haben.

Mehr Fläche pro Kind

Weil zum Beispiel die kasernenartigen Schulflure wegfallen, steigt die sogenannten pädagogische Nutzfläche. An Grundschulen sollen es 7,4 statt früher 5,8 Quadratmeter pro Schüler sein, für die robusteren Sekundarschüler sind es sogar 8,8 statt bisher 6,9 Quadratmeter. In jedem Neubaukomplex ist ein Forum geplant, an dem sich alle Schüler und Lehrer treffen können. Die Stamm-, Kurs-, Teilungs- und Teamräume sollen offen gestaltet sein. „Dies kann durch Verglasungen oder Glaseinsätze in den Türen gewährleistet sein“, heißt es in den Standards.

All das gilt fortan ganz besonders für die weiterführenden Schulen, die von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet werden. Auf diese Standards soll das gewinnorientierte Unternehmen verpflichtet werden.

Kritik an den Plänen

Insgesamt werden in den nächsten zehn Jahren gut 65 Schulgebäude in Berlin neu errichtet. Gerade hat eine Jury zwei Prototypen für die Grundschulen gekürt. Für eine modulare Grundschule mit drei Klassen pro Jahrgang erhielten die Stuttgarter Architekten h4a Gessert + Randecker den Zuschlag, dieser Prototyp soll an fünf bis zehn Standorten realisiert werden. Für die größeren Grundschulen entschied sich die Jury für den Prototyp des Berliner Architektenbüros Bruno Fioretti Marquez, er soll an sechs bis zwölf Standorten gebaut werden. „Mit dem Abschluss der beiden Verfahren ist ein ganz wichtiger Schritt bei der Umsetzung der milliardenschweren Schulbauoffensive getan worden“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Kritik an der Entscheidung kam allerdings am Dienstag umgehend von Norman Heise, dem Vorsitzenden des Landeselternausschusses. „Die Entwürfe sind kaum von einem Bürogebäude zu unterscheiden“, sagte Heise. Von den pädagogischen Lernlandschaften hätte ihm der drittplatzierte Entwurf der Wiener Architekten PPAG am besten gefallen. Der habe fragwürdige Punktabzüge erhalten, kritisierte Heise. So sei eine verschiebbare Wand offenbar nicht als solche erkannt worden.

Haken in WC-Kabine

Die neue Standards regeln ansonsten allerlei: Grundsätzlich haben Schulen künftig ein Lüftungskonzept zu erstellen. Bestenfalls sollen die Unterrichtsräume über Fenster belüftbar sein. Es können aber auch lüftungstechnische Anlagen installiert werden. Schulische Freiflächen sollen unterschiedlich nutzbar und in mehrere Räume gegliedert sein. Meterlange Ringgummimatten im Eingangsbereich nehmen den Schmutz an den Schuhen auf.

Auch Details sind geregelt: So sind in allen WC-Kabinen Toilettenhaken vorgesehen. Die Unterrichtsräume haben drei Meter hoch zu sein. Barrierefrei soll die inklusive Schule natürlich sein, aus Wirtschaftlichkeitsgründen sollen Aufzüge aber nur dort eingebaut werden, wo es zwingend notwendig sei, heißt es. Auf Schallschutz soll ebenso geachtet werden wie auf nachhaltiges Bauen. Auch Hausalarmanlagen sind zwingend vorgeschrieben. Die Schulen sollen generell im Systembau nach einheitlichem Raster und maximaler Vorfabrikation erstellt werden, heißt es – möglichst ohne Unterkellerungen.