Berlin - Die von Bund und Ländern eingerichtete Ermittlungsgruppe hat die Ursache für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen noch nicht herausgefunden. „Es gibt Anzeichen für eine lebensmittelbedingte Ursache, aber die konkrete Quelle wird noch gesucht“, sagte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums am Samstag auf dapd-Anfrage. Es werde das ganze Wochenende weiter unter Hochdruck analysiert.

So müssten die Experten die Speisekarten der betroffenen Schulen nach signifikanten Gerichten und deren Zulieferern auswerten. „Ein gewaltiges Mosaik wird zusammengesetzt.“ Ergebnisse würden „in nächster Zeit“ erwartet, sagte der Sprecher ohne einen konkreten Termin zu nennen. Um die Aufklärung voranzutreiben, hatten Bund und die betroffenen Länder Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gebildet.

Auch im Landeslabor Berlin-Brandenburg etwa würden am Samstag und Sonntag Proben ausgewertet, sagte Berlin Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) am Samstag im RBB-Inforadio.

Untersucht werden müssten 37 Lebensmittel- und 30 Tupferproben, fügte die Staatssekretärin hinzu. Mit Ergebnissen sei erst Anfang der Woche zu rechnen. Da alle in Berlin betroffenen Kitas und Schulen von dem unter Verdacht stehenden Caterer beliefert worden seien, liege es nahe, dass der Ausbruch der Krankheit „lebensmittelbedingt“ sei, fügte Demirbüken-Wegner hinzu.

Es gelte aber, die Laborergebnisse abzuwarten.

Insgesamt wurden aus mehreren Bundesländern bislang 8.365 Krankheitsfälle gemeldet, wie die Berliner Gesundheitsverwaltung am Samstag mitteilte. Am Freitag waren rund 6500 Fälle in fünf Bundesländern registriert worden. Die Zahl der an akutem Brechdurchfall erkrankten Kinder und Jugendlichen ist in Berlin auf 2.213 gestiegen.

Bei 37 neu hinzu gekommenen Fällen handele es sich jedoch ausschließlich um Nachmeldungen von Erkrankungen des vergangenen Donnerstags, teilte eine Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung am Samstag mit. Betroffen sind den Angaben zufolge 82 Einrichtungen, davon 58 Schulen, 22 Kitas sowie zwei weitere Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet. Lediglich aus den Bezirken Spandau und Neukölln sind bisher keine Fälle gemeldet worden.

Nach Angaben der Sprecherin der Gesundheitsverwaltung handelt es sich fast ausschließlich um leichte Erkrankungsverläufe. Im Regelfall sei eine Genesung binnen ein bis zwei Tagen erfolgt. Es seien zudem keine Sekundärinfektionen beobachtet worden, sodass davon ausgegangen werde, dass von den Erkrankten keine Ansteckungsgefahr ausgeht.

In Brandenburg ist die Zahl der an Magen-Darm-Erkrankungen leidenden Kinder und Jugendliche in Brandenburg ist auf 2415 gestiegen. Die Entwicklung sei vor allem auf Nachmeldungen zurückzuführen, teilte am Samstag das Gesundheitsministerium in Potsdam mit. Bis Freitagabend waren 1749 Fälle gemeldet worden. Die Experten im Bund und in den Ländern gingen davon aus, dass der Gipfel der massenhaft in Ostdeutschland auftretenden Erkrankung überschritten sei, hieß es am Samstag. In Brandenburg sei die genaue Ursache weiter unbekannt.

In anderen Bundesländern wurde mittlerweile das hochansteckende Norovirus nachgewiesen. In Sachsen sind 16 Fälle bekanntgeworden, in Thüringen bislang sieben. In Ostdeutschland sind mehrere tausend Kinder und Jugendliche an Brechdurchfall erkrankt. In Brandenburg sei bisher noch kein Krankheitserreger nachgewiesen worden, teilte das Ministerium mit. Es werde zurzeit ermittelt, „ob es sich um eine virale oder bakterielle Erkrankung handelt oder ob möglicherweise ein bakterieller Giftstoff (Toxin) die Ursache“ sei.

Erkrankte gibt es in acht Landkreisen sowie in den Städten Potsdam und Brandenburg/Havel. Die Verläufe seien fast ausschließlich leicht, hieß es. In Ostdeutschland sind nicht nur Kinder, sondern auch einige Pädagogen betroffen. Einrichtungen wie Schulen und Kitas wurden alle von demselben Caterer beliefert. Das Norovirus führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher. (dpa/dapd)