Die Schulaufsicht überprüft derzeit mehrere Privatschulen und lässt sich dabei auch die Verträge zeigen, die diese Schulen mit den Eltern abgeschlossen haben. „Wir wollen genau wissen, ob diese Einrichtungen womöglich ein zu hohes Schulgeld verlangen“, bestätigte Ilja Koschembar, der Sprecher der Bildungsverwaltung. Wenn Eltern nur über ein Jahresbruttogehalt von bis 30 000 Euro verfügen, dürften sie laut der gültigen Regelung maximal 100 Euro Schulgeld bezahlen.

Konkret handelt es sich um die Berlin Metropolitan School und die Berlin Cosmopolitan School in Mitte. Beide Schulen waren in einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin namentlich genannt worden. Die Autoren Marcel Helbig und Michael Wrase hatten darin schwere Vorwürfe erhoben: Nahezu alle Bundesländer würden es zulassen, dass einige Privatschulen ihre Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern aussuchten. Und Berlin kontrolliere hier auffällig lasch. Schulen würden demnach Kinder von Besserverdienenden bevorzugen, obwohl das Grundgesetz dies im Artikel 7 verbiete.

Schulleiterin weist Kritik zurück

Die Cosmopolitan School wies die Vorwürfe, sie verstoße gegen dieses Sonderungsverbot, zurück. „Bei uns sind über 45 Nationen mit ganz verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen präsent“, sagte Schulleiterin Yvonne Wende der Berliner Zeitung. Jeder fünften Familie komme man beim Schulgeld entgegen. Etwa zehn Prozent zahlten monatlich zwischen 56 und 125 Euro, sieben Kinder würden gar nichts bezahlen. Auf der anderen Seite kämen gut vier Prozent der Kinder aus Familien, die mehr als 160 000 Euro Bruttojahreseinkommen hätten. Leider hätten die Forscher die Schulleitung nicht befragt. Die Cosmopolitan School verlangt formal selbst auf der günstigsten Stufe gut 135 Euro Schulgeld monatlich, plus 105 Euro für das obligatorische Nachmittagsprogramm. Man könne aber über alles reden, sagt Schulleiterin Wende.

Bereits vor gut fünf Jahren war die Schule wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten von der Bildungsverwaltung überprüft worden. Die Metropolitan School äußert sich zunächst nicht.

Freie Schulen sind vielfältig

Beide Schulen bieten als eine der ganz wenigen Einrichtungen im ehemaligen Ostteil Unterricht in englischer Sprache sowie einen internationalen Abschluss an. Das Land Berlin bietet mit der Nelson-Mandela-Schule in Charlottenburg-Wilmersdorf derzeit nur eine internationale Schule ohne Schulgeld, in der maßgeblich auf Englisch unterrichtet wird. Zum Schuljahr 2018/19 will das Land ein zweite staatliche Schule in der Levetzowstraße in Moabit einrichten.

Natürlich ist Privatschule nicht gleich Privatschule. Es gibt auch viele kleine reformpädagogische Einrichtungen, die nur mit ganz viel Elternengagement über die Runden kommen. Die evangelische Schulstiftung betont, dass sie das Aufnahmeverfahren und die Festsetzung des Schulgeldbeitrages strikt trenne. Eltern, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, könnten sich von Zahlungen befreien lassen.

In der Bildungsverwaltung heißt es, dass sich Eltern doch melden mögen, wenn von ihnen ein zu hohes Schulgeld verlangt werde. Dann könne die Behörde gut dagegen vorgehen. Anders als in Hamburg ist die Höhe in Berlin nicht gedeckelt. Allerdings bildet auch die Schülerschaft an den meisten staatlichen Schulen nicht die tatsächliche Zusammensetzung der Bevölkerung ab. Es gibt Elitegymnasien genauso wie Brennpunktschulen.