Berlin - Nur wenn die Schulleitung gut ist, ist es auch die Schule. Das haben wissenschaftliche Studien längst festgestellt. Doch in Berlin gibt es immer wieder Konflikte zwischen Schulleitung und Lehrerkollegien. Nicht selten melden sich überforderte Schulleiter auch krank. Das Beamtenrecht erschwert häufig flexible Lösungen. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) bereitet jetzt die Reform der Schulleiterausbildung vor.

Herr Rackles, was macht einen guten Schulleiter aus?

Wenn er oder sie die Schule nicht nur leitet, sondern auch führt.

Was heißt das?

Früher waren es Schulleiter gewohnt von der Verwaltung Vorgaben entgegenzunehmen und in der Schule umzusetzen. Heute ist uns die Eigenverantwortlichkeit einer Schule wichtig. Ein Schulleiter muss kommunizieren können, teamfähig sein und auch Öffentlichkeitsarbeit machen, also das Profil seiner Schule nach außen transparent darstellen.

Zudem erfordert der Ganztagsbetrieb auch Kooperation mit Vereinen und anderen Einrichtungen in der Nachbarschaft. Und heutzutage besteht die Schulleitung aus mehreren Personen, die gut miteinander kooperieren müssen.

Sie wollen einen Schulleiter-TÜV. Künftige Schulleiter sollen sich zertifizieren lassen, bevor sie den Posten antreten. Wieso?

Wir haben großartige Schulleiter – und auch solche, die nicht ihrer Aufgabe gewachsen sind. Das sind meist Leute, die beratungsresistent sind, persönliche Probleme haben oder nicht wirklich teamfähig sind. Glücklicherweise ist das nicht die Regel. Nun wollen wir die Gunst der Stunde nutzen: Derzeit scheiden pro Jahr 30 bis 40 Schulleiter aus. Unser Ziel ist es, dass deren Nachfolger mit einer anderen und noch besseren Qualifikation auf den Posten des Schulleiters kommen.

2015 soll dieser Schulleiter-TÜV kommen. Was ändert sich?

Bisher haben wir ja ein sehr statisches System, bei dem vor allem die Beamtenlaufbahn zählt. Ein Schulleiter muss die zweijährige Probezeit bestehen, dann hat er für sein ganzes Berufsleben Anspruch darauf, als Schulleiter beschäftigt zu werden. Und wer die höhere Besoldungsgruppe hat, ist im Vorteil gegenüber anderen Bewerbern. Das hat aber mitunter gar nichts mit der Kompetenz zu tun, ein guter Schulleiter sein zu können.

Sie sprechen bereits gezielt Leute an?

Wir rekrutieren jetzt schon im Sinne einer vorausschauenden Personalpolitik. Und wir planen die Einrichtung einer Schulleiterakademie in Berlin. Das wird sicher zusammen mit dem Landesinstitut für Schule und Medien in Ludwigsfelde gemacht werden.

In 120 Stunden soll der Schulleiter-Nachwuchs dann auf seine künftige Arbeit vorbereitet werden. Wie soll das konkret aussehen?

Erfahrene Schulleiter, Wissenschaftler und Experten aus der Senatsbildungsverwaltung bilden in den Bereichen Schulmanagement, Qualitätsentwicklung, Ressourcen- und Budgetverantwortung, Führungsaufgaben sowie Recht und Verwaltung aus. Ich persönlich bin auch für längere Praxisphasen, angehende Schulleiter sollten mal in einer Brennpunkt-Schule hospitieren und dem Schulleiter über die Schulter schauen.

Am Ende der Qualifikation muss jede Nachwuchskraft offen darüber nachdenken, ob sie tatsächlich das Potenzial zur Übernahme einer Führungsrolle hat.

Werden die Schulleiter-Zertifikate benotet?

Nein, es sollten nur die Teilnahme und der erfolgreiche Abschluss zertifiziert werden.

Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die neuen Schulleiter bei der Bewerbung um einen Posten nicht dem Bewerber mit Beamtenlaufbahn unterliegen?

Die Bestenauslese sollte über die erworbenen Zusatzqualifikationen definiert werden. Dafür müssen wir die Laufbahnvorschriften ändern und zudem muss für Schulleiter das spezielle Anforderungsprofil angepasst werden.

Was wollen Sie denn künftig mit den Schulleitern machen, die sich nach einiger Zeit als nicht wirklich fähig erweisen?

Das ist schwierig. Zurzeit nutzen wir die zweijährige Probezeit offenbar nicht richtig und ziehen zu selten Konsequenzen, wenn die Indizien dafür sprechen, dass ein Schulleiter nicht geeignet ist. Aus der zweijährigen Probephase sollte eine Berufseingangsphase gemacht werden. Denn nach zwei Jahren haben wir so gut wie keine Möglichkeit mehr, Schulleiter zurückzustufen.

Das Gespräch führte Martin Klesmann.