Berlin - Im Streit um die künftige Arbeitszeit von Lehrern hat die Bildungsverwaltung vorgeschlagen, dass alle Lehrer ab 60 Jahren eine Stunde weniger unterrichten sollen. Das sei aber kein vollständiger Ausgleich für die Abschaffung der Lehrer-Arbeitszeitkonten, kritisierte Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer war 2003 durchschnittlich um eine Stunde, für Ober- und Berufsschullehrer um zwei Stunden erhöht worden.

Als Ausgleich dafür konnten Lehrer seither pro Schuljahr fünf Tage auf einem Arbeitszeit-Konto ansparen und dann Monate vor der eigentlichen Pensionierung in Rente gehen. Das schafft aber Unruhe in den Schulen. Denn oft kann kein adäquater Ersatz gefunden werden, wenn sich diese Lehrer mitten im Schuljahr verabschieden. Im Koalitionsvertrag haben SPD und CDU nun die Auflösung der Arbeitskonten festgeschrieben, das soll zu Beginn des nächsten Schuljahres passieren. Bisher angesparte Zeit bleibt erhalten oder wird ausgezahlt.

Die GEW fordert nun, dass Lehrer ab 55 Jahren eine Stunde weniger unterrichten und jüngere Lehrer weiter Arbeitszeit ansparen können. Eine solche Regelung würde aber etwa 650 zusätzliche Lehrerstellen nötig machen, also jährlich mehr als 30 Millionen Euro kosten. Das hat die Bildungsverwaltung abgelehnt. Parallel verhandelt man noch mit dem Finanzsenator. Die GEW organisiert nun eine Online-Petition. Einen Streik schloss sie aus, weil Beamte nicht streiken dürfen.