Ausgerechnet Wyoming. Ausgerechnet der bevölkerungsärmste Staat der USA war den Schülern des Herder-Gymnasiums in Westend in dem Schulprojekt der US-Botschaft zur amerikanischen Präsidentschaftwahl zugelost worden. „In Wyoming gewinnen immer die Republikaner. So wird es auch diesmal sein“, sagt der 17-jährige Ludwig Muthmann. Und so verkünden die Charlottenburger Schüler ihre Wahlprognose am Montag bei der Abschlussveranstaltung des Projekts in der Friedrich-Ebert-Stiftung: Die drei Wahlmänner aus Wyoming werden für Donald Trump als Präsidenten stimmen.

Insgesamt aber wird Hillary Clinton die Wahlen an diesem Dienstag gewinnen. Und das mit großem Vorsprung: 361 Wahlmänner für sie, nur 177 für Trump. Davon sind jedenfalls die rund 3 000 Schüler aus allen Bundesländern überzeugt, die an dem Projekt beteiligt waren. Die US-Botschaft hat es zum dritten Mal gemeinsam mit der Berliner Bildungsorganisation Life und der Universität Lüneburg organisiert.

Jeder Klasse, davon 19 aus Berlin, war am Beginn des Projekts ein US-Bundesstaat zugelost worden. Mit Hilfe des Internets informierten sich die Schüler über Geschichte, Politik, Wirtschaft, Demografie, Gesellschaft „ihres“ Staates und diskutierten intensiv darüber. Einige der Klassen waren erstmalig über Skype mit amerikanischen Partnerschulen vernetzt. Sie konnten so ihre Erkenntnisse und Analysen intensiv mit Gleichaltrigen diskutieren. Dieser Fokus sollte den Schülern die Möglichkeit geben, das Wahlverhalten stärker aus der Perspektive von Amerikanern wahrzunehmen. Hilfe gab es auch durch ein deutsch-amerikanisches Blogger-Team.

Lehrer weniger beteiligt

Durch die Lernplattform im Internet mit ihren verschiedenen Medienangeboten sei der Unterricht mehr an die Lebenswirklichkeiten der Jugendlichen gekoppelt, meinen die Experten von der Uni Lüneburg. Die Informationen würden nur wenig oder gar nicht von den Lehrern gefiltert. Die Schüler wählen selbst, welche Recherchen sie weiter verfolgen.

Alle Prognosen wurden gesammelt und zm Gesamtbild zusammengefügt. US-Botschafter John B. Emerson kommentierte die Ergebnisse. Er zeigte sich mehr als skeptisch, dass diese Wahl so eindeutig entschieden wird, wie die Schüler vorhersagten. In den ersten beiden Runden des Projekts hatten sie richtig gelegen. Vor acht Jahren irrten sie lediglich in zwei Bundesstaaten. Vor vier Jahren, zugegeben eine ziemlich leichte Prognose, stand Barack Obama für die Schüler als Sieger fest.

Am Montag musste Emerson nur ein wenig mit den Zahlen jonglieren, um die Überzeugung der Jugendlichen zu erschüttern. Er ließ alle Staaten Trump zuschlagen, in denen er sich sicher war, dass die Schüler falsch lagen, und alle, in denen der Ausgang knapp zu werden scheint. Schon stand der Republikaner gleichauf mit Clinton.

Gleichgültig, wer Präsident werde, er habe viel gelernt, sagt Ludwig Muthmann. Ein wenig bereut er es jetzt, dass er nicht Politik als Leistungskurs gewählt hat. Die Nacht auf Mittwoch werden einige Schüler im Gymnasium ihre Wahlparty feiern. Schule ist danach trotzdem. „Das geht“, versichert Englisch-Lehrerin Ann-Ev Baranov. Vor vier Jahren habe das ja auch geklappt.