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Nach unzähligen Reformen in den vergangenen Jahren sollen die Schulen im neuen Schuljahr 2012/13, das am Montag beginnt, endlich zur Ruhe kommen. Die Politik hat deshalb einen „Schulfrieden“ ausgerufen, will vorerst auf tiefgreifende Reformen verzichten „Schulfrieden ist nicht unbedingt meine Lieblingswort“, bekannte hingegen am Freitag Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD. Schließlich habe es ja zuvor „keinen Schulkrieg“ gegeben. Naja, viel Streit war schon. Und im neuen Schuljahr soll neben der Reform der Lehrerausbildung auch noch die Inklusion behinderter Schüler beschlossen werden. Das sind aber nur einige der „Baustellen“, die Schüler, Lehrer und Eltern nun erwarten:

Personal: Im neuen Schuljahr gibt es an den Gymnasien den 13. Jahrgang nicht mehr, dort machen erstmals alle Schüler nach 12 Jahren das Abitur. An nicht wenigen Gymnasien gibt es deshalb keine so angespannte Personalsituation wie in den vergangenen Jahren. Andere Gymnasien haben vorgeplant, Lehrer umgesetzt und bekommen nun dennoch Mittel aus dem Vertretungslehrer-Pool gestrichen, was einige Schulleiter empört. Insgesamt werden in diesem Jahr 1 172 Lehrer eingestellt, laut Bildungsverwaltung etwa 300 Lehrer mehr als statistisch nötig. Allerdings werden im darauffolgenden Schuljahr so viele Lehrer ausscheiden wie seit Jahrzehnten nicht mehr, nämlich über 1400 Pädagogen. Eingestellt wurde vor allem an Grundschulen und Sekundarschulen, wobei man dort auch Studienräte für die gymnasiale Oberstufe gewinnen konnte.

Bewerberlage: Anders als andere Bundesländer verbeamtet Berlin seine Lehrer nicht und hat deshalb im bundesweiten Wettbewerb um Lehrer einen Standortnachteil. 74 Prozent der eingestellten Bewerber wurden aber in Berlin ausgebildet, blieben der Heimat treu. Immerhin 16 Prozent wurden aus anderen Bundesländern als Angestellte nach dem dem Zweiten Staatsexamen übernommen. Zehn Prozent aber kamen als Beamte aus anderen Bundesländern, meist zu überdurchschnittlich guten Bedingungen. Diese Ungleichbehandlung verprellt angestellte Junglehrer und steht im Widerspruch zur politischen Linie, Lehrer nicht mehr zu verbeamten. Sachsen ist wesentlich konsequenter und übernimmt Lehrer gar nicht mehr als Beamte.

Grundschule: Grundschulen in sozialen Brennpunkten, deren Klassen weniger als 23 Schüler haben, verlieren wenigstens eine, ab 21 Schüler beide Förderstunden. Damit werden knapp 50 Lehrerstellen eingespart. Auf diese Weise werden 60 Lehrerstellen finanziert, damit Konrektoren mindestens sieben Stunden weniger unterrichten und mehr Zeit für das Schulmanagement bleibt. Kostenneutralität heißt das Prinzip.

Dauerkranke Lehrer: Derzeit sind 1448 Lehrer als dauerkrank gemeldet (2011: 1550, 2010: 1153), knapp fünf Prozent aller Lehrer sind also mindestens drei Monate, oft über ein Jahr krankgemeldet. Das kostet jährlich 50 Millionen. Seit man vor zwei Jahren vereinbart habe, dauerkranke Lehrer sofort zu ersetzen, habe sich deren Zahl deutlich erhöht, ätzt es aus dem Haus von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos).

Hilfe für Roma-Kinder: Im neuen Schuljahr gibt es 126 temporäre Lerngruppen für Deutsch-Intensivkurse. Vor allem Kinder aus zugewanderten Roma-Familien soll so der Schulbesuch ermöglicht werden. Für Sprach- und Kulturmittler aus Roma-Familien, die über freie Träger beschäftigt werden, sind zudem 300.000 Euro eingeplant, vor allem für Mitte und Neukölln. Kritiker warnen, dass die Folge weiterer Zuzug sein wird.

Lehrerausbildung: Im Oktober soll das Konzept zur Reform der Lehrerausbildung fertig sein. Es enthält offenkundig mehr Praxisanteile während des Studiums, betont die Ganztagsschulpädagogik und den Umgang mit sehr unterschiedlichen Schülern. Ab Wintersemester 2013/14 sollen Masterstudenten danach studieren.

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