Schulstart in Berlin: Mehr Schüler, mehr Lehrer, mehr Probleme

Für fast 400.000 Berliner Kinder und Jugendliche beginnt am Montag wieder der Ernst des Lebens. Die rund 30.000 ABC-Schützen starten erst am Samstag. Insgesamt gibt es zum Schuljahresbeginn in Berlin fast 6000 Schüler mehr als im vergangenen Jahr, aber die alten Probleme. Folgende sechs Baustellen überschatten den Schulbeginn:

1. Der Lehrermangel

In der Hauptstadt sind Lehrer notorisch knapp. Derzeit gehen viele in den Ruhestand, mehr Bedarf entsteht durch Altersermäßigungen und steigende Schülerzahlen. Zugleich werden zu wenig Lehrer mit der Ausbildung fertig. Zum neuen Schuljahr gab es deshalb eine Lücke von 2000 Stellen, die die Bildungsverwaltung nur mit großer Mühe schließen konnte - unter anderem, weil Berlin anders als andere Bundesländer nicht verbeamtet.

Von den neuen Lehrern kommt jeder zehnte aus Nordrhein-Westfalen, viele aus Baden-Württemberg oder Bayern. Doch es reicht nicht: Nach der Prognose der Gewerkschaft GEW werden bis 2022 rund 14.000 neue Lehrer gebraucht.

2. Die Quereinsteiger

Weil sich nicht genug Bewerber fanden, erklärte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) fast alle Schulfächer zu Mangelfächern. So konnten auch Quereinsteiger eingestellt werden, die den Lehrerberuf nicht studiert haben. Jeder siebte neue Lehrer, insgesamt 300, muss nun neben dem Job noch ein Seminar zu Pädagogik, Unterrichtsvorbereitung und Didaktik belegen. „Es bleibt abzuwarten, wie viele der Bewerber im Laufe der kommenden Monate abspringen, sobald sie mit der Lebensrealität konfrontiert sind“, warnten kürzlich die Grünen.

3. Die ungeliebte Grundschule

Die meisten offenen Stellen gab es an Grundschulen - hier fangen mit 810 Pädagogen mit Abstand die meisten neuen Lehrer an. Zugleich lassen sich immer weniger Studenten zu Grundschullehrern ausbilden. Die GEW führt das auch darauf zurück, dass Grundschullehrer weniger Geld bekommen als ihre Kollegen an Oberschulen.

Um den Bedarf für das neue Schuljahr zu decken, stellte die Bildungsverwaltung jetzt 245 Lehrer an Grundschulen ein, die eigentlich für Gymnasien oder Sekundarschulen ausgebildet sind. Sie sollen vor allem in Klasse 5 und 6 eingesetzt werden. Denn für die absoluten Lernanfänger, das räumt Scheeres ein, fehlt ihnen oft das Handwerkszeug.

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