Berlin - Seit Jahresbeginn ist der Wachschutz an Neuköllner Schulen aus Geldmangel abgeschafft. Doch nach einem besorgniserregenden Vorfall erhält das Albert-Schweitzer-Gymnasium am Hermannplatz nun wieder Wachschützer. Der Träger Antares IT gGmbH setze drei Ein-Euro-Jobber mit einer Wachschutzausbildung vor Ort als „Schulstreife“ ein, teilte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) mit. Allerdings sei dies „eine Zwischenlösung“, denn die Maßnahme, die bereits am Montag beginnt, sei zunächst bis Ende Februar beschränkt. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, das die „Schulstreifen“ auch finanziere, so Giffey. Insgesamt wolle das Jobcenter sogar 20 Stellen zur Verfügung stellen und Arbeitslose als Wachschützer qualifizieren.

Auslöser für diese schnelle Reaktion war ein Vorkommnis während der 7. Stunde am Donnerstag im Schweitzer-Gymnasium. Oberschüler hatten in der Toilette im Erdgeschoss einen Mann und eine Frau angetroffen, berichtet Schulleiter Georg Krapp. Der Mann sei völlig regungslos gewesen, und eine Spritze habe in seinem Arm gesteckt. Von den Schülern alarmiert, verriegelte Krapp die Tür zur Toilette, rief die Polizei sowie einen Rettungswagen.

Die Drogensüchtigen schreckten daraufhin auf und hämmerten gegen die Tür. Sozialarbeiter mussten sie beruhigen. Die Polizei nahm eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz auf. Schulleiter Krapp hatte bereits vor dem Vorfall wiederholt davor gewarnt, dass nach dem Aus für den Wachschutz wieder Schulfremde oder gar Drogensüchtige vom nahen Hermannplatz oder von der Hasenheide in sein Schulgebäude eindringen.

Neukölln hatte den Wachschutz Ende 2007 eingeführt, zuletzt bewachten Wachschützer den Zugang zu 15 Schulstandorten. Das kostete den Bezirk 700.000 Euro im Jahr. Da im Neuköllner Haushalt aber derzeit etwa neun Millionen Euro fehlen, verzichtete Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) nun zähneknirschend wieder auf den Wachschutz. An anderen Neuköllner Schulen bewachen nun Lehrer während die Eingänge. Stadträtin Giffey betonte, dass nun aber auch „technische Lösungen für die Erhöhung der Sicherheit an Schulen geprüft“ würden.