Derzeit kann niemand definitiv sagen, wann das letzte Flugzeug vom Flughafen Tegel abheben wird. Der Zeitplan lautet: Eröffnung des BER in Schönefeld plus sechs Monate, dann muss Tegel geschlossen sein. Aber ob der Flugbetrieb dann „im Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter eingestellt wird, wissen wir nicht“, sagt Engelbert Lütke Daldrup, der Bau-Staatssekretär in Berlin.

Er meint wohlgemerkt das Jahr 2018. Und daraus leitet er ab, dass spätestens ab 2019 östlich der beiden heutigen Start- und Landebahnen eines der größten neuen Wohnviertel in der Stadt errichtet werden kann – das Schumacher Quartier mit rund 5000 Wohnungen für etwa 10.000 Menschen.

Es war mal das Olympische Dorf dort vorgesehen

Erst mit der Tegel-Schließung macht es überhaupt Sinn, über Wohnen an diesem Standort nachzudenken. Nur ein paar Dutzend Meter hoch fliegen die Airlines etwa im Landeanflug über das 48 Hektar große Areal, das bis zum Kurt-Schumacher-Platz reicht. Zudem wird es noch von der A111 zerschnitten. Der Senat will das Gebiet völlig neu strukturieren, nachdem kurzzeitig dort das Olympische Dorf vorgesehen war – bekanntlich flog Berlin gegen Hamburg ja raus.

Den neuen Entwurf liefert nun das Büro Scheuvens + Wachten plus Planungsgesellschaft aus Dortmund zusammen mit den Landschaftsarchitekten W6F Landschaft aus Nürnberg. Die Arbeitsgemeinschaft hat am Montagabend den 1. Preis eines städtebaulichen Wettbewerbs gewonnen, der jetzt Grundlage für alle weiteren Planungen ist.

Ein Stadtpark im Zentrum

Ein Kernelement ist: Die Autobahn A111 wird von der Einfahrt in den Tunnel Flughafen Tegel bis zum Kurt-Schumacher-Damm aufgehoben. Die Straße soll Richtung Norden verlegt und zu einer 32 Meter breiten Stadtstraße ausgebaut werden, die künftig am Kapweg endet. Mit zwei Fahrspuren je Richtung, breiten Rad- und Gehwegen sowie Baumreihen. „Das wird ein städtischer Boulevard“, sagt Lütke Daldrup.

Im Zentrum des Wohnquartiers werde ein Stadtpark angelegt. Dort sind auch zwei Standorte für Schulen vorgesehen. Nördlich des Parks wird eine Sekundarschule mit fünf oder sechs Zügen pro Klassenstufe auf zwei Hektar Fläche entstehen, südlich eine Grundschule mit vier Zügen auf 1,5 Hektar. Gleich daneben ist ein großes Einkaufszentrum mit Supermarkt geplant.

Wie Lütke Daldrup sagt, werden in den nächsten zwei Jahren die Planungen erarbeitet, 2020 soll dann der Wohnungsbau zusammen mit dem Neubau der beiden Schulen starten. Die Idee dafür ähnelt dem Konzept für die Elisabethaue in Pankow, wo auf einer derzeit als Ackerland genutzten Fläche ebenfalls 5000 Wohnungen errichtet werden sollen.

Vier- bis füngeschossige Wohngebäude

Auch in Tegel werden landeseigene Wohnungsbaugesellschaften 50 Prozent der Wohnungen bauen. Wie der Staatssekretär sagt, werden es drei Gesellschaften sein, sie werden im Sommer bekanntgegeben. Die Wohngebäude werden vier bis fünf Geschosse hoch. 30 Prozent dieser 2500 Wohnungen sind Sozialwohnungen mit Kaltmieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Eine Großteil der Mieten soll zudem im mittleren Bereich unter 10 Euro pro Quadratmeter liegen. Die andere Hälfte des Quartiers mit noch einmal 2500 Wohnungen sollen von Genossenschaften, Baugruppen sowie privaten Projektentwicklern errichtet werden. Sie müssen einen Anteil von 25 Prozent Sozialwohnungen einhalten. Auch etwa 500 Wohnungen für Studierende soll es geben. Denn in den heutigen Hauptterminal A des Flughafens – der Senat will Tegel zu einer Urban Tech Republik für bis zu 1000 Unternehmen mit 17.500 Beschäftigten umgestalten – soll einmal die Beuth-Hochschule einziehen.

Den Architekten des Schumacher Quartiers sei es gelungen, mit Hauptwegen eine Verbindung zwischen dem Kurt-Schumacher-Platz und der weiträumigen Freifläche am Flughafen zu schaffen, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Überzeugt habe auch die Grünverbindung, die sich von Norden nach Süden durch das Quartier zieht. An den Hauptverkehrsstraßen wie dem Boulevard und dem Kurt-Schumacher-Damm sind in den Erdgeschossen Läden und andere gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Komplette Büro- und Geschäftshäuser gibt es nur im östlichen Bereich – am Kurt-Schumacher-Platz.