Friedrichshain-Kreuzberg - Jetzt kommt Hilfe aus dem Nachtleben: Mit Beginn des neuen Jahres wollen zwei Clubs ihr Räume zumindest zeitweilig für Obdachlose öffnen. An jeweils zwei Tagen pro Woche sollen 25 Männer im Astra Kulturhaus in Friedrichshain und 15 Frauen im Bi Nuu in Kreuzberg übernachten dürfen. Um sie unterzubringen sollen ein Vorraum und der Backstagebereich genutzt werden. Die Nacht verbringen die Obdachlosen dann auf Feldbetten. Ihnen soll auch warmes Abendessen, heißer Tee und Frühstück gereicht werden.

Die temporären Unterkünfte werden dann betrieben vom sozialen Träger Gebewo. Er hat mit den Clubbesitzern bereits einen Teil der Ausstattung zusammengetragen. „Wir haben dieses Angebot für Januar und Februar bekommen“, sagt Geschäftsführer Robert Veltmann.

Hauptstadt der Obdachlosen

Es gilt dann für montags und dienstags, also jeweils an den Schließtagen der Clubs. „Früher haben Clubs manchmal Geld für uns gesammelt“, sagt er. „ Solch aktive Hilfe ist jetzt neu.“ Auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt das Projekt. Denn mittlerweile ist es in Berlin extrem schwierig geworden, geeignete Immobilien für Notübernachtungen im Winter zu finden. 

Derzeit gibt es in der Hauptstadt etwa 920 Notschlafplätze pro Nacht. Das Angebot soll in den kalten Wintermonaten aber noch auf mehr als 1000 Plätze ausgeweitet werden.

In keiner anderen Stadt Deutschlands leben so viele Obdachlose wie in Berlin. Natürlich muss man sich nicht als solcher registrieren, doch dass die Anzahl dieser Menschen zugenommen hat, ist im Stadtbild offensichtlich. Die Schätzungen der Sozialverbände reichen von 4000 bis 10000 Personen.

Nach Angaben der Senatssozialverwaltung waren im vergangenen Jahr etwa 37 000 Menschen in den Häusern der Wohnungslosenhilfe untergebracht. Das ist die Zahl all jener, die zwar nicht auf der Straße leben, aber auch keine eigene Bleibe haben. Ihre Zahl hat sich im Vergleich zu 2014 fast vervierfacht.

Diskussion über Unterkünfte

Die Notunterkünfte und ihre Mitarbeiter stehen vor einer riesigen Herausforderung, da die bislang verfügbaren Schlafplätze definitiv nicht ausreichen, um alle Obdachlosen unterzubringen. Erst im November sorgt es für Ärger, als die BVG ankündigte, keine U-Bahnhöfe mehr für Wohnungslose offen zu halten.

Zwar lenkte das Unternehmen kurz danach doch ein, aber die Diskussion über genügend Übernachtungsmöglichkeiten ebbt seither nicht ab.
Woher die zusätzlich benötigten Schlafplätze kommen sollen, bleibt abzuwarten. Die Senatssozialverwaltung lehnte kürzlich einen Vorschlag von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ab, Obdachlose in leerstehenden Wohncontainern für Flüchtlinge unterzubringen. 

Das Engagement der Clubs, ihre Räume temporär zu teilen, schafft zwar nicht allzu viel Abhilfe. Aber es kann dennoch einen Weg weisen in einer Stadt, in der der Platz für alle immer enger wird. Und vielleicht beteiligen sich auch noch andere Leute, deren Räume nachts leer stehen.