Ihre erste Reaktion sei damals gewesen: Das mach ich nicht, niemals!, erinnert sich Christa Markl-Vieto, heute grüne Stadträtin in Steglitz-Zehlendorf. Nicht machen wollte sie 2006 die Zählgemeinschaft mit der bezirklichen CDU, also Schwarz-Grün. Es kam dann anders. Die Koalition hält seit acht Jahren.

„Niemals“, erzählt auch Kordula Schulz-Asche, von 1983-1985 Fraktionsvorsitzende des Grünen-Vorgängers Alternative Liste im Abgeordnetenhaus, „niemals hätte ich damals gedacht, dass ich mal mit der Partei von Klaus-Rüdiger Landowsky und Heinrich Lummer kooperieren würde“. Jetzt sitzt sie für die Grünen im Bundestag, aber zuvor hat sie als Landesvorsitzende der hessischen Grünen maßgeblich die schwarz-grüne Koalition mitgeschmiedet, die jetzt das reiche Bundesland regiert. Verhandelt hat sie mit der als intrigant und konservativ geltenden hessischen CDU, geführt von Ex-Innenminister Volker Bouffier, der das Label Hardliner trug.

Beispiel Hessen

Geht sowas auch in Berlin und im Bund?, wollte der Pankower Kreisverband der Grünen wissen und lud zur Diskussion, die ein überschaubares Parteipublikum anzog. Schwarz-Grün ist nichts für viele traditionell eher linke Berliner Grüne, weshalb Renate Künast diese Option im Wahlkampf 2011 in letzter Minute absagte. Weil Klaus Wowereit dann Rot-Grün absagte, sitzen die Berliner Grünen weiter in der Opposition, während Kordula Schulz-Asche zufrieden vortrug, was man der hessischen CDU abgetrotzt habe: Zwei Ministerien, für alles, was den Grünen wichtig sei − Energie, Wirtschaft, Umwelt, Regionalplanung plus ein Staatssekretär für Soziales. Mehr Bürgerrechte und -beteiligung, Kennzeichnung von Polizisten, Schulfrieden, eine ökologische Forstwirtschaft.

Dass der Frankfurter Flughafen unter grüner Mitregierung vielleicht ein weiteres Terminal erhält und dass die umstrittene neue Nord-West-Landebahn in Betrieb bleibt, steht allerdings auch in dem Papier, nur eine Verlängerung des Nachtflugverbots wird diskutiert. „Aber mehr hätten wir mit der SPD auch nicht erreicht“, sagte Schulz-Asche. Ohnehin hätten die Sondierungen mit der Post-Ypsilanti-SPD in Hessen und der dort besonders linken Linkspartei keine Aussicht auf Erfolg ergeben. Es müsse einem als Grünen klar sein, wo für die Konservativen die Schmerzgrenze liegt, und das sei in Frankfurt nun mal der Airport. Sie habe den grünen Wählern, die in Flughafennähe wohnen, vor der Wahl auch nie den Abriss der Landebahn versprochen, weil das schon rechtlich nicht gehe.

Auch Christa Markl-Vieto nannte Unverträglichkeiten mit der Bezirks-CDU, thematisch ein paar Nummern kleiner als in Hessen. „Die Umbenennung der Treitschke-Straße ist mit der CDU in Steglitz-Zehlendorf eben nicht zu machen, auch wenn wir Grünen das anders sehen“. Man müsse sich nüchtern klarmachen, dass man solche Bündnisse auf Zeit eingehe, sagte Kordula Schulz-Asche. Die Grünen neigten zur ideologischen Überfrachtung von Koalitionen. Die hessische CDU habe dagegen bei den Verhandlungen nur nüchterne, kurze Listen mit Spiegelstrichen dabei gehabt. Es müsse auch klar sein, dass die CDU nicht aus Liebe mit den Grünen zusammengehe, sondern weil andere Koalitionen gerade nicht gehen und weil man sich in den großen Städten und bei den Wählerinnen einen Imagegewinn für die Konservativen verspreche.

Und dann hänge der Erfolg entscheidend von den führenden Personen ab, in Hessen von Volker Bouffier. Man könne sich auf das verlassen, was er zusage, berichtete Schulz-Asche. Einen Satz des jetzigen CDU-Ministerpräsidenten findet sie als Haltung auch für die Grünen in Berlin und im Bund bedenkenswert: Es könne ja sein, hatte Bouffier bei den Verhandlungen als sein Motto genannt, „dass die Gesprächspartner auf der anderen Seite des Tisches Recht haben“.