Schwarzer stirbt nach Polizeieinsatz: Berliner Polizei sieht keine eigenen Fehler

Der 64-Jährige sollte in eine Klinik überführt werden und kollabierte. Polizeichefin Slowik: Bisher keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.dpa/Paul Zinken

Die Ursache für den Tod eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau bleibt unklar. „Bisher gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden“, sagte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Der 64-jährige Kupa Ilunga Medard Mutombo hatte in einem Wohnheim im Falkenhagener Feld gelebt und sollte aufgrund eines richterlichen Unterbringungsbeschlusses am 14. September in eine geschlossene psychiatrische Klinik gebracht werden. Bei der Festnahme leistete er Widerstand und kollabierte. Er starb am 6. Oktober in einem Krankenhaus.

Die Opferberatungsstelle ReachOut sieht in diesem Fall rassistische Polizeigewalt und fordert die sofortige Suspendierung aller beteiligten Polizeibeamten. Bei einer Pressekonferenz, die der Verein in der vergangenen Woche ausrichtete, hieß es unter anderem, ein Betreuer habe beobachtet, dass ein Polizist auf dem Hals des Mannes kniete. Der Vergleich zu George Floyd wurde gezogen – jenem Afroamerikaner, der 2020 von einem Polizisten in Minneapolis während einer Festnahme getötet wurde, was Massenproteste auch in Europa unter dem Motto „Black Lives Matter“ auslöste.

Polizei rechnete auch mit Widerstand

Barbara Slowik gab am Montag eine andere Version des Geschehens wider: „Da mit Widerstand gerechnet wurde, wurden die Dienstkräfte der Polizei zur Unterstützung angefordert.“ Der Betroffene habe bereits in seinem Zimmer erheblichen Widerstand gegen die Mitnahme geleistet. Im Wohnheim sei er zu Boden gebracht worden, um ihm eine Handfessel anzulegen. „Auch dies erfolgte noch unter deutlichem Widerstand. Außerhalb der Räume kollabierte der Mann völlig unerwartet im Beisein seines Betreuers und des anwesenden Krankentransportdienstes.“ Unverzüglich seien seine Handfesseln gelöst worden, ein zum Rettungssanitäter ausgebildeter Polizeibeamter habe mit den Reanimationsmaßnahmen begonnen.

Die Ermittlungen zur Todesursache werden derzeit in der für den Ereignisort zuständigen Polizeidirektion geführt. Erst nach Vorliegen des vollständigen Obduktionsberichtes werde die Staatsanwaltschaft über eine anderweitige Bearbeitung entscheiden. „Nach dem derzeitigen Stand liegen keine Hinweise über Fremdverschulden oder rechtswidrige Handlungen der eingesetzten Polizeidienstkräfte vor“, sagte Slowik.

Der Umgang mit verhaltensauffälligen und psychisch erkrankten Personen in Akutsituationen sei seit Langem integraler Bestandteil des Einsatztrainings in der Ausbildung, sagte die Polizeichefin. „Trotzdem kann es zu solch tragischen Ereignissen kommen.“ Die Frage, warum die Polizei den Fall erst nach einer Woche von sich aus bekannt gegeben hat, konnte Slowik nicht beantworten.