Schwarzfahrer geht falschen Kontrolleuren in die Falle

Berlin - Kein Ticket? 60 Euro, bitte! 2015 enttarnten Kontrolleure in Berlins Bahnen und Bussen rund 670.000 Schwarzfahrer. Es scheint ein verlässliches Geschäft zu sein – das nun sogar Gauner auf den Plan ruft. Aber: Wie kann man sich gegen falsche Kontrolleure wehren?

Es ist eine neue Masche: Vor wenigen Tagen passierte einem jungen Kanadier das Unglaubliche: Dennis (35, Name geändert) stieg am Bahnhof Stadtmitte ohne Ticket in die U2, geriet in die Fänge der Betrüger. Sie gaben sich offenbar dreist als BVG-Kontrolleure aus. Als der junge Mann keinen Fahrschein vorweisen konnte, hielt einer der Männer ihn am Rucksack fest, schoss ein Foto von ihm, schrie ihn an, drohte mit Polizei.

Aus Angst wollte Dennis zahlen, doch er hatte nur 50 statt 60 Euro. Die Truppe begleitete ihn zu einem Geldautomaten. Das Ende vom Lied: Geld weg, Gauner auch. Und die BVG? Zur Tatzeit waren „überhaupt keine Fahrausweisprüfer im benannten Bereich oder in der Nähe unterwegs“, sagte Sprecher Markus Falkner.

Offenbar haben nun Betrüger durchschaut, dass sich mit Schwarzfahrern leicht Geld verdienen lässt. 670.000 flogen 2015 auf. In mehr als 53.000 Fällen stellten S-Bahn und BVG Strafanzeige gegen Passagiere.

Dennis ist also nur einer von vielen, die versuchen, die Öffentlichen kostenlos zu nutzen – ob mit Absicht oder aus Vergesslichkeit. Laut BVG ist er aber der Erste, der jetzt in die Hände falscher BVG-Kontrolleure geriet.

Strafe nicht bar bezahlen

Wie kann man sich schützen? Betroffene sollten sich in jedem Fall den Berechtigungsausweis des Mitarbeiters zeigen lassen. Denn sowohl BVG-Kontrolleure als auch Mitarbeiter externer Dienstleister müssen diese Karte mit sich führen. Darauf ist laut Falkner „ein Lichtbild und die Dienstausweisnummer sowie die Gültigkeit erkennbar“.

Zudem sollte die Schwarzfahr-Strafe nicht bar bezahlt, sondern überwiesen werden. Bei einer Barzahlung muss es einen Beleg geben. „Für jede Zahlung erhält der Fahrgast eine Quittung, die ihn zur Beendigung der Fahrt im gleichen Verkehrsmittel ohne Umsteigen berechtigt.“

Eine Quittung bekam auch Dennis nicht – ein weiteres Zeichen dafür, dass er Kriminellen auf den Leim ging. Wem so etwas passiert, der sollte schnell handeln. Laut Falkner sei es ratsam, „zur sofortigen Beweissicherung die auf den Bahnhof befindlichen Notrufsäulen aufzusuchen und den Vorfall zu melden. Gegebenenfalls ist die Polizei hinzuzuziehen und Anzeige zu erstatten.“

Im Jahr 2005 gab es schon einmal Meldungen über falsche Kontrolleure. Damals empfahl die BVG Betroffenen, Strafanzeige wegen Betrugs zu stellen. Das rät auch Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB. „Auf jeden Fall muss die Polizei gerufen werden“, sagt er. Und wenn die Täter weg sind? „Anzeige gegen unbekannt erstatten“, rät er. Ob Ticket oder nicht, „Betrug ist Betrug.“